Grätsche wieder erlaubt, Torjubel auf altbekannte Art eher nicht. Foto: Matthias Koch

Nein, Spaß macht ihm das alles nicht. Fußball, das hat Dirk Zingler immer betont, ist für Menschen gemacht. Für Menschen im Stadion. Und doch muss Unions Präsident jetzt den Neustart mit Geisterspielen gutheißen, weil die wirtschaftliche Notwendigkeit den Profizirkus dazu zwingt. Im ersten Pressegespräch seit Ausbruch der Corona-Krise äußert sich Zingler über ...


... Kritik aus der Öffentlichkeit: „Dass Menschen unzufrieden sind, dass Lockerungen zum Beispiel in Kindergärten langsamer vorangehen als im Fußball, ist doch verständlich. Aber was ist die Alternative? Sollen wir das eine nicht tun, weil das andere nicht geht?“

 ... über die Rolle der DFL: „Ich bin dankbar, dass wir die Möglichkeit haben, unseren Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Dankbar auch für ein professionelles Konzept. Auch wenn es eine große Herausforderung sein wird, das umzusetzen. Es wird nicht so, wie wir es mögen, aber es ging darum, überhaupt einen Weg zu finden. Denn wir alle wissen nicht, wie lange es verboten sein wird, Sportveranstaltungen mit Menschen stattfinden zu lassen.“

Erwartet kuriose Resultate, wenn der Ball in der Liga wieder rollt: Unions Präsident Dirk Zingler. Foto: Matthias Koch

... die Finanzsituation der Eisernen: Wir sind stabil aufgestellt. Das TV-Geld hilft uns. Rund zehn Millionen sind noch offen, die erste Rate davon ist bereits gezahlt. Wir werden niemanden entlassen, auch das Kurzarbeitergeld der Mitarbeiter aufstocken.“  

... Problembewusstsein: „Wir haben letzte Woche ein Video gesehe, da war ich ein bisschen erschrocken. Ich habe am Donnerstag noch mal zur Mannschaft gesprochen und dabei ganz deutlich gesagt, dass uns ein riesengroßer Vertrauensvorschuss gegeben wurde. Dieses Vertrauen muss jeder einzelne rechtfertigen, der seinem Beruf nachgehen möchte.“

... über die Restsaison: „Das ist natürlich eine Wundertüte. Niemand weiß, wie die Mannschaft mit den veränderten Abläufen umgeht. Wir werden die Heimspiel-Atmosphäre vermissen. Vielleicht werden wir das eine oder andere kuriose Ergebnis erleben.“ ... mögliche Jubelszenen: „Erst einmal ist es doch schön, dass es wieder etwas zu bejubeln geben kann. Wer Körperkontakt bei einer Ecke hat, darf auch Körperkontakt bei einem Tor haben. Zumindest habe ich das Konzept so verstanden.“

Anmerkung der Redaktion: Mittlerweile hat die DFL reagiert und Verhaltensmaßregeln zum Torjubel aufgestellt. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung sind beim Neustart der Saison nur „kurzer Ellenbogen- oder Fußkontakt“ erlaubt. Gemeinsames Jubeln, Abklatschen und Umarmungen seien zu unterlassen, berichtete die Zeitung am Freitagabend unter Berufung auf ein internes DFL-Papier („Covid-19 Organisations-Rundschreiben Sonderspielbetrieb“).