Streit eskaliert

Knall nach ARD‑Bericht: Drama um Claudia Pechstein, sogar von Selbstmord ist die Rede

Der Streit mit dem Öffentlich-rechtlichen Rundfunk eskaliert. DESG-Präsident Matthias Große attackiert Reporter Hajo Seppelt.

Author - Sebastian Schmitt
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Eisschnellläuferin Claudia Pechstein (54) soll nach Aussagen ihres Lebensgefährten Matthias Große wegen einer ARD-Recherche in eine schwere Krise gestürzt sein.
Eisschnellläuferin Claudia Pechstein (54) soll nach Aussagen ihres Lebensgefährten Matthias Große wegen einer ARD-Recherche in eine schwere Krise gestürzt sein.IMAGO/Andre Weening

Sie ist die Frau, die nie aufgegeben hat. Fünfmal Olympiagold, 16 Jahre Kampf um ihren guten Namen – Claudia Pechstein kennt jede Kurve des Leidens und des Siegens. Und ausgerechnet jetzt, kurz nach dem olympischen Winter, tobt um sie herum der nächste Eklat: Der deutsche Eisschnelllaufverband (DESG) zieht gegen die ARD vor Gericht – und der Ton ist so hart, dass es ganz Sport‑Deutschland zusammenzucken lässt.

DESG erteilt Hausverbot für zwei ARD-Reporter

Was ist passiert? Nach einer ARD‑Recherche der Reporter Hajo Seppelt und Jörg Mebus über Missstände im Verband hat DESG‑Präsident Matthias Große – Pechsteins Lebensgefährte – die Reißleine gezogen: Hausverbot für zwei Reporter, Unterlassungsklage, scharfe Attacken auf einer extra anberaumten Pressekonferenz am Müggelturm in Berlin-Köpenick. Wörtlich spricht er davon, sein Verband sei „auf die Schlachtbank“ geführt worden – und behauptet sogar, Seppelt habe Pechstein „fast in den Selbstmord getrieben“. Worte, die ins Mark fahren. Worte, die spalten. Worte, die bleiben.

Claudia Pechstein mit Ehemann Matthias Große bei der Geburtstagsgala zum 80. Geburtstag von Dagmar Frederic im Restaurant am Müggelturm im April 2025.
Claudia Pechstein mit Ehemann Matthias Große bei der Geburtstagsgala zum 80. Geburtstag von Dagmar Frederic im Restaurant am Müggelturm im April 2025.IMAGO/Matthias Wehnert

Der Aufschrei folgt prompt: ARD‑Sportverantwortliche, Journalistenverbände und sogar der DOSB kritisieren den Ausschluss der Reporter als Angriff auf die Pressefreiheit. Ein beispielloser Vorgang, sagen sie. Die DESG wiederum kontert, man wehre sich nur gegen Rufschädigung – und will die Vorwürfe Punkt für Punkt entkräften. Die Fronten sind verhärtet, der Streit landet vor Gericht. Schon wieder ein Verfahren, schon wieder Pechsteins Name im Auge des Sturms.

Vorwurf „Selbstmord‑Druck“ – Verband attackiert ARD

Wer Claudia Pechstein kennt, weiß: Diese Frau ist zäh. Sie hat ihr größtes Verfahren – die Mammut‑Auseinandersetzung mit dem Weltverband ISU – erst 2025 mit einer Einigung beendet, nach mehr als 16 Jahren juristischem Dauerfeuer. „Versöhnliches Ende“ nannten es beide Seiten. Für Pechstein war es ein Abstreifen tonnenschwerer Last. Und nun? Wieder Stress, wieder Schlagzeilen, wieder Zweifel, die an ihr nagen könnten.

Die ARD-Reporter Hajo Seppelt (l.) und Jörg Mebus waren bei einer Pressekonferenz des Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft e.V. in Köpenick nicht zugelassen.
Die ARD-Reporter Hajo Seppelt (l.) und Jörg Mebus waren bei einer Pressekonferenz des Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft e.V. in Köpenick nicht zugelassen.IMAGO/Matthias Koch

Pechstein, die Ost-Berlinerin mit dem endlos langen Atem, steht plötzlich erneut symbolisch für mehr als Medaillen: für die Frage, wie hart der Sport mit seinen Athletinnen umspringt – und wie hart Medien und Verbände miteinander umgehen dürfen. Die Eisschnelllauf‑Ikone ist nicht die Klägerin, nicht die Reporterin, nicht die Präsidentin. Aber sie ist der Mensch in der Mitte, der die Sätze aushalten muss, die andere sagen. Das macht diesen Konflikt so heikel.

Große schießt scharf: Pechstein emotional getroffen

Klar ist: Vor Gericht zählt am Ende, was belegt werden kann. Aber außerhalb des Gerichtssaals entscheidet ein anderes Gericht – das der Öffentlichkeit. Da geht es um Ton, Respekt, Anstand. Wenn jetzt jeder eine Stufe runterdreht, hat am Ende vielleicht sogar die Frau gewonnen, die in ihrer Karriere stets das Unmögliche möglich gemacht hat: Claudia Pechstein.