Schlechte Qualität im Livestream

Es ist kein Fehler Ihres Fernsehers: Das steckt hinter dem komischen WM-Bild am Samstag

Viele Zuschauer wunderten sich über das TV-Bild beim Deutschland-Spiel in Chicago. Warum Farben, Schärfe und Bewegungen anders wirkten.

Author - Mariella Mandurino
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Beim Testspiel Deutschland gegen die USA am Samstagabend war die Qualität des Livestreams schlecht.
Beim Testspiel Deutschland gegen die USA am Samstagabend war die Qualität des Livestreams schlecht.Markus Ulmer

Alle europäischen Fußballfans dürften gestern Abend irritiert vor ihren Fernsehern gesessen haben. Beim Testspiel Deutschland gegen die USA in Chicago, anlässlich der Fußball-WM 2026, wirkte das TV-Bild ganz schön seltsam. Bewegungen waren ungewohnt, Farben wirkten teilweise blass oder künstlich und das gesamte Bild schien weniger scharf als bei Übertragungen aus Europa. Doch was steckt dahinter?

Die Bildqualität des Fußball-Testspiels litt unter der Technik

Während vergangene Woche das Testspiel gegen Finnland im ZDF noch einwandfrei zu schauen war, ließ die Qualität bei RTL+ nach. Aber keine Sorge, es hatte nichts mit Ihrem Fernseher zu tun und es war auch kein Fehler von RTL+.

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Es gibt nämlich technische Gründe dafür, warum Fußballspiele aus den USA oft völlig anders aussehen als Übertragungen aus Deutschland oder anderen europäischen Ländern. Dieses Phänomen ist nicht neu. Bereits bei der WM 1994, die in den USA stattfand, gab es den Eindruck, dass die Bilder ungewöhnlich wirken.

Der X-Account (vormals Twitter) „exprofis“ hat die Hintergründe nun ausführlich erklärt. Dort heißt es: „Es ist das Ergebnis aus alter Technik, US-Sehgewohnheiten und Stadionarchitektur.“ Ein entscheidender Faktor ist die unterschiedliche Fernsehtechnik auf beiden Kontinenten. Während Europa traditionell mit 50 Hertz arbeitet, nutzen die USA 60 Hertz. Doch was bedeutet das überhaupt?

Schon bei der Fußball-WM 1994 litt die Bildqualität unter der Übertragung aus Amerika.
Schon bei der Fußball-WM 1994 litt die Bildqualität unter der Übertragung aus Amerika.Laci Perenyi/Imago

Vereinfacht gesagt beschreibt die Hertz-Zahl, wie viele Einzelbilder pro Sekunde dargestellt werden. In Europa sind es 50 Bilder pro Sekunde, in den USA 60. Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied, hat für das menschliche Auge jedoch überraschend große Auswirkungen.

Amerikanische Fernsehtechnik sorgt für TV-Unschärfe

„Wird das US-Signal für uns live konvertiert, müssen Frames weggerechnet werden. Das sorgt für eine andere Bewegungsunschärfe, die das Auge sofort als ‚fremd‘ wahrnimmt“, erklärt „exprofis“ auf X. Genau das könnte vielen Zuschauern beim WM-Testspiel Spiel in Chicago aufgefallen sein. Besonders bei schnellen Pässen oder Kameraschwenks entsteht ein leicht ungewohntes Bewegungsgefühl. Das Bild wirkt dann nicht unbedingt schlechter, aber anders.

Doch damit nicht genug. Auch die Farben unterscheiden sich häufig deutlich von europäischen Produktionen. Wer gestern das Gefühl hatte, dass der Rasen merkwürdig aussah oder die Farben insgesamt ungewohnt wirkten, lag damit nicht falsch.

„US-Broadcaster lieben maximalen Kontrast und extreme Sättigung“, heißt es bei „exprofis“. Während europäische Sender meist auf möglichst natürliche Farbtöne setzen, bevorzugen viele amerikanische Produktionen deutlich kräftigere Einstellungen. Dabei kamen diese starken Farben am Samstagabend nicht im europäischen TV an. Stattdessen wirkte das Bild eher grau und blass.

David Raum und Alex Freeman (USA) kämpften Samstagabend bei Testspiel um den Ball.
David Raum und Alex Freeman (USA) kämpften Samstagabend bei Testspiel um den Ball.Uwe Kraft/Imago

Der Account erinnert dabei sogar an einen alten Technik-Witz aus der Fernsehbranche. Früher wurde das amerikanische Farbsystem NTSC scherzhaft als „Never The Same Color“ (dt. niemals dieselbe Farbe) bezeichnet, weil Farben je nach Übertragung und Gerät unterschiedlich wirken konnten.

Technik-Probleme könnten alle WM-Spiele betreffen

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, den viele Zuschauer gar nicht auf dem Schirm haben: die Architektur der Stadien. Das Spiel fand im Soldier Field Chicago statt, das vor allem für American Football gebaut ist. Dadurch befinden sich die Kameraplätze oft deutlich höher als in europäischen Fußballstadien.

Auch darauf weist „exprofis“ hin: „Die Kamerapositionen sind dort viel höher und steiler als in europäischen Fußballstadien. Das staucht das Feld optisch zusammen und verändert die gesamte Tiefenwirkung des Spiels fundamental.“

Das Spielfeld wirkt kleiner, die Abstände erscheinen anders und die gesamte Bildwirkung verändert sich. Bitter: Gerade mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2026, die in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen wird, dürfte dieses Thema die Zuschauer noch häufiger belasten.

Ist Ihnen die komische Bildqualität beim Deutschland-Spiel gegen die USA ebenfalls aufgefallen? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com