Haben Sie es gewusst?

Karl-Marx-Kopf in Chemnitz: Die Geheimnisse