Ins Finale eingekauft

ESC-Debakel dank GEZ: Das müssen wir wirklich für die jährliche Teilnahme zahlen

ESC-Ärger nach Platz 23: Deutschland zahlt jährlich Hunderttausende Euro – doch der Erfolg bleibt aus. Jetzt wächst die Kritik am „Big Five“-Bonus.

Author - Julia Nothacker
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Sarah Engels beim diesjährigen ESC
Sarah Engels beim diesjährigen ESCimago/BEAUTIFUL SPORTS/Froehlich

Jahr für Jahr dieselbe Debatte: Deutschland landet beim Eurovision Song Contest oft auf den hinteren Plätzen – und kurz danach kocht die Wut hoch. Vorwurf vieler Zuschauer: Wird hier mit Rundfunkgebühren ein Millionenspiel finanziert, das sich nicht lohnt?

ESC-Frust explodiert: Trotz Hunderttausender Euro wieder hinten

Schon wieder hinten! Nach dem nächsten enttäuschenden Abschneiden Deutschlands beim Eurovision Song Contest ist der Frust riesig. Diesmal trifft es nicht nur den Act, sondern vor allem das System. Der vorletzte Platz – und das, obwohl man sich quasi ins ESC-Finale eingekauft hat? Genau dieser Vorwurf wird nach dem 23. Platz von Sängerin Sarah Engels immer lauter.

Fakt ist, Deutschland investiert viel Geld, bekommt aber kaum Erfolg zurück. Jedes Jahr zahlt Deutschland für die Teilnahme am ESC eine sechsstellige Summe. 2025 waren es laut NDR rund 472.000 Euro. 2026 sollen es laut der Saarbrücker Zeitung inflationsbedingt sogar etwa 620.000 Euro gewesen sein.

2026 gewann Sängerin Dara für Bulgarien den ESC.
2026 gewann Sängerin Dara für Bulgarien den ESC.imago/BEAUTIFUL SPORTS/Froehlich

Dieses Geld wird aus Mitteln des Rundfunkbeitrags finanziert – also indirekt von Millionen Haushalten in Deutschland.

Tatsächlich gehört Deutschland neben Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien zu den sogenannten Big Five, also den größten Geldgebern des Wettbewerbs. Der Vorteil: automatische Qualifikation fürs Finale. Der Nachteil: ein vergleichsweise hoher finanzieller Beitrag.

Zum Vergleich: Ein kleineres Land wie Nordmazedonien zahlte zuletzt nur rund 39.000 Euro Teilnahmegebühr, muss sich aber auch im Gegensatz zu Deutschland für das Finale qualifizieren.

Die Debatte um die Kosten für den ESC spitzt sich zu

Doch damit ist es nicht getan. Neben der reinen Teilnahmegebühr entstehen weitere Kosten: Vorentscheid, Bühnen-Show, Künstler-Betreuung, Reisekosten, Moderation, TV-Produktion. Wie hoch die Gesamtausgaben genau sind, wird nicht offen kommuniziert.

Ein Blick hinter die Kulissen relativiert die Diskussion zumindest teilweise. Ein einzige Folge „Tatort“ kostet nämlich locker dreimal so viel wie die Gebühr für den ESC. Im Vergleich zu anderen TV-Produktionen ist der ESC für die ARD also finanziell kein Mega-Klotz.

Das eigentliche Problem ist für viele Zuschauer ein anderes: Die Ergebnisse stimmen einfach nicht. Und genau deshalb wird auch beim nächsten ESC wieder die gleiche Frage gestellt werden: Lohnt sich das – oder ist es rausgeworfenes Geld? Sollte Deutschland sich wie die kleineren Länder fürs Finale qualifizieren müssen?

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