Laut Amnesty International ist die Zahl der Hinrichtungen so hoch wie seit über 40 Jahren nicht mehr – ein Anstieg von 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch wenn Berlin die Todesstrafe längst abgeschafft hat, ist die düstere Vergangenheit näher, als viele denken: Die letzte legale Hinrichtung liegt gar nicht so weit zurück.
Enthauptet – mitten in Berlin
Es ist der 11. Mai 1949, wir sind im Zellengefängnis Moabit. Ein 24-Jähriger wird wegen Raubmordes und Vergewaltigung zum Tode verurteilt. Die Strafe ist brutal: Enthauptung mit dem Fallbeil.

Nur zwölf Tage später tritt das Grundgesetz in Kraft und beendet die Todesstrafe in der Bundesrepublik Deutschland. Mit dem 23. Mai 1949 war also Schluss mit der Todesstrafe – zumindest im Westen.
Währenddessen: Töten im Osten
Ganz anders die Lage in der DDR: Dort wird noch jahrzehntelang hingerichtet. Die letzte Hinrichtung auf deutschem Boden fand am 26. Juni 1981 in Leipzig statt. Das Opfer war Werner Siegfried Teske, ein hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, der 1981 rechtswidrig wegen angeblicher Spionage und versuchter Fahnenflucht zum Tode verurteilt wurde.
Statt Fallbeil setzte der Staat in diesem Falle auf den sogenannten „unerwarteten Nahschuss“: Der Verurteilte wurde ohne Vorwarnung aus der Zelle geholt, in einen Raum geführt und aus nächster Nähe mit einem gezielten Schuss in den Hinterkopf getötet. Öffentlichkeit gab es keine, Angehörige wurden erst später informiert. Erst 1987 schaffte die DDR die Todesstrafe endgültig ab – mehr als drei Jahrzehnte nach dem Westen.
Heute steigen die Zahlen wieder dramatisch
Die Vergangenheit wirkt plötzlich erschreckend aktuell, denn weltweit steigt die Zahl der Hinrichtungen massiv. 2707 registrierte Exekutionen in 17 Ländern gab es im Jahr 2025 – ohne Dunkelziffern. „Die Todesstrafe ist die extremste Form staatlicher Gewalt: Sie ist unmenschlich, endgültig und lässt keinen Raum für Fehler oder Gerechtigkeit“, warnt Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty Deutschland. Dass Staaten weiterhin töten, zeige eine „erschreckende Missachtung des Rechts auf Leben“.

In 113 Ländern wird immer noch die Todesstrafe verhängt. „Mehr als die Hälfte aller Länder der Welt“, betont Duchrow. Doch weltweit setze sich die Erkenntnis durch, „dass die Todesstrafe grausam, diskriminierend und wirkungslos ist - und deshalb keinen Platz mehr in unserer Zeit haben darf.“


