Berlin benennt sich um! In der Hauptstadt wurden zuletzt einige Straßen und Plätze umbenannt, um historisch belastete, als diskriminierend oder überholt empfundene Namen aus dem Stadtbild zu entfernen. Aus der Mohrenstraße wurde beispielsweise die Anton-Wilhelm-Amo-Straße. Jetzt ist ein zentraler Platz in Kreuzberg dran.
Aus Blücherplatz wird Eva-Mamlok-Platz
Der große, bekannte Blücherplatz am Halleschen Tor in Berlin-Kreuzberg steht vor einer historischen Veränderung: Künftig soll er Eva-Mamlok-Platz heißen. Das bestätigte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg am Mittwoch RBB24.
Die Entscheidung betrifft einen zentralen Ort im Bezirk. Hier versammeln sich in der Grünanlage jeden Frühling und Sommer etliche Berliner, unter anderem zum Karneval der Kulturen. Auf dem Blücherplatz steht auch die Amerika-Gedenkbibliothek, die zur Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) gehört.

Mit der Umbenennung will der Bezirk an Eva Mamlok erinnern, eine jüdische Widerstandskämpferin, die von den Nationalsozialisten verfolgt, inhaftiert und schließlich 1944 im Konzentrationslager Stutthof ermordet wurde.
Der formale Beschluss zur Umbenennung fiel bereits im Juni 2025. Die Bezirksverordnetenversammlung stimmte damals einem Antrag von Grünen, Linken und SPD zu. Am 14. April dieses Jahres folgte nun das Bezirksamt dem Votum und kündigte die Umsetzung an. Zuständig für Straßen- und Platznamen sind in Berlin grundsätzlich die Bezirke – Friedrichshain-Kreuzberg nutzt diesen Spielraum jetzt, um ein klares Zeichen zu setzen.
Keine Umbenennungen bis zur Berlin-Wahl
So schnell geht es allerdings nicht: Die offizielle Umbenennung soll laut Bezirksamt erst bis Ende 2026 erfolgen. Mit Rücksicht auf die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 wird der neue Name erst nach dem Urnengang eingeführt.

Das hat einen konkreten organisatorischen Hintergrund: Im März hatte das Landeswahlamt Berlin die Bezirke aufgefordert, zwischen dem 1. April und dem 20. September 2026 möglichst keine Straßen oder Plätze umzubenennen und keine Hausnummern zu verändern.
Denn bereits im April werden die Adressdaten für die Wahlunterlagen in das Wahlsystem übertragen. Spätere Änderungen könnten laut Landeswahlamt dazu führen, dass Datensätze erneut angepasst werden müssen. Das wiederum könne den Versand der Wahlunterlagen erschweren oder verzögern. Um Komplikationen zu vermeiden, wird die Umbenennung des Blücherplatzes deshalb auf die Zeit nach der Wahl verschoben.
Politik will „Akzentverschiebung“ im Stadtbild
Inhaltlich begründen die antragstellenden Fraktionen ihren Vorstoß mit einer bewussten Neuausrichtung der Erinnerungskultur. Mit dem Verzicht auf den Namen „Blücher“ werde eine frühere „frankophobe und militaristische Straßenbenennungspraxis“ korrigiert, erklärten sie. Ziel sei eine „andere Akzentsetzung bei der Straßen- und Platzbenennung“, die dem „heutigen antinationalistischen und antifaschistischen Grundkonsens“ entspreche.
Namensgeber des bisherigen Blücherplatzes war der preußische Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher, geboren 1742, gestorben 1819. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Sieg über Napoleon in der Schlacht von Waterloo.
Eva Mamlok steht für Widerstand gegen Nazis
Mit Eva Mamlok soll nun eine Frau gewürdigt werden, die früh den Mut zum offenen Widerstand zeigte. Im Antrag zur Umbenennung heißt es, sie sei bereits „mit 13 oder 14 Jahren nach mündlicher Überlieferung erstmals kurzzeitig verhaftet“ worden, „weil sie ‚Nieder mit Hitler‘ auf das Dach des Kaufhauses am Halleschen Tor geschrieben hatte“. Der Ort der Tat liegt damit in unmittelbarer Nähe des heutigen Platzes.

Künftig soll der Eva-Mamlok-Platz nicht an militärische Triumphe erinnern, sondern an Zivilcourage und Widerstand – mitten in Kreuzberg und sichtbar für alle.
