DDR-Fußballer

Thomas Doll feiert 60. Geburtstag: Eine Legende des BFC Dynamo blickt zurück

Von 1986 bis 1990 prägte er den Verein und ließ unvergessliche Erinnerungen an erfolgreiches Fußballspielen in der DDR entstehen.

Author - Sebastian Krause
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Thomas Doll, langjähriger Spieler des BFC Dynamo, wird am heutigen Donnerstag 60 Jahre alt.
Thomas Doll, langjähriger Spieler des BFC Dynamo, wird am heutigen Donnerstag 60 Jahre alt.Kamera 4/imago

Der BFC Dynamo hat zahlreiche Fußball-Legenden der DDR hervorgebracht. Spieler wie Rainer Ernst, Andreas Thom, Hans-Jürgen Riediger oder Frank Terletzki prägten das Gesicht des Vereins über Jahre hinweg. Auch Thomas Doll hat dem Verein seinen Stempel aufgedrückt, kurbelte im Mittelfeld das Spiel an und wuchs im BFC-Dress zum Nationalspieler heran. Am heutigen Donnerstag, 9. April, feiert Thomas Doll seinen 60. Geburtstag.

Thomas Doll absolviert 99 Oberliga-Spiele für den BFC

Thomas Doll, in der Kleinstadt Malchin in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen, absolvierte für den Traditionsverein aus Berlin-Hohenschönhausen von 1986 bis 1990 99 Oberliga-Spiele. Damit gehört er zu den Club-Legenden schlechthin.

Zeit bei Dynamo prägt Thomas Doll sehr

„Diese vier Jahre haben mich sehr geprägt“, sagt Doll in einem YouTube-Interview im BFC-Café. Anlässlich seines runden Geburtstags war der Jubilar extra aus seiner Wahlheimat Budapest angereist, was ihm zusätzliche Sympathien bei den zahlreichen Fans einbrachte.

In dem Gespräch mit Pressesprecher Martin Richter blickt Doll auch auf den Einfluss des damaligen Trainers Jürgen Bogs zurück. „Bogser ist ja ein Trainer, der unglaublich auch auf Disziplin gesetzt hat, der aber auch gerne mit einer Stammformation gespielt hat“, erzählt Doll. Eigenschaften, die Doll geprägt haben und die er später für seine eigene Trainerkarriere übernommen hat.

Doll feiert zu DDR-Zeiten große Erfolge mit dem BFC

„Der hat einen großen Anteil daran, dass wir immer motiviert waren. Der hat viel abverlangt. Die Trainingseinheiten waren sehr, sehr hart“, erinnert sich der 60-Jährige. Unter Bogs gewann der BFC in der DDR-Oberliga zwischen 1979 und 1988 zehn Meisterschaften in Serie sowie zwischen 1988 und 1989 zweimal den FDGB-Pokal. Mit dabei: Thomas Doll, der zweimal Meister (1987, 1988) und zweimal Pokalsieger (1988, 1989) wurde. „Dann hat man gemerkt: Es hat sich gelohnt, diese harte Arbeit.“

Rückblickend stellt sich natürlich die Frage: Hätte der BFC mit der damaligen Mannschaft den Sprung in die Bundesliga geschafft? Ja, findet Doll auch Jahrzehnte später. „Mit der Qualität, und wir sind mit den Jahren ja auch besser geworden. Und man wächst auch an den Gegnern“, erklärt der 60-Jährige.

Da haben wir gekickt und dann haben wir natürlich auch öfter mal die eine oder andere Scheibe eingeschossen.

Thomas Doll, über seine fußballerischen Anfänge in Malchin

Thomas Doll schießt als kleiner Junge viele Scheiben kaputt

Nach dem Mauerfall aber konnte der neu gegründete Verein zunächst nicht an seine sportlichen Erfolge anknüpfen. Nach der Wiedervereinigung büßte der BFC Teile seiner Infrastruktur ein. Auch die finanzielle und personelle Unterstützung aus der Politik blieb aus. Die rasante sportliche Talfahrt ließ sich so nicht aufhalten. Danach nannte sich der BFC in FC Berlin um. Später wechselte Doll mit Frank Rohde zum Hamburger SV in die Bundesliga und wurde auch gesamtdeutscher Nationalspieler. 

Die fußballerische Karriere von Thomas Doll begann kurios. Als er etwa 6 Jahre alt war, spielte er in Malchin immer zwischen den Wohnblöcken Fußball. „Da haben wir gekickt und dann haben wir natürlich auch öfter mal die eine oder andere Scheibe eingeschossen“, erzählt Doll.

Großer Jubel beim BFC Dynamo nach dem Sieg im FDGB-Pokal 1988. In der vorderen Reihe ganz rechts sitzt Thomas Doll.
Großer Jubel beim BFC Dynamo nach dem Sieg im FDGB-Pokal 1988. In der vorderen Reihe ganz rechts sitzt Thomas Doll.Werner Schulze/imago

Hansa Rostock wird auf das junge Talent aufmerksam

Sein späterer Trainer wohnte nur ein paar Hausnummern von ihm entfernt und meinte eines Tages, bevor er weitere Scheiben einschließt, solle er doch mal mit zum Training kommen. Und so startete die Laufbahn bei Lok Malchin.

Das Talent des jungen Thomas blieb nicht lange verborgen. Größere Vereine wie Hansa Rostock wurden auf ihn aufmerksam und lockten ihn ins berühmte Ostseestadion. Dort schaffte „Dolli“ – wie er von Fans und Wegbegleitern liebevoll genannt wird – den Sprung in die DDR-Oberliga. Nach dem Abstieg des FC Hansa wechselte er zum BFC Dynamo – und reifte unter Bogs zum Nationalspieler und zur BFC-Legende heran.

In Budapest erlebt Doll seine erfolgreichste Trainerzeit

2001, Doll war zu der Zeit wieder für den HSV aktiv, beendete er seine Spielerkarriere. Bei den Hanseaten startete er anschließend seine Trainerlaufbahn, die ihn unter anderem zu Borussia Dortmund und zu Ferencváros Budapest führte. Dort erlebte er seine bisher erfolgreichste Trainerstation und wurde ungarischer Meister (2016), Pokalsieger (2015, 2016, 2017), Ligapokalsieger (2015) und erhielt die Auszeichnung zu Ungarns Trainer des Jahres (2016).

In Deutschland und vor allem im Osten bleibt Thomas Doll aber als herausragender Spieler des BFC Dynamo in Erinnerung. Ein Spieler, der dem BFC viel gegeben hat, der aber auch viel vom BFC bekommen hat.

Welche Erinnerungen haben Sie an den Spieler und Trainer Thomas Doll? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com