Die Buchmacher sehen Deutschland bei unter einem Prozent Siegchance. Die Kritiker schreiben, dem Song „Fire“ fehle das entscheidende Element. Und die Deutschen meckern, wie sie es beim ESC seit Jahren machen. Am liebsten schon, bevor der erste Ton gefallen ist. Ich sehe das anders.
Wien hat gesprochen
Als Sarah Engels am Dienstagabend die Bühne der Wiener Stadthalle beim ESC-Halbfinale betrat, das Outfit wechselte und sich von einer zwei Meter hohen Box in die Arme ihrer Tänzerinnen warf, jubelte das Publikum. Nicht höflich. Nicht verhalten. Es jubelte. Und das war kein deutsches Publikum, das aus Solidarität mitgeklatscht hat, sondern eine internationale Halle voller ESC-Fans, die dutzende Acts sehen und genau wissen, was gut ist und was nicht.
Was mich an „Fire" überrascht: Der Song ist einer dieser Titel, die man beim ersten Hören vielleicht für zu glatt hält. Zu rund, zu sauber, zu sehr 0815-Radio-Song fürs ESC-Publikum, das gerne Ecken und Kanten sieht. Aber dann hat man ihn plötzlich doch im Kopf. Das kennt man von WM-Songs, die beim ersten Hören niemanden vom Hocker reißen, aber einem trotzdem nicht mehr loslassen. „Fire“ hat für mich genau dieses Potenzial.

Und dann ist da noch Sarah Engels selbst. Man kann über Sarah und den Song sagen, was man will, aber eines muss man ihr lassen: Singen und Tanzen kann sie einfach. Engels gehört stimmlich zu den stärksten Teilnehmerinnen in Wien. Sie spielt mit der Kamera, sie füllt die Bühne, sie hat Charisma und man spürt ihre Bühnenerfahrung bei jedem einzelnen Schritt.
Der meistgesuchte Song des Wettbewerbs
Laut Google-Auswertungen der vergangenen 30 Tage ist „Fire“ weltweit der meistgesuchte Song des gesamten Wettbewerbs, noch vor dem französischen Titel „Regarde!“ und dem italienischen Lied „Per Sempre Sì“. Das globale Suchinteresse kommt dabei vor allem aus dem deutschsprachigen Ausland und aus Nordeuropa. Das ist kein Zufall. Menschen, die einen Song aktiv suchen, haben ihn im Kopf. Genau das ist der erste Schritt zum Ohrwurm und zu vielen Punkten.



