Mord in Weißensee

Blutrache in Berlin? 44-Jähriger hinterm Steuer erschossen

Ein 44-Jähriger wird in Berlin-Weißensee getötet. Ermittler prüfen Blutrache zwischen rivalisierenden Familien als Motiv. Polizei sucht die flüchtigen Täter.

Author - Stefan Henseke
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Ein 44-jähriger Mann wurde am Wochenende in seinem weißen Transporter erschossen.
Ein 44-jähriger Mann wurde am Wochenende in seinem weißen Transporter erschossen.Fabian Sommer/dpa

Am Samstagmorgen wurde ein 44-jähriger Mann in der Weißenseer Gustav-Adolf-Straße erschossen. Neun Schüsse durchsiebten die Fahrertür eines weißen Mercedes-Transporters. Der Mann starb auf dem Fahrsitz. Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass es sich um Blutrache handelt.

Konflikt schwelt seit Monaten

Zwei türkische Familien sollen sich um eine Immobilie in der Türkei streiten. Der Konflikt schwelt seit Monaten, berichtet die B.Z. Bereits im Juli vergangenen Jahres kam es in der Weddinger Bastianstraße zu einer Massenschlägerei, über die auch der KURIER berichtete.

40 bis 60 Beteiligte gingen aufeinander los, zwei Männer griffen sich mit Messern an. Beide wurden schwer verletzt, ein 30-Jähriger erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus. Damals hieß es noch, dass sich die an der Auseinandersetzung beteiligten Menschen wohl nicht persönlich gekannt hätten.

Die rivalisierenden Familien kennen sich aber. Laut B.Z. schwor die Familie des Messeropfers Blutrache, suchte sich den 44-jährigen Onkel des Täters als Angriffsziel aus – und schlug jetzt in Berlin-Weißensee zu.

44-Jähriger wird durch die Autotür erschossen

Am Samstagmorgen gegen 6 Uhr kam es zu dem Angriff. Laut einem Polizeisprecher hielt laut Zeugen ein dunkles Auto neben dem geparkten weißen Mercedes in Weißensee. Aus dem Auto heraus wurde das Feuer auf den 44-jährigen Fahrer des Transporters eröffnet.

Neun Schüsse durchlöcherten die Fahrertür, der Mann hinter dem Steuer wurde von mehreren Schüssen getroffen, sagte der Polizeisprecher Ömer Kelesoglu zum KURIER. Die Täter flüchteten unerkannt.

Nach den Schüssen sperrte die Polizei am Samstag stundenlag die Gustav-Adolf-Straße, um Spuren zu sichern.
Nach den Schüssen sperrte die Polizei am Samstag stundenlag die Gustav-Adolf-Straße, um Spuren zu sichern.Fabian Sommer/dpa

Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen übernommen hat, kann zu dem Fall noch nichts sagen. Aber: „Auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehen in diese Richtung“, bestätigt Staatsanwalt Michael Petzold gegenüber dem KURIER. Die 7. Mordkommission hat im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Für den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Stephan Weh, war schon am Samstag klar: „Das war keine schiefgegangene Warnung, sondern eine gezielte Tötung.“