Historischer Moment

Vor 25 Jahren in Rostock: Kahn faustet den Ball ins Tor und fliegt vom Platz

Beim 2:3 der Bayern in Rostock stürmt der Keeper in der 90. Minute nach vorne, faustet den Ball ins Tor – und sieht kurz darauf Gelb-Rot.

Author - Tobias Esters
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Kurioser Moment der Bundesliga-Geschichte: Bayern-Torwart Oliver Kahn faustet den Ball ins Tor.
Kurioser Moment der Bundesliga-Geschichte: Bayern-Torwart Oliver Kahn faustet den Ball ins Tor.Camera 4/IMAGO

Vor 25 Jahren kam es in der Bundesliga zu einer Szene, die bis heute Kultstatus hat. Beim Spiel des FC Bayern München bei Hansa Rostock am 3. März 2001 verlor Torwart-Titan Oliver Kahn kurz die Nerven – und schrieb damit Fußballgeschichte.

Kahns historischer Sprint in den Rostocker Strafraum

Die hoch favorisierten Bayern lagen kurz vor Schluss mit 2:3 zurück, als sie noch einmal einen Eckball bekamen. Kahn zögerte keine Sekunde. Der Keeper sprintete aus seinem Tor los, rannte über den ganzen Platz in den Rostocker Strafraum. Alles oder nichts. Irgendwie den Ausgleich erzielen.

Der Ball segelte in den Fünfmeterraum – und dann passierte das Unglaubliche: Kahn sprang mitten ins Getümmel und boxte den Ball mit beiden Fäusten ins Tor.

Für einen kurzen Moment schien es tatsächlich so, als hätte der Torwart den Ausgleich erzielt. Doch im Ostseestadion richteten sich sofort alle Blicke auf Schiedsrichter Markus Merk. Der erkannte den Treffer natürlich nicht an. Für Oliver Kahn kam es noch dicker: Weil der Bayern-Keeper zuvor bereits verwarnt worden war, zeigte Merk ihm zusätzlich die Gelb-Rote Karte.

Oliver Kahn verlässt nach seinem Platzverweis das Spielfeld.
Oliver Kahn verlässt nach seinem Platzverweis das Spielfeld.Camera 4/Imago

Viele Jahre später blickte Kahn selbst mit Humor auf die Szene zurück. In den sozialen Netzwerken erinnerte er sich an sein „erstes – und einziges – Profitor“. Mit einem Augenzwinkern schrieb er: „Anders als ich damals glaubte, dürfen Torhüter den Ball nicht in beiden Strafräumen mit den Händen berühren.“

Das Spiel endete am Ende tatsächlich 3:2 für Rostock. Für Bayern war es ein bitterer Nachmittag – sie verloren dadurch sogar die Tabellenführung an Borussia Dortmund. Doch die Münchner holten sich am Ende der Saison trotzdem noch die Meisterschaft.

Dramatisches Finale der Bundesliga-Saison 2000/01

Und nicht irgendeine Meisterschaft. Der Titelkampf der Bundesliga 2000/01 ging als einer der dramatischsten überhaupt in die Fußballgeschichte ein. Am letzten Spieltag traf der FC Bayern München auswärts auf den Hamburger SV, während FC Schalke 04 zu Hause gegen SpVgg Unterhaching spielte. Schalke gewann sein Spiel 5:3 und wähnte sich bereits als deutscher Meister. Doch in Hamburg überschlugen sich in der Nachspielzeit die Ereignisse.

Nachdem HSV-Stürmer Sergej Barbarez kurz vor Schluss das 1:0 erzielt hatte, schien der Titel tatsächlich nach Gelsenkirchen zu gehen. Doch dann nahm HSV-Torwart Mathias Schober einen Rückpass mit der Hand auf. Schiedsrichter Markus Merk entschied auf indirekten Freistoß im Strafraum. Der Schwede Patrik Andersson trat an und traf aus wenigen Metern zum 1:1. In letzter Sekunde sicherte dieser Treffer den Bayern die Meisterschaft – während Schalke trotz des eigenen Sieges als „Meister der Herzen“ in die Bundesliga-Geschichte einging.