Die Niederlage gegen Dortmund schmerzt. Doch zwischen Kälte, Frust und dem ganzen Ärger rund um BVB-Profi Emre Can bekommt der 1. FC Union Berlin unerwarteten Rückenwind. Ausgerechnet Dietmar Hamann, sonst kein Mann für Romantik, schwärmt bei seiner Köpenick-Premiere von Union – und spricht zugleich eine Warnung aus.
Der Abend ist frostig, das Ergebnis bitter, doch die Worte danach bleiben hängen. Dietmar Hamann, der für den verletzten Lothar Matthäus einspringt, steht zum ersten Mal im Stadion An der Alten Försterei – und wirkt überrascht. Nicht vom Fußball, sondern vom Gefühl. „Union ist Kult“, sagt der frühere Nationalspieler. Drei Stehplatztribünen, Nähe zum Rasen, Nähe zu den Fans. Kein Hochglanz, kein Filter. Fußball, wie er früher war.

Sky-Experte Hamann sieht, was Union ausmacht – und warum der Klub nach schwierigen Monaten wieder bei sich ist. „Man hat mal kurz den Weg verloren“, sagt er und meint die Zeit nach der Champions League. Zu viele Spieler, die Union nicht verstanden haben. Zu viele Entscheidungen, die nicht passten. Der Preis war hoch. Urs Fischer musste gehen.
„Union ist Kult“: Hamann plötzlich eisern
Jetzt ist Steffen Baumgart da. Und Hamann erkennt sofort, was passiert. „Er holt das Maximum raus“, sagt der Sky-Experte. 24 Punkte nach 19 Spielen, trotz begrenztem Etat, trotz kleinem Stadion. Für Hamann ist das sogar „ein bisschen mehr, als sie eigentlich können“.
Schade findet er, dass – RB Leipzig klammert er als Sonderfall aus – kein weiterer Ostklub in der Bundesliga spielt. Zu Hamanns aktiver Zeit beim FC Bayern spielte er noch gegen Dynamo Dresden, den VfB Leipzig und Hansa Rostock, trat damals auch mehrfach gegen Steffen Baumgart an, als dieser für die Kogge stürmte.
Hamann trauert um Ostklubs in der Bundesliga
Gleichzeitig warnt Hamann davor, sich blenden zu lassen. Union lebe von Zusammenhalt, Kontinuität, Identität. „Aber man darf nicht alles zur Folklore machen“, mahnt er. Erwartungen können gefährlich werden. Das habe man schmerzhaft gelernt, als man sich von Fischer trennen musste – gegen den Willen vieler.
In der Bundesliga erkennt Hamann eine klare Trennung. Oben fünf, sechs Klubs mit anderen Möglichkeiten. Darunter eine große Gruppe, in der jeder jeden schlagen kann. Union gehört für ihn genau dort hin. Ziel: 35, 36 Punkte. Klassenerhalt. Hamann: „Das wird Union schaffen.“
Hamann lobt Union – doch mahnt zur Vorsicht
Dass ausgerechnet RB Leipzig für Hamann ein Sonderfall ist, überrascht nicht und sorgt in Köpenick für Freude. Union dagegen steht für etwas Echtes. Für einen Klub, der wächst, ohne sich zu verlieren – wenn er wachsam bleibt.





