Erinnern Sie sich noch an die Bauarbeiten am Sony Center oder an eine Kugel Eis bei Florida in Spandau für gerade mal 70 Cent? Und daran, wie im Radio „Daylight in Your Eyes“ von den No Angels lief? Das ist inzwischen alles mehr als 25 Jahre her. Es war eine andere Zeit und auch ein anderes Berlin.
Berlin wird neu sortiert
Am 1. Januar 2001 wurde die Hauptstadt neu geordnet. Die große Bezirksreform trat in Kraft. Aus 23 Bezirken wurden zwölf – per Gesetz, per Verwaltungsakt, gegen viele Widerstände.
Beschlossen wurde die Reform bereits 1998. Und das mit hauchdünner Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Versprochen wurden Einsparungen, mehr Effizienz und Bürgernähe. Was davon wirklich angekommen ist, darüber streiten viele Berliner bis heute.
Aus 23 mach 12
Plötzlich gehörten Orte zusammen, die sich zuvor kaum verbunden fühlten: Prenzlauer Berg mit Pankow, Kreuzberg mit Friedrichshain, Wedding mit Mitte. Alte Bezirksnamen verschwanden teilweise, neue Doppelbezeichnungen entstanden.

Für viele Berliner war die Reform mehr als eine Verwaltungsentscheidung. Sie griff tief ins Lebensgefühl ein. Besonders deutlich wurde das in Prenzlauer Berg. Als der Bezirk 2001 im neuen Großbezirk Pankow aufging, regte sich Widerstand gegen den Verlust des alten Namens.
Wie der Prenzlauer Berg seine Identität verlor
Der Tagesspiegel zitierte damals Verkäuferin Marina Abel, die in einem alteingesessenen Lebensmittelladen an der Senefelderstraße arbeitete. Sie brachte das Gefühl vieler Anwohner auf den Punkt: „Wenn man hier die Zeiten mitgemacht hat, wo Kühlschränke noch mit Eiswürfeln gefüttert werden mussten und Pferdekutschen durch die Straßen fuhren, dann will man sich nicht von dem alten Namen trennen, aber wir werden ja nicht gefragt.“
Selbst der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), der im Kollwitzkiez lebte, zählte zu den prominenten Kritikern der Neuordnung. Er warnte davor, dass die Reform gewachsene Kiezidentitäten beschädigen und das Gefühl von Bürgernähe verloren gehen könnte.

