Kommentar

Sarah Engels und „Fire" haben mehr drauf als die Quoten zeigen

Sarah Engels hat beim Halbfinale eine Stadthalle zum Toben gebracht. Warum der Song mehr kann, als die Quoten vermuten lassen.

Author - Tobias Esters
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Sarah Engels beim ersten ESC-Halbfinale in der Wiener Stadthalle – im goldenen Glitzerbody performte sie „Fire" und riss das Publikum mit.
Sarah Engels beim ersten ESC-Halbfinale in der Wiener Stadthalle – im goldenen Glitzerbody performte sie „Fire" und riss das Publikum mit.Jens Büttner/dpa

Die Buchmacher sehen Deutschland bei unter einem Prozent Siegchance. Die Kritiker schreiben, dem Song „Fire“ fehle das entscheidende Element. Und die Deutschen meckern, wie sie es beim ESC seit Jahren machen. Am liebsten schon, bevor der erste Ton gefallen ist. Ich sehe das anders.

Wien hat gesprochen

Als Sarah Engels am Dienstagabend die Bühne der Wiener Stadthalle beim ESC-Halbfinale betrat, das Outfit wechselte und sich von einer zwei Meter hohen Box in die Arme ihrer Tänzerinnen warf, jubelte das Publikum. Nicht höflich. Nicht verhalten. Es jubelte. Und das war kein deutsches Publikum, das aus Solidarität mitgeklatscht hat, sondern eine internationale Halle voller ESC-Fans, die dutzende Acts sehen und genau wissen, was gut ist und was nicht.

Was mich an „Fire" überrascht: Der Song ist einer dieser Titel, die man beim ersten Hören vielleicht für zu glatt hält. Zu rund, zu sauber, zu sehr 0815-Radio-Song fürs ESC-Publikum, das gerne Ecken und Kanten sieht. Aber dann hat man ihn plötzlich doch im Kopf. Das kennt man von WM-Songs, die beim ersten Hören niemanden vom Hocker reißen, aber einem trotzdem nicht mehr loslassen. „Fire“ hat für mich genau dieses Potenzial.

Voller Einsatz auf der ESC-Bühne: Sarah Engels mit ihren Tänzerinnen beim Halbfinale in Wien – die Performance ließ kaum jemanden kalt.
Voller Einsatz auf der ESC-Bühne: Sarah Engels mit ihren Tänzerinnen beim Halbfinale in Wien – die Performance ließ kaum jemanden kalt.Jens Büttner/dpa

Und dann ist da noch Sarah Engels selbst. Man kann über Sarah und den Song sagen, was man will, aber eines muss man ihr lassen: Singen und Tanzen kann sie einfach. Engels gehört stimmlich zu den stärksten Teilnehmerinnen in Wien. Sie spielt mit der Kamera, sie füllt die Bühne, sie hat Charisma und man spürt ihre Bühnenerfahrung bei jedem einzelnen Schritt.

Der meistgesuchte Song des Wettbewerbs

Laut Google-Auswertungen der vergangenen 30 Tage ist „Fire“ weltweit der meistgesuchte Song des gesamten Wettbewerbs, noch vor dem französischen Titel „Regarde!“ und dem italienischen Lied „Per Sempre Sì“. Das globale Suchinteresse kommt dabei vor allem aus dem deutschsprachigen Ausland und aus Nordeuropa. Das ist kein Zufall. Menschen, die einen Song aktiv suchen, haben ihn im Kopf. Genau das ist der erste Schritt zum Ohrwurm und zu vielen Punkten.

Ich sage nicht, dass Deutschland gewinnt. Ich sage: Eine Top-10-Platzierung ist möglich, vielleicht sogar wahrscheinlicher als die Quoten vermuten lassen. Und nach Jahren, in denen man für Deutschland meistens lieber weggeschaut hat, wäre das schon ein kleiner Sieg.

Wie ist Ihre Meinung zum Song von Sarah für den ESC? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com