Stillgelegt ist er schon seit 2019. Doch der Ärger fängt jetzt erst richtig an. Beim ehemaligen Forschungsreaktor BER II in Berlin-Wannsee steht der Rückbau weiter in den Sternen. Wann es endlich losgeht? Unklar!
Abtransport ist nicht vor 2027 geplant
Das zuständige Helmholtz-Zentrum Berlin hatte ursprünglich gehofft, spätestens 2023 die nötige Genehmigung in der Tasche zu haben. Doch daraus wurde nichts. Jetzt heißt es aus der Berliner Umweltverwaltung: Vor 2027 sei wohl nicht einmal mit dem Abtransport des radioaktiven Abfalls zu rechnen. Das berichtet der RBB.
Berliner Atommüll konnte nach NRW kommen
46 Jahre lang wurde in dem Reaktor mit radioaktiven Stoffen geforscht. Seit der Abschaltung wegen veralteter Technik ist klar: Das Ding muss weg. Aber wie? Und vor allem: Wohin mit dem Atommüll?
Bis Ende Januar konnten Bürger Einwände gegen die Pläne einreichen – 155 Stück sind es geworden. Brisant: Die meisten stammen nicht einmal aus Berlin, sondern aus Nordrhein-Westfalen. Der Grund: Das dortige Zwischenlager in Ahaus ist als möglicher Standort für hochradioaktiven Müll aus Wannsee im Gespräch.

Finanzierung der Kosten derzeit offen
Schon 2019 rechnete man mit rund 240 Millionen Euro für Stilllegung und Rückbau. Den Großteil sollte der Bund zahlen. Doch ob diese Summe angesichts der jahrelangen Verzögerung noch realistisch ist? Dazu will aktuell niemand etwas sagen. „Zur Finanzierung liegen bei der atomrechtlichen Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde keine Zahlen vor“, heißt es von der Berliner Umweltverwaltung auf RBB-Anfrage. Das Helmholtz-Zentrum äußert sich derzeit mit Verweis auf das laufende Verfahren auf Nachfrage nicht dazu.
Der mittel- und schwachradioaktive Müll soll zunächst auf dem Gelände am Wannsee in einem neuen Zwischenlager untergebracht werden. Später ist eine Einlagerung im umstrittenen Schacht Konrad bei Salzgitter geplant.
„Da rollen jetzt nicht zwei Jahre ein paar Bagger. Wir werden das Ding da noch 70 bis 80 Jahre stehen haben.“
Umweltverbände klagen wegen Sicherheit der Lagerung
Doch auch dort herrscht Unsicherheit: Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) rechnet frühestens Anfang der 2030er Jahre mit einer Inbetriebnahme. Ursprünglich sollte das Endlager schon 2013 starten.
Zusätzlich laufen Klagen von Umweltverbänden wie BUND und Nabu vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg. Sie bezweifeln unter anderem die Sicherheit der geplanten Lagerung.
Aufgabe für viele Jahrzehnte
Kritiker warnen: Selbst wenn der Rückbau irgendwann beginnt, wird er Generationen beschäftigen. BUND-Verbandsprecher Matthias Krümmel sagte dem RBB, dass der Rückbau nach Beginn keine Sache von einigen Jahren, sondern eher von vielen Jahrzehnten sein dürfte. „Da rollen jetzt nicht zwei Jahre ein paar Bagger“, sagte er. „Wir werden das Ding da noch 70 bis 80 Jahre stehen haben.“
Und als wäre das nicht genug, stehen auf dem Gelände auch noch Überreste des Vorgängerreaktors BER I. Dessen Rückbau ist bislang nicht konkret geplant – obwohl Experten eine gemeinsame Lösung aus Effizienz- und Strahlenschutzgründen für sinnvoll halten.




