„Was, das glauben die Leute noch?“

Jan Josef Liefers gegen Anna Loos: Bei diesem DDR-Thema fliegen die Fetzen

Pionierlieder, „Plaste“ und Ossi-Klischees: Anna Loos und Jan Josef Liefers sprechen mit dem KURIER über den Osten und geraten dabei humorvoll aneinander

Author - Mariella Mandurino
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Anna Loos und Jan Josef Liefers kommen beide aus Ostdeutschland.
Anna Loos und Jan Josef Liefers kommen beide aus Ostdeutschland.AEDT

„Plaste“, „Dit fetzt“ und eine hitzige Diskussion über Pionierlieder: Wenn die Schauspieler Anna Loos und Jan Josef Liefers über den Osten sprechen, entsteht eine Ossi-Dynamik der besonders unterhaltsamen Art. Die beiden widersprechen sich, ergänzen sich und liefern ganz nebenbei einen Einblick, wie unterschiedlich selbst zwei überzeugte Ostdeutsche auf ihre Herkunft blicken.

Im Gespräch mit dem KURIER wird schnell klar: Der Osten ist für beide bis heute mehr als nur ein Kapitel ihrer Vergangenheit. Loos kommt aus Brandenburg an der Havel und Liefers aus Dresden. Während viele Ost-Produkte und Ost-Begriffe inzwischen Kultstatus genießen, geht das Ehepaar ganz unterschiedlich mit ihrer Herkunft um.

Jan Josef Liefers und Ehefrau Anna Loos unterstützen sich in ihren Karrieren.
Jan Josef Liefers und Ehefrau Anna Loos unterstützen sich in ihren Karrieren.dpa

Schon bei der Frage nach DDR-Traditionen geraten die beiden hurmorvoll aneinander. Loos erzählt, dass eine Tradition im Hause Loos-Liefers folgende sei: „Das Singen von Pionierliedern. Also die DDR-Lieder, die können wir alle noch. Manchmal singen wir die auch noch.“

Kaum hat sie den Satz beendet, grätscht ihr der TV-Star dazwischen und witzelt: „Was? Das glauben die Leute noch. Niemand von uns singt Pionierlieder. Kein Mensch singt Pionierlieder.“ Anna Loos bleibt gelassen und kontert sofort: „Wir singen doch manchmal solche Lieder. Weihnachtslieder, Kinderlieder.“ Mit einem Augenzwinkern verrät Jan Josef Liefers: „Vielleicht aus Spaß, wenn wir zu viel gelötet haben.“

Dabei erlebt gerade vieles aus dem Osten eine erstaunliche Renaissance. Modehäuser verkaufen Kleidungsstücke, die früher in vielen DDR-Haushalten völlig normal waren, heute als Luxusprodukte. Für Liefers ein Grund zum Scherzen: „Miu Miu hat mit der Kittelschürze meiner Oma wahrscheinlich Milliarden verdient. Auf einmal laufen die ganzen dünnen Models mit den alten Kittelschürzen rum.“

Liefers: „Ossis denken über Wessis, dass sie Schaumschläger sind“

Besonders spannend wird es, als es um Vorurteile zwischen Ost und West geht. Während Anna Loos betont, dass sie inzwischen eher ein „Wossi“ sei, also ein Mix aus Wessi und Ossi, hat Jan Josef Liefers eine Theorie, die er bildlich ausmalt: „Ossis denken über Wessis, dass sie so Schaumschläger sind, die alle gelernt haben, sich gut zu verkaufen.“

Auf diese Schürzen bezieht sich Liefers: Eine DDR-Frau im März 1985 mit einer Kittelschürze.
Auf diese Schürzen bezieht sich Liefers: Eine DDR-Frau im März 1985 mit einer Kittelschürze.Marion Gröning/Imago

Weiter sagt er: „Wohingegen der Ossi eher dazu neigt, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Und die, die miteinander reden, sich dabei in die Augen gucken und sich ins Gespräch vertiefen, das sind meistens zwei Ossis. Die, die miteinander reden und dabei ständig über die Schulter des anderen gucken und die im Grunde genommen gar nicht mit jemandem reden, das sind meistens Wessis.“

Anna Loos bezieht ihr Vorurteil auf den Münster „Tatort“, indem ihr Ehemann mitspielt. „Da haben alle von Anfang an gedacht, dass Axel Prahl, der ja Fahrrad fährt und so sympathisch mit seinem St.-Pauli-Shirt da durch die Gegend hampelt, dass das ein Ossi sein muss.“

Axel Prahl (l.) und Jan Josef Liefers spielen beide im Münster „Tatort“ mit.
Axel Prahl (l.) und Jan Josef Liefers spielen beide im Münster „Tatort“ mit.Rüdiger Wölk/Imago

Und weiter: „Und dieser arrogante Schnösel von Boerne, das muss ein Wessi sein. Also der Schauspieler, Jan Josef Liefers, muss ein Wessi sein.“ Für Loos zeigt die Geschichte vor allem eines: Wie schnell Menschen andere in Schubladen stecken. „Und das ist alles Blödsinn.“

Am Ende wird es noch einmal richtig ostdeutsch. Denn auf die Frage nach dem schönsten Ost-Wort müssen beide nicht lange überlegen. Liefers entscheidet sich für das DDR-Wort „Plaste“, das so viel wie Plastik oder Kunststoff heißt. Anna Loos landet bei einem echten Klassiker aus ihrer Jugend: „Dit fetzt.“

Welches typisch ostdeutsche Wort oder welche DDR-Tradition ist Ihnen bis heute besonders in Erinnerung geblieben? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com