Drama um Shirt

FIFA stoppt Haitis WM-Trikot: Was steckt hinter dem historischen Motiv?

Kurz vor Haitis erstem WM-Spiel seit 52 Jahren sorgt die Fifa für Aufregung, indem sie das Trikot mit dem historischen Motiv der Schlacht von Vertières stoppt.

Author - Sebastian Krause
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Wegen dieses Symbols auf dem WM-Trikot von Haiti gibt es großen Ärger. Der Ausrüster hat das Shirt mittlerweile geändert.
Wegen dieses Symbols auf dem WM-Trikot von Haiti gibt es großen Ärger. Der Ausrüster hat das Shirt mittlerweile geändert.Denilson Mentor/imago

Kurz vor dem ersten Fußball-WM-Spiel seit 52 Jahren Sonntag gegen Schottland bekommt Haiti Ärger mit der Fifa. Der Weltverband hat das Trikotdesign des Außenseiters aus der Karibik gestoppt – ausgerechnet wegen eines Motivs, das für Haiti historische Bedeutung hat.

Schlacht von Vertières ist auf dem Trikot zu sehen

Auf dem blauen Shirt war eine Illustration der Schlacht von Vertières aus dem Jahr 1803 zu sehen. Diese Schlacht gilt als entscheidender Moment auf dem Weg zur Unabhängigkeit Haitis. Doch der Fifa war die Darstellung einer Kriegsszene zu heikel.

Historisches Motiv muss verschwinden

Nach den Ausrüstungsregeln des Weltverbands sind politische, religiöse oder persönliche Botschaften und Slogans auf Trikots nicht erlaubt. Haiti hatte das Trikot zuvor bereits in zwei Vorbereitungsspielen in Florida getragen, ehe die Fifa einschritt.

Haiti ist nach 52 Jahren wieder bei einer Fußball-WM dabei.
Haiti ist nach 52 Jahren wieder bei einer Fußball-WM dabei.Alberto Boal/imago

Der kolumbianische Hersteller Saeta reagierte kurzfristig und teilte mit, das Trikot überarbeitet zu haben, um den Bestimmungen zu entsprechen. Zugleich betonte das Unternehmen, dass das ursprüngliche Shirt „nicht als politisches Statement“ gedacht gewesen sei, sondern nur „als Hommage an die Männer und Frauen, die jeden Tag für Haitis Zukunft kämpfen“.

WM-Qualifikation für Haiti ein historischer Moment

Saeta erklärte zudem, die Fifa habe bestimmte visuelle Elemente anders bewertet und Änderungen verlangt.

Für Haiti kommt der Wirbel zur Unzeit. Am Sonntag startet das Team in Boston gegen Schottland in seine erste Weltmeisterschaft seit 52 Jahren. Für das Land ist die WM-Teilnahme mehr als nur ein Sportereignis: Haiti ist von schweren Krisen, Gewalt und Instabilität geprägt. Schon die Qualifikation wurde als historischer Moment gefeiert – auch, weil die Mannschaft ihre Heimspiele wegen der Sicherheitslage nicht im eigenen Land austragen konnte, sondern unter anderem auf Barbados und auf Aruba.

Erinnerung an Ukraine-Streit bei der EM

Die Situation erinnert an die Fußball-EM vor fünf Jahren, als auch die Ukraine kurzfristig ihr Trikotdesign ändern musste. Das damalige gelb-blaue Jersey zeigte die Silhouette des Landes einschließlich der Schwarzmeer-Halbinsel Krim, die Russland 2014 annektiert hatte, sowie die Slogans „Ruhm der Ukraine“ und „Ruhm unseren Helden!“.

Russland legte gegen das Trikot Beschwerde bei der Uefa ein. Der europäische Fußballverband ordnete daraufhin die Entfernung der Slogans an, erlaubte aber die umstrittene Landkarte. Russland führt seit 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der Konflikt dauert bis heute an.

Haiti will ein anderes Bild zeigen

Sportlich ist Haiti in Gruppe C klarer Außenseiter. Nach dem Auftakt gegen Schottland wartet am 20. Juni der fünfmalige Weltmeister Brasilien, danach trifft Haiti am 25. Juni auf Afrikameister Marokko. Trotzdem geht es für das Team um mehr als Punkte.

Josué Duverger trainiert mit dem Fünftligisten FC Cosmos in Koblenz. Bei der WM steht er für Haiti im Tor.
Josué Duverger trainiert mit dem Fünftligisten FC Cosmos in Koblenz. Bei der WM steht er für Haiti im Tor.Thomas Frey

„Wir wissen, dass die Menschen vielleicht ein schlechtes Bild von unserem Land haben, dass es viele Probleme hat, aber das wird dem Land, den Menschen, meiner Familie so viel Gutes tun“, sagte Mittelfeldspieler Jean-Ricner Bellegarde vor dem Start.

Auch ein Spieler aus Deutschland ist dabei

Auch aus Deutschland ist ein Spieler dabei: Im 26-köpfigen Kader Haitis steht Torhüter Josué Duverger vom Oberligisten FC Cosmos Koblenz. Für ihn und seine Teamkollegen beginnt die WM nun mit einer ungeplanten Trikot-Panne – und mit der großen Hoffnung, dass Haiti auf der größten Fußballbühne der Welt nicht nur über ein verbotenes Shirt spricht.

Wie bewerten Sie den Wirbel um das Trikot von Haiti? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com