Radweg-Ausbau

Trittbretter für Radfahrer: Warum Treptow-Köpenick fünf Jahre für die Installation brauchte

In den Randbezirken geht der Radwege-Ausbau nur schleppend voran. Fünf Jahre für ein einziges Trittbrett – was Treptow-Köpenick alles plant.

Author - Stefan Henseke
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Für Radfahrer gibt es seit 2024 einen 2,5 Kilometer langen, gesicherten Radfahrstreifen auf der Straße am Adlergestell.
Für Radfahrer gibt es seit 2024 einen 2,5 Kilometer langen, gesicherten Radfahrstreifen auf der Straße am Adlergestell.infraVelo

Während im S-Bahn-Ring in den vergangenen Jahren Radweg um Radweg dazukam, werden die Randbezirke immer noch stiefmütterlich behandelt. Sichere Wege für Radfahrer vom Stadtrand in die Innenstadt sind Mangelware. Was alles in Treptow-Köpenick geplant ist.

Johannisthal: Fünf Jahre für ein einziges Trittbrett

Die Mühlen der Berliner Bürokratie mahlen langsam. Sehr langsam. Im September 2021 hatte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) beschlossen, sogenannte Wartetrittbretter für Fahrradfahrer an fünf Kreuzungen im Bezirk zu installieren. Fünf Jahre hat es gebraucht, bis vor wenigen Tagen das erste an der Kreuzung Groß-Berliner Damm/Segelfliegerdamm installiert wurde – und jetzt tun die Verantwortlichen so, als ob das die große Innovation wäre.

Die Konstruktion aus Metallstangen und Gitterbrett ermöglicht es Radfahrern, beim Warten vor der roten Ampel ihren Fuß abzustellen.
Die Konstruktion aus Metallstangen und Gitterbrett ermöglicht es Radfahrern, beim Warten vor der roten Ampel ihren Fuß abzustellen.Pressestelle TK

Treptow-Köpenick spricht von einem Pilotprojekt, per QR-Code werden Radfahrer befragt, was sie von den Trittbrettern halten. Dabei gibt es diese „Innovation“ auch schon in anderen Städten – und seit Februar 2021 in Berlin-Prenzlauer Berg, an der Großkreuzung aus Wisbyer Straße, Prenzlauer Allee, Ostseestraße und Prenzlauer Promenade.

3500 Euro kostete damals die Einrichtung, die von den Radfahrern gut angenommen wurde. Und wird. Denn die Haltestangen mit den Trittbrettern stehen bis heute. Treptow-Köpenick hätte also nur mal bei den Kollegen in Pankow nachfragen müssen.

An der Kreuzung Prenzlauer Allee/Ostseestraße gibt es die Wartetrittbretter schon seit Februar 2021.
An der Kreuzung Prenzlauer Allee/Ostseestraße gibt es die Wartetrittbretter schon seit Februar 2021.Andreas Friedrichs/imago

Und so vermutet der Bezirk Treptow-Köpenick jetzt in einer Mitteilung nur, dass die Wartetrittbretter sinnvoll sein könnten („Das soll nicht nur komfortabler für Radfahrende sein, sondern auch den Verkehrsfluss verbessern“) und schreibt entschuldigend, dass die Standortauswahl für Wartetrittbretter durchaus komplex sei (das soll wohl die fünf Jahre Wartezeit erklären).

Diese Rad-Projekte sollen jetzt wirklich kommen

Ganz klar aber ist: Bisher wurde auch in Treptow-Köpenick zu wenig für Radfahrer getan. „Neben langen Strecken für Radtouren muss auch mehr Raum für Fahrradfahrende im Alltag geschaffen werden: sei es auf dem Weg zur Arbeit, zum Kindergarten, zur Schule, zum Supermarkt oder zu Freizeitaktivitäten“, erklärt Claudia Leistner, die Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, auf der Bezirksseite von infraVelo, die die nächsten Projekte vorstellt.

43 Projekte wurden in den letzten Jahren abgeschlossen (unter anderem Radfahrstreifen am Adlergestell und zum Bahnhof Grünau), sechs Projekte sind in Planung, vier im Bau.

Hermann-Dorner-Allee (Radfahrstreifen, im Bau): In Adlershof wächst eine neue Gemeinschaftsschule heran – und dafür wird umgebaut. Damit die Kinder genug Platz auf dem Schulweg haben, wird der Gehweg verbreitert. Der bisherige Radweg musste weichen. Stattdessen entsteht auf der rechten Fahrspur (zwischen Auf dem Oktogon und Eisenhutweg) ein neuer 336 Meter langer und 2,25 Meter breiter Radfahrstreifen.

Radickestraße (Fahrradstraße, im Bau): Die Radickestraße soll als Schulweg sicherer werden. Dafür wird der Verkehr verlangsamt, die Straße an mehreren Stellen schmaler umgebaut.

Die Radickestraße in Berlin-Adlershof wird zur Fahrradstraße umgebaut.
Die Radickestraße in Berlin-Adlershof wird zur Fahrradstraße umgebaut.Daniel Rudolph/infraVelo

Die Radickestraße wird deshalb durch den Umbau zweigeteilt. Der östliche Bereich der Radickestraße (Nipkowstraße bis Zinsgutstraße) wird zur Fahrradstraße (856 Meter). Der westliche Teil (Adlergestell bis Nipkowstraße) bleibt „normale“ Durchfahrtsstraße. Aber: Da man hier zukünftig nur noch auf einer Straßenseite parken kann, fallen Parkplätze weg.

Großprojekt am Treptower Park verzögert sich bis 2027

Am Treptower Park (baulich getrennter Radweg, in Planung): Durch Bauarbeiten der Wasserbetriebe verzögert sich das Projekt und wird erst 2027 umgesetzt. Die Verkehrsführung auf der bisher nur stadtauswärts führenden Straße wird geändert, um die Autos, die von der A100 abfahren, besser zu verteilen.

Bisher ist die Straße am Treptower Park eine Einbahnstraße, zwei Spuren führen stadtauswärts. Künftig gibt es eine Spur für jede Richtung. Das erfordert auch Umbauten für Radfahrer und Fußgänger. Ein Radweg und ein parallel führender Gehweg werden neu gebaut.

Wie ist Ihre Meinung zu den Umbauten für Fahrradfahrer? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com