Am Weißen See ist Schluss mit dem Sommer‑Idyll. Wo früher Familien picknickten und Mutige von wilden Badestellen ins Wasser stiegen, steht jetzt eine fast geschlossene Totholz‑Hecke. Der Zugang zum See?
Künftig nur noch durchs Strandbad. In den nächsten Wochen zeigt sich, ob das teure, aber ziemlich unansehnliche Bollwerk die Wildbader wirklich fernhält.
Ökologischer Schutzwall
Um Badelustige vom See fernzuhalten, wurden im Abstand von 50 Zentimetern Holzpflöcke in den Boden getrieben und dazwischen Totholz gestapelt. Ein Metallgitter stabilisiert das Ganze zusätzlich. Diese naturnahe Barriere nennt sich Benjeshecke – doch in Weißensee sorgt der neue „Schutzwall“ bei vielen für ordentlich Unmut.
Das Bezirksamt Pankow hält unbeirrt an seinem Plan fest: Badende, die das Ufer beschädigen und sich dabei oft selbst in Gefahr bringen, sollen künftig ausgesperrt werden.
Rund zwei Millionen Euro lässt sich der Bezirk das Vorhaben kosten. „Die Benjeshecken sind zu 90 Prozent fertiggestellt“, teilt Pankow auf KURIER‑Anfrage mit.

Nur an einigen Stellen müssten noch Ergänzungen vorgenommen werden. „Notwendige kleine Zugangstore sollen, nach Lieferung, im Mai oder Juni eingebaut werden. Gleiches gilt auch für eine breiteres Tor, welches Zugang für Rettungskräfte inklusive Rettungsausrüstung ermöglichen wird“, so der Sprecher des Bezirksamtes.
Strandbad am Weißen See teuer
Ob sich die Menschen aber dem neuen Mauer-Diktat beugen, werden die nächsten warmen Tage zeigen. Der Eintritt im Strandbad am Weißen See ist teuer: Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern zahlt 23 Euro für das Tagesticket.
Auch nur ein kurzer Sprung ins Wasser nach Feierabend kostet immernoch 6, ermäßigt 4 Euro zum Abendtarif. Kinder bis 12 Jahre zahlen 4 Euro Eintritt, die Tageskarte für Erwachsene kosten 9,50.
Wer öfter zu Berlins einzigem innerstädtischen See (vom Alex braucht man mit der Straßenbahn gerade mal 20 Minuten bis zum Strandbad Weißensee) kommt, spürt das schnell im Portemonnaie.

Ob sich die Gäste an das neue Uferbauwerk gewöhnen, bleibt offen. Das Straßen‑ und Grünflächenamt meldet bereits erste kleinere Vandalismusschäden.
„Durch das Straßen- und Grünflächenamt Pankow wurden schon Vandalismusschäden in kleinerem Umfang festgestellt. Insbesondere wurden dabei neu gepflanzte Sträucher aus dem Boden gerissen“, schreibt der Sprecher der Ordnungsstadträtin Manuela Anders‑Granitzki, deren Verwaltung für die Hecke zuständig ist.
Die Hässlich-Hecke hat 1,98 Millionen Euro gekostet
Verstärkte Kontrollen rund um den neu umzingelten See kann sich Pankow aber nicht leisten: „Am ersten Maiwochenende fanden noch keine Kontrollen durch den Allgemeinen Ordnungsdienst des Ordnungsamtes Pankow (AOD) am Weißen See statt. In der Badesaison wird der See und die umgebende Grünanlage, im Rahmen der personellen Kapazitäten, wie gewohnt, bestreift werden.“

Seitens der vom Bezirksamt beauftragten Parkläufer sei mitgeteilt worden, dass die Hecke nunmehr, bedingt durch ihre Höhe und Breite, eine deutliche Barriere darstelle, so der Sprecher weiter.
Man gehe davon aus, „dass das Badeverbot und der Schutz des ufernahen Bereichs zukünftig mehr Beachtung finden werden.“

Die Gelder für die Hecke kommen aus Töpfen des Bundesamts für Bauwesen und Raumforschung. Veranschlagt sind inklusive Planungsverfahren, benötigten Gutachten, Ufersanierung und Aufbau insgesamt 1,98 Millionen Euro.




