Hitzerekord nach 112 Jahren

Erste Stadt schützt seine Mitarbeiter im Freien jetzt mit Hitze-Armbändern

Rekordhitze in Europa: Auch bei uns wird es wieder heiß. Eine Stadt verteilt Warn-Armbänder an Außendienstmitarbeiter. Das System soll Leben retten.

Author - Stefan Henseke
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In Barcelona leiden Einheimische und Touristen gerade unter einer Hitzewelle: Manch einer schützt sich schon mit Schirmen vor der Sonne.
In Barcelona leiden Einheimische und Touristen gerade unter einer Hitzewelle: Manch einer schützt sich schon mit Schirmen vor der Sonne.Emilio Morenatti/dpa

Die Hitze hat Europa im Griff. Während wir nach 40 Grad und mehr gerade vor der nächsten Hitzewelle etwas durchatmen können, heizen sich andere Regionen unter einer Hitzeglocke gerade wieder auf. Aus Angst vor weiteren Todesfällen schützt jetzt die erste Stadt ihre Außendienstmitarbeiter mit speziellen Hitze-Armbändern, die bei zu hohen Termperaturen Alarm schlagen.

Die nächste Hitzewelle schiebt sich uns

Im Nordosten Deutschlands sind die Temperaturen gerade sommerlich, aber angenehm. Foch die Wettervorhersage ist klar: Langsam bewegen wir uns wieder auf 30 Grad zu. Im Südwesten Deutschlands gibt es aber schon wieder Hitzealarm. Meteorologen sagen Temperaturen von bis zu 34 Grad voraraus, laut einigen Modellrechnungen sind am Wochenende sogar bis zu 39 Grad möglich.

Ursache der nächsten großen extremen Hitzewelle: Ein Hitzedom bzw. eine Hitzeglocke, die über Spanien und Frankreich hängt und die Luft aufheizt. „Durch die globale Erwärmung liegt das Temperaturniveau insgesamt bereits deutlich höher als früher. Kommt dann zusätzlich heiße Luft aus südlichen Regionen nach Mitteleuropa und wird diese unter einem stabilen Hoch weiter aufgeheizt, entstehen besonders hohe Temperaturen“, erklärt Wetterexperte Özden Terli dem Nachrichtenportal t-online.

Zum Glück: Die heißeste Luft bleibt zwar (noch) über Frankreich hängen, aber der Südwesten Deutschland darf schon schwitzen. „Nach derzeitigem Stand deutet vieles auf eine sogenannte Omega-Lage hin. Die großen Wettermodelle stimmen derzeit weitgehend darin überein, dass sich diese Lage etabliert und mindestens bis Anfang oder Mitte der kommenden Woche bestehen bleibt“, sagt der Diplom-Meteorologe.

Dominik Jung: Die Hitze bleibt noch eine Woche

Auch Meteorologe Dominik Jung von wetter.net sagt für den Samstag  bis zu 37 Grad voraus, am Sonntag kommen Temperaturen von über 30 Grad auch schon wieder in Berlin und Brandenburg an. Ab Montag gibt es dann eine Zweiteilung: kühler im Nordosten, noch heißer im Westen – von Köln (37 Grad) im äußersten Südwesten. „Die Hitze bleibt wahrscheinlich die ganze Woche erhalten“, sagt Jung. Ab Dienstag wird es auch im Nordosten wieder 30 Grad und wärmer.

Doch im Vergleich zu Frankreich und Spanien kommen wir bei dieser Hitzewelle noch glimpflich davon. Besonders hart getroffen: Barcelona. Die Stadt am Mittelmeer ist eigentlich wegen seiner Lage am Wasser so extreme Hitze nicht gewohnt. Erst am Mittwoch wurden dort aber 40,7 Grad gemessen – so heiß war es hier seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 112 Jahren noch nie.

Besonders Straßenarbeiter leiden jetzt in Barcelona unter der Hitzewelle.
Besonders Straßenarbeiter leiden jetzt in Barcelona unter der Hitzewelle.Schoening7imago

In den letzten Jahren sind in ganz Spanien mehrere Straßenarbeiter bei Temperaturspitzen ums Leben gekommen, was zu Änderungen der Arbeitsabläufe geführt hat, berichtet MarketScreener. So starb in Barcelona in der vergagenen Saison eine 51-jährige Frau, nachdem sie in der Altstadt Straßen gefegt hatte, als die Temperaturen 30,4 Grad erreichten.

Um weitere Todesfälle zu vermeiden, hat Barcelona jetzt damit begonnen, Armbänder zur Hitzemessung an seine im Freien tätigen Mitarbeiter zu verteilen. Diese sind als so eine Art Frühwarnsystem für Gesundheitsrisiken gedacht. Die 1400 Armbänder gehen an Straßenreiniger, Parkarbeiter oder Mitarbeiter der Abfallwirtschaft.

So funktionieren die Hitzearmbänder

Die kleinen Tech-Wunder funktionieren ganz simpel: Das Armband misst die Körpertemperatur der Arbeiter und gibt einen Ton und eine Vibration ab, wenn es feststellt, dass der Träger gefährdet ist. In diesem Fall müssen sie ihre Arbeit unterbrechen.

Ein Stadtrat sagt, dass der Plan zur Einführung von Hitzearmbändern bereits vor dem Tod der Frau in Vorbereitung gewesen sei. „Aber es stimmt, dass dies dazu beigetragen hat, die Dinge zu beschleunigen, und uns dazu gebracht hat, noch einmal genauer darüber nachzudenken“, sagte er.