Damals in der DDR

Die dunkle Vergangenheit der Todesstrafe: Ein Blick auf Berlins letzte Hinrichtung

Weltweit steigen Hinrichtungen dramatisch an. Ein Blick auf Deutschlands letzte Exekution zeigt, wie nah die grausame Vergangenheit wirklich ist.

Author - Paula Hitzemann
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Die Zahl der weltweiten Hinrichtungen ist massiv gestiegen.
Die Zahl der weltweiten Hinrichtungen ist massiv gestiegen.Paul Buck

Laut Amnesty International ist die Zahl der Hinrichtungen so hoch wie seit über 40 Jahren nicht mehr – ein Anstieg von 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch wenn Berlin die Todesstrafe längst abgeschafft hat, ist die düstere Vergangenheit näher, als viele denken: Die letzte legale Hinrichtung liegt gar nicht so weit zurück.

Enthauptet – mitten in Berlin

Es ist der 11. Mai 1949, wir sind im Zellengefängnis Moabit. Ein 24-Jähriger wird wegen Raubmordes und Vergewaltigung zum Tode verurteilt. Die Strafe ist brutal: Enthauptung mit dem Fallbeil.

Nach der Hinrichtung Wehmeyers wurde die letzte Berliner Guillotine demontiert und vier Jahrzehnte lang im Keller der Untersuchungshaftanstalt Moabit verwahrt.
Nach der Hinrichtung Wehmeyers wurde die letzte Berliner Guillotine demontiert und vier Jahrzehnte lang im Keller der Untersuchungshaftanstalt Moabit verwahrt.IMAGO

Nur zwölf Tage später tritt das Grundgesetz in Kraft und beendet die Todesstrafe in der Bundesrepublik Deutschland. Mit dem 23. Mai 1949 war also Schluss mit der Todesstrafe – zumindest im Westen.

Währenddessen: Töten im Osten

Ganz anders die Lage in der DDR: Dort wird noch jahrzehntelang hingerichtet. Die letzte Hinrichtung auf deutschem Boden fand am 26. Juni 1981 in Leipzig statt. Das Opfer war Werner Siegfried Teske, ein hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, der 1981 rechtswidrig wegen angeblicher Spionage und versuchter Fahnenflucht zum Tode verurteilt wurde.

Statt Fallbeil setzte der Staat in diesem Falle auf den sogenannten „unerwarteten Nahschuss“: Der Verurteilte wurde ohne Vorwarnung aus der Zelle geholt, in einen Raum geführt und aus nächster Nähe mit einem gezielten Schuss in den Hinterkopf getötet. Öffentlichkeit gab es keine, Angehörige wurden erst später informiert. Erst 1987 schaffte die DDR die Todesstrafe endgültig ab – mehr als drei Jahrzehnte nach dem Westen.

Heute steigen die Zahlen wieder dramatisch

Die Vergangenheit wirkt plötzlich erschreckend aktuell, denn weltweit steigt die Zahl der Hinrichtungen massiv. 2707 registrierte Exekutionen in 17 Ländern gab es im Jahr 2025 – ohne Dunkelziffern. „Die Todesstrafe ist die extremste Form staatlicher Gewalt: Sie ist unmenschlich, endgültig und lässt keinen Raum für Fehler oder Gerechtigkeit“, warnt Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty Deutschland. Dass Staaten weiterhin töten, zeige eine „erschreckende Missachtung des Rechts auf Leben“.

Im ehemaligen Gefängnis in der Leipziger Südvorstadt lag die streng geheime, zentrale Hinrichtungsstätte der DDR.
Im ehemaligen Gefängnis in der Leipziger Südvorstadt lag die streng geheime, zentrale Hinrichtungsstätte der DDR.IMAGO /epd

In 113 Ländern wird immer noch die Todesstrafe verhängt. „Mehr als die Hälfte aller Länder der Welt“, betont Duchrow. Doch weltweit setze sich die Erkenntnis durch, „dass die Todesstrafe grausam, diskriminierend und wirkungslos ist - und deshalb keinen Platz mehr in unserer Zeit haben darf.“

Iran treibt Zahlen nach oben

Der drastische Anstieg geht vor allem auf das Regime im Iran zurück, wo die Behörden die Todesstrafe als gezieltes Machtinstrument benutzen. Dort wurden laut Amnesty mindestens 2.159 Menschen hingerichtet. „Im Iran können wir aktuell auf bedrückendste Weise sehen, wie Staaten die Todesstrafe einsetzen, um Angst zu verbreiten und Menschen zum Schweigen zu bringen“, sagt Duchrow. Auch 2026 wurden bereits wieder Menschen hingerichtet – nach Protesten und im Kontext internationaler Spannungen.

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