Große Uneinigkeit

Regionalliga-Reform: 50,9 Prozent reichen nicht – Osten tobt

Aufstieg? Für viele Ost-Klubs bleibt er ein Traum! Trotz Reform-Mehrheit scheitert die Einigung – und Meister wie Lok Leipzig schauen weiter in die Röhre.

Author - Sebastian Krause
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Die Reform der Regionalliga steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Verbände liegen mit ihren Meinungen weit auseinander.
Die Reform der Regionalliga steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Verbände liegen mit ihren Meinungen weit auseinander.imago/Picture Point/S. Sonntag

Großer Frust statt Durchbruch: Im Dauerkonflikt um den Aufstieg in die 3. Liga wollen zwar mehr als 95 Prozent der Fußballvereine endlich eine Reform – doch eine gemeinsame Lösung bleibt weiter aus. Die monatelang von einer Expertengruppe vorbereitete Abstimmung endet ohne Einstimmigkeit. Was bleibt: Misstrauen, Ärger – und der nächste Versuch in einem zähen Machtspiel.

Kompass-Modell wird von den Vereinen befürwortet

Dabei sehen sich die Reform-Befürworter im Recht. „Wir haben ein deutliches Votum, trotz der Taschenspieler-Tricks. Jeder Politiker würde sich freuen, wenn er mehr als 50 Prozent Zustimmung hätte“, sagte Tommy Haeder, Sprecher der Initiative „Aufstiegsreform 2025 – Meister müssen aufsteigen“, der Deutschen Presse-Agentur. In der Abstimmung der fünf Regionalverbände kam das sogenannte Kompass-Modell auf 50,9 Prozent Zustimmung. „Das ist ein klarer Auftrag“, betonte Haeder. Für eine Umsetzung durch den Deutschen Fußball-Bund reicht dieses Ergebnis allerdings nicht.

Fall Leipzig: Druck auf eine Reform steigt weiter

Kern des Streits ist seit Jahren derselbe: Nicht alle Meister dürfen aufsteigen. In der 3. Liga gibt es nur vier Absteiger – aber fünf Regionalliga-Staffeln. Die Meister aus West und Südwest sind gesetzt und steigen direkt auf. Die restlichen Plätze müssen sich die Regionalligen Nord, Nordost und Bayern teilen. Ein Team steigt im Rotationsprinzip direkt auf, zwei weitere Meister müssen in die ungeliebten Aufstiegs-Playoffs mit Hin- und Rückspiel.

Wir haben ein deutliches Votum, trotz der Taschenspieler-Tricks.

Tommy Haeder, Sprecher der Initiative „Aufstiegsreform 2025 – Meister müssen aufsteigen“

Wie bitter dieses System ist, zeigte zuletzt Lok Leipzig: Der Klub wurde Meister der Regionalliga Nordost – und scheiterte dennoch zum dritten Mal am Aufstieg in die 3. Liga. Ein Zustand, der den Druck auf eine Reform weiter erhöht. Doch eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.

Um welche Modelle ging es bei der Abstimmung?

Zur Abstimmung standen zwei Modelle. Beim Kompass-Modell sollen die vier Staffeln in jeder Saison neu aus allen Regionalligisten anhand der Entfernungen gebildet werden. Kurzfristig wurde bei diesem Modell die Anzahl der Clubs von 20 auf 18 reduziert – das verärgerte viele Vereine.

Fans von Lokomotive Leipzig bekunden ihre Meinung zur Regionalligareform: "Meister müssen aufsteigen."
Fans von Lokomotive Leipzig bekunden ihre Meinung zur Regionalligareform: "Meister müssen aufsteigen."imago/Picture Point/Sven Sonntag

Das zweite Modell nennt sich Regionen-Modell. Hier sollen aus den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern zwei Staffeln gebildet werden. Die Regionalligen West und Südwest würden in ihrer jetzigen Form bestehen bleiben.

Wie wurde abgestimmt?

Es gab fünf getrennte Abstimmungen. Im Südwesten sprachen sich die Vereine mehrheitlich für das Regionen-Modell (93,1 Prozent) aus. Im Westen (60,9 Prozent), Norden (61,5 Prozent) und Nordosten (76,3 Prozent) favorisierten die Clubs das Kompass-Modell. In Bayern votierten die Abstimmenden mehrheitlich (52,4 Prozent) für die Ausarbeitung neuer Modelle. Allerdings stimmten sie auch mit 45,2 Prozent für das Kompass-Modell.

„Auch wenn es keine bundesweite Lösung gegeben hat, werden wir uns in den kommenden Wochen erneut dafür starkmachen, dass ein gerechtes Modell gefunden wird, welches Aufstiegsspiele zur 3. Liga überflüssig macht“, sagte Vizepräsident Uwe Döring vom Norddeutschen Fußball-Verband.

