Eine S-Bahn, die zum Hauptstadt-Flughafen BER fährt.  imago/Rüdiger Wölk

3,80 Euro kostet ein Ticket vom Berliner Stadtgebiet zum Hauptstadtflughafen BER. Wenn es richtig blöd läuft, kann das Ticket aber auch 89,51 Euro kosten. Wie ist das möglich? Die Berliner Morgenpost berichtet jetzt über den Fall eines Passagiers, der sogar im Besitz eines gültigen Fahrscheins war.

Das Problem: Dieser war nur gültig innerhalb der Tarifzonen A und B – im Wesentlichen das Stadtgebiet Berlins, auch wenn die Tarifzone B bereits nach Brandenburg reicht. Anfang der 2000er-Jahre hatte der frühere Flughafen Schönefeld noch in der Tarifzone B gelegen, bevor er in die Zone C eingegliedert wurde, wodurch sich die Tickets entsprechend verteuerten.

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„Erhöhtes Beförderungsentgeld“ trotz gültigem Fahrschein

Wer nun beispielsweise im Besitz einer Monatskarte für die Tarifzonen A und B ist und zum Flughafen möchte, muss ein sogenanntes Anschlussticket kaufen. Das Problem: Anders als etwa in Straßenbahnen ist es in S- oder Regionalbahnen nicht möglich, an einem Automaten während der Fahrt ein Ticket zu erwerben.

Der Fahrgast, über den die Morgenpost schreibt, hatte nun das Pech, gleich die Bekanntschaft von zwei Kontrolleuren zu machen. Statt anzuerkennen, dass der Fahrgast ja eigentlich im Besitz eines gültigen Fahrscheins war und ihn das Anschlussticket nachkaufen zu lassen, verpassten sie ihm ein „erhöhtes Beförderungsentgeld“ von 60 Euro.

Damit aber nicht genug: Der Kunde wartete auf ein Forderungsschreiben der S-Bahn. Das kam aber nicht. Was er nicht wusste: Auch ohne eine schriftliche Aufforderung hätte er das Geld innerhalb von zwei Wochen zahlen müssen. Und dann, nach mehreren Wochen, kam er doch, der Brief. Allerdings nicht von der S-Bahn, sondern von einem Inkassounternehmen.

Inkassofirma schlägt dreiste Kostenforderung auf den fälligen Betrag auf

Statt auf 60 Euro belief sich die Forderung nunmehr auf sage und schreibe 89,51 Euro. Weil der Kunde die 60 Euro nicht rechtzeitig bezahlt habe, sei er „in Zahlungsverzug“ geraten. Die Inkassofirma berechnete nun fast die Hälfte des ausstehenden Betrages als Kosten sowie 0,11 Euro an Zinsen, zeitnah zahlbar an das Unternehmen IFA Finance DAC.

Eine Fahrt zum Flughafen, die also teurer wird als so manches Flugticket, und das sogar mit einem gültigen Ticket für den Großteil der Fahrstrecke! Der Kunde nimmt es trotzdem mit Humor, spricht von „Eigenverschulden (Unkenntnis)“.