Schockierende Aussage

Hape Kerkeling fordert AfD-Verbot: Warum er über Exil nachdenkt

Im Gespräch mit Moderator Michel Friedman spricht Hape Kerkeling ungewohnt nüchtern über seine Ängste in Deutschland als schwuler Mann.

Author - Sharone Treskow
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Hape Kerkeling fühlt sich in Deutschland nicht gänzlich wohl. Mit ein Grund dafür sei die AfD.
Hape Kerkeling fühlt sich in Deutschland nicht gänzlich wohl. Mit ein Grund dafür sei die AfD.Matthias Wehnert / Imago

Moderator Michel Friedman hat zum Holocaust-Gedenktag Hape Kerkeling zu einem Gespräch im Berliner Ensemble eingeladen. Das Thema der abendlichen Talkrunde war „Respekt“. Der Entertainer zeigte sich hier ungewohnt ernst und überraschend offen. Kerkeling ist in Sorge, was die Zukunft Deutschlands angeht.

Kerkeling fürchtet sich als schwuler Mann in Deutschland

Kerkeling sprach mit Friedman über einige private Themen, auch über seine Flucht aus Berlin:  Die „schockierende Homophobie“ in der Hauptstadt, die sich auch in einer rechtsextremen Demo im Jahr 2016 gezeigt habe, habe ihn schließlich dazu veranlasst, Berlin den Rücken zu kehren und nach Köln zu ziehen.

Michel Friedman entlockte Hape Kerkeling einige private Äußerungen in seiner Talkrunde zum Holocaust-Gedenken.
Michel Friedman entlockte Hape Kerkeling einige private Äußerungen in seiner Talkrunde zum Holocaust-Gedenken.Rolf Poss / Imago

Kerkeling mache sich als schwuler Mann Sorgen über seine Zukunft in Deutschland. „Von daher kann ich sehr gut verstehen, wenn jemand darüber nachdenkt, ob er ins Exil geht. Auch ich denke darüber nach. Ich möchte hier nicht den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden.“

Star-Entertainer fordert AfD-Verbotsverfahren

Auch die AfD bereitet Kerkeling große Sorgen. Der Komiker fordert ein Verbotsverfahren – jetzt sofort. „Ich kann doch nicht warten, bis sie so groß sind, dass sie nicht mehr zu verhindern sind und ich den Hebel gar nicht mehr anwenden kann! Was ist denn das für eine Logik?“, ärgert sich Kerkeling. „Es gäbe genügend Möglichkeiten, den Hebel richtig anzusetzen, ohne dass man gleich die Demokratie abschafft.“

Kerkelings Großvater war KZ-Gefangener

Warum ausgerechnet Kerkeling zu einer Talkrunde zum Holocaust-Gedenktag eingeladen wurde? Weil er einen Großvater hat, der den Holocaust erlebt hat. Nicht als Täter, sondern als Kommunist, der zwölf Jahre in Gefangenschaft war. Drei Jahre davon im KZ Buchenwald.

Hape Kerkelings Großvater war ein Kommunist in KZ-Gefangenschaft.
Hape Kerkelings Großvater war ein Kommunist in KZ-Gefangenschaft.Malte Ossowski/ Sven SImon / Imago

„Was mein Großvater mir mitgegeben hat als Lebensweisheit war: ‚Halt den Mund, sag nichts.‘ Das fand ich damals schon eine solche Bürde“, erzählt der 61-Jährige. „Ich hab das damals schon verstanden aus seiner Sicht, warum er mir den Ratschlag gegeben hat. Er dachte, ich verbrenne mir den Mund – was ich ja auch an mancher Stelle tue.“

Weiter betont Kerkeling: „Aber ich muss immer dagegen angehen, in der Hoffnung, dass mein Großvater es gut findet, dass ich meine Meinung sage.“

Kerkeling spricht offen über Suizid seiner Mutter

Kerkeling zeigte sich insgesamt zwar ernüchtert über die Situation in Deutschland, aber trotzdem nicht hoffnungslos. Am Ende der Talkrunde erzählt er vom Suizid seiner Mutter: „Ich war acht, meine Mutter war 42. Und ich hatte so dieses Gefühl, das geht nicht gut aus. Ich habe aber trotzdem die Hoffnung nicht aufgegeben und weiter geglaubt, dass alles gut wird“, betont der Autor.

Obwohl das Leben seiner Mutter schließlich im Freitod geendet sei, habe Kerkeling daraus gelernt: „Diese Hoffnung darf man nicht aufgeben.“

Wie ist Ihre Meinung zu Kerkelings Aussagen bezüglich der AfD? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.