Die Nordstaffel stimmte als einziger Verband online ab. Die anderen vier Verbände stimmten mit ihren Vereinen aus der 3. Liga sowie den Regional- und Oberligen in Präsenz ab. Die Abstimmung erfolgte zeitgleich, organisiert durch die fünf Träger der Regionalligen West, Südwest, Bayern, Nord und Nordost.

Warum boykottierten einige Clubs die Abstimmung?

Einige Vereine hatten die Abstimmung schon im Vorfeld boykottiert. Damit wollten sie ihren Unmut über kurzfristige Änderungen zum Ausdruck bringen. Denn vor der entscheidenden Abstimmung am Montag hatte es einen Eingriff in den Prozess gegeben.

Das von vielen Clubs favorisierte Kompass-Modell wurde mit den verschickten Wahlunterlagen vier Tage vor Abstimmungstermin kurzfristig verändert. Statt der ursprünglich vorgesehenen 20er-Staffeln sollten es nun nur noch 18 Teams sein.

Auch wenn es keine bundesweite Lösung gegeben hat, werden wir uns in den kommenden Wochen erneut dafür starkmachen, dass ein gerechtes Modell gefunden wird, welches Aufstiegsspiele zur 3. Liga überflüssig macht.

Uwe Döring, Vizepräsident des Norddeutschen Fußball-Verbands

„Wenn diese Grundlagen kurz vor der Abstimmung verändert werden, wird aus Reformpolitik ein Machtspiel – und genau das machen wir nicht mit“, teilte Hansa Rostock mit und boykottierte als einer der ersten Clubs die Abstimmung. Die Clubs wiesen – außer im Südwesten – die kurzfristigen Veränderungen mehrheitlich zurück. Sie stimmten also für vier 20er-Staffeln und gegen Ligen mit jeweils nur 18 Teams.

Was sagen die Bayern dazu?

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) widersprach der Darstellung anderer Verbände, dass es eine kurzfristige Änderung der Parameter gegeben habe. „Die Frage, wie viele Mannschaften – 18 oder 20 – beim Kompassmodell in den vier Ligen spielen würden, hatte die beim DFB angesiedelte Arbeitsgruppe in ihrem Abschlussbericht vom 31. März 2026 offengelassen und diese Entscheidung ausdrücklich den künftigen Regionalliga-Trägern übertragen“, hieß es am Dienstag in einer Mitteilung des Verbandes. Der BFV spricht von einem gemeinsamen Auftrag aus der AG.

Wie kommentieren die Fans die Abstimmung?

Nach Änderung der Eckdaten übten auch viele Ultras Druck auf die Verbände und Vereine aus. Die Fanszene „The Unity“ von Borussia Dortmund veröffentlichte ein Schreiben mit dem Titel: „Eure Spielchen mit Reformen – nicht mit uns.“ Darin hieß es: „Nicht nur kritischen Fans wird jetzt endgültig klar, dass die Verbände nicht im Sinne ihrer Mitgliedsvereine agieren, sondern ganz eigene Ziele verfolgen. Was FIFA und Co. auf der großen Bühne vormachen, spielen die Regionalverbände nach.“

Wie geht es jetzt weiter?

Der DFB wird die Ergebnisse zeitnah mit den Regionalverbänden besprechen, um gemeinsam den weiteren Fortgang zu bestimmen. Eine Umsetzung der Reform zur Saison 2028/2029 wäre nur dann zum Tragen gekommen, wenn sich die Vereine aller fünf Regionen in ihren Abstimmungen für ein und dasselbe Modell entschieden hätten.

Choreografie der Fans von Chemnitz für eine Aufstiegsreform.
Choreografie der Fans von Chemnitz für eine Aufstiegsreform.imago/Fotostand/Nachtigall

„Dass es sowohl in ganz Deutschland als auch bei uns in Bayern nicht das eine Modell für die Lösung gibt, überrascht nicht. Das war genau so zu erwarten“, sagte Präsident Christoph Kern vom Bayerischen Fußball-Verband, der nun wieder mit anderen Vorschlägen kommt – „eine 3. Liga mit 22 Teams und fünf Absteigern oder das von uns vorgeschlagene Zwei-Phasen-Modell.“

Dies sehe eine einfache Hinrunde in den bisherigen fünf Staffeln vor. Danach eine Aufteilung der jeweiligen Top-Teams in eine viergleisige Aufstiegsrunde mit Blick auf Entfernungen. Die Abstiegsrunden würden in den bisherigen fünf regionalen Strukturen ausgespielt.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com