Eiserner Protest

Kein Respekt für Brause: Union macht RB klar, wem der Fußball gehört

Vor dem Anpfiff protestieren die Fans des 1. FC Union mit Bannern, Flyern und einer Zahnfahne gegen den Klub aus Sachsen.

Author - Sebastian Schmitt
Teilen
Eiserne Botschaft: Die Fans des 1. FC Union zeigen RB Leipzig, dass man Tradition nicht kaufen kann.
Eiserne Botschaft: Die Fans des 1. FC Union zeigen RB Leipzig, dass man Tradition nicht kaufen kann.IMAGO/Matthias Koch

Dieser Sieg fühlt sich anders an. Der 1. FC Union Berlin schlägt RB Leipzig mit 3:1 – verdient, leidenschaftlich, befreiend. Doch noch bevor der Ball rollt, setzt die Alte Försterei ein Zeichen, das tiefer geht als jedes Tor. Schwarze Banner, ein Flugblatt  und eine riesige Zaunfahne, mit einer klaren eisernen Botschaft: So fühlt sich echter Fußball an.

Union-Fans setzen klares Zeichen gegen RB Leipzig

Gänsehaut noch vor dem ersten Zweikampf. Während andernorts Lightshows flackern und Sponsoren regieren, spricht die Alte Försterei eine andere Sprache. Auf der Gegengerade werden gleiche mehrere schwarze Banner entrollt. Darauf steht unter anderem: „Pokalsieger 1968“, „Vizemeister 1923“ oder auch „Lizenzentzug“  – eine Würdigung der eigenen Tradition, vor allem aber eine Spitze gegen RB, dem Klub von Getränke-Hersteller Red Bull, dem viele Fans jede Fußball-Kultur absprechen.

Wähend die Fans des 1. FC Union wie immer die ersten 15 Minuten gegen RB Leipzig schweigen, zündeln die Gästefans im Stadion An der Alten Försterei.
Wähend die Fans des 1. FC Union wie immer die ersten 15 Minuten gegen RB Leipzig schweigen, zündeln die Gästefans im Stadion An der Alten Försterei.IMAGO/nordphoto GmbH / Engler

Dazu ein Flyer, der im Stadion die Runde macht und offen ausspricht, was viele denken und die ablehnenden Haltung gegenüber RB Leipzig unmissverständlich erklärt. Unter der Überschrift „In Leipzig stirbt der Fußball“ steht: „Hallo Union-Fans, nun ist es wieder so weit, aber wir werden nicht drum herumkommen, zweimal im Jahr gegen die deutsche Außendienstelle eines österreichischen Brauseherstellers antreten zu müssen.“

Stimmungsboykott und Gänsehaut vor dem Anpfiff

Weiter heißt es: „Die sportlichen Erfolge beruhen auf dem Netzwerk, das sich der Brausekonzern auf der Welt geschaffen hat, an dem die Leipziger Niederlassung bisher an der Spitze der Nahrungskette stand.“

Oliver Burke (M.) beschenkt die Fans vor Weihnachten, trifft für den 1. FC Union gegen RB Leipzig zum 1:0.
Oliver Burke (M.) beschenkt die Fans vor Weihnachten, trifft für den 1. FC Union gegen RB Leipzig zum 1:0.IMAGO/Matthias Koch

Kurz vor dem Anpfiff folgt das nächste starke Bild. Eine riesige Zaunfahne zieht sich über die gesamte Gegengerade und bringt das Selbstverständnis dieses Klubs auf den Punkt: „Höhen zelebrieren und Tiefen durchstehen, statt nur den einfachen Weg zu gehen.“

Burke, Ansah und Skarke schießen Union zum Sieg

Als der Ball rollt, schweigen die Fans. Der Stimmungsboykott gegen RB Leipzig ist eiserne Tradition. Erst nach 15 Minuten legt die Waldseite los – und die Mannschaft nimmt die Energie auf, spielt mutig, bissig, entschlossen. Oliver Burke erlöst die Alte Försterei mit dem ersten Treffer (57.), Ilyas Ansah köpft nach perfekter Trimmel-Flanke ein (63.), Tim Skarke setzt in der Nachspielzeit den Deckel drauf (90.+3).

Den RB-Protest der Fans unterstützt auch Union als Klub. Auf X (ehem. Twitter) und in der offiziellen Pressemitteilung spotten die Eisernen nach dem Spiel: „Drei Treffer im Dosenschießen!“

Sei’s drum: Der Sieg ist ein sportliches Ausrufezeichen. Doch dieser Abend bleibt vielmehr wegen der Bilder, der Worte, der Haltung in Erinnerung. Während RB immer weiter auf seine Marketing-Maschine setzt, antwortet Union mit Identität und beweist einmal mehr: Fußball gehört denen, die ihn leben – nicht denen, die ihn kaufen.