Während im S-Bahn-Ring in den vergangenen Jahren Radweg um Radweg dazukam, werden die Randbezirke immer noch stiefmütterlich behandelt. Sichere Wege für Radfahrer vom Stadtrand in die Innenstadt sind Mangelware. Was alles in Treptow-Köpenick geplant ist.
Johannisthal: Fünf Jahre für ein einziges Trittbrett
Die Mühlen der Berliner Bürokratie mahlen langsam. Sehr langsam. Im September 2021 hatte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) beschlossen, sogenannte Wartetrittbretter für Fahrradfahrer an fünf Kreuzungen im Bezirk zu installieren. Fünf Jahre hat es gebraucht, bis vor wenigen Tagen das erste an der Kreuzung Groß-Berliner Damm/Segelfliegerdamm installiert wurde – und jetzt tun die Verantwortlichen so, als ob das die große Innovation wäre.

Treptow-Köpenick spricht von einem Pilotprojekt, per QR-Code werden Radfahrer befragt, was sie von den Trittbrettern halten. Dabei gibt es diese „Innovation“ auch schon in anderen Städten – und seit Februar 2021 in Berlin-Prenzlauer Berg, an der Großkreuzung aus Wisbyer Straße, Prenzlauer Allee, Ostseestraße und Prenzlauer Promenade.
3500 Euro kostete damals die Einrichtung, die von den Radfahrern gut angenommen wurde. Und wird. Denn die Haltestangen mit den Trittbrettern stehen bis heute. Treptow-Köpenick hätte also nur mal bei den Kollegen in Pankow nachfragen müssen.

Und so vermutet der Bezirk Treptow-Köpenick jetzt in einer Mitteilung nur, dass die Wartetrittbretter sinnvoll sein könnten („Das soll nicht nur komfortabler für Radfahrende sein, sondern auch den Verkehrsfluss verbessern“) und schreibt entschuldigend, dass die Standortauswahl für Wartetrittbretter durchaus komplex sei (das soll wohl die fünf Jahre Wartezeit erklären).
Diese Rad-Projekte sollen jetzt wirklich kommen
Ganz klar aber ist: Bisher wurde auch in Treptow-Köpenick zu wenig für Radfahrer getan. „Neben langen Strecken für Radtouren muss auch mehr Raum für Fahrradfahrende im Alltag geschaffen werden: sei es auf dem Weg zur Arbeit, zum Kindergarten, zur Schule, zum Supermarkt oder zu Freizeitaktivitäten“, erklärt Claudia Leistner, die Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, auf der Bezirksseite von infraVelo, die die nächsten Projekte vorstellt.
43 Projekte wurden in den letzten Jahren abgeschlossen (unter anderem Radfahrstreifen am Adlergestell und zum Bahnhof Grünau), sechs Projekte sind in Planung, vier im Bau.
Hermann-Dorner-Allee (Radfahrstreifen, im Bau): In Adlershof wächst eine neue Gemeinschaftsschule heran – und dafür wird umgebaut. Damit die Kinder genug Platz auf dem Schulweg haben, wird der Gehweg verbreitert. Der bisherige Radweg musste weichen. Stattdessen entsteht auf der rechten Fahrspur (zwischen Auf dem Oktogon und Eisenhutweg) ein neuer 336 Meter langer und 2,25 Meter breiter Radfahrstreifen.
Radickestraße (Fahrradstraße, im Bau): Die Radickestraße soll als Schulweg sicherer werden. Dafür wird der Verkehr verlangsamt, die Straße an mehreren Stellen schmaler umgebaut.

Die Radickestraße wird deshalb durch den Umbau zweigeteilt. Der östliche Bereich der Radickestraße (Nipkowstraße bis Zinsgutstraße) wird zur Fahrradstraße (856 Meter). Der westliche Teil (Adlergestell bis Nipkowstraße) bleibt „normale“ Durchfahrtsstraße. Aber: Da man hier zukünftig nur noch auf einer Straßenseite parken kann, fallen Parkplätze weg.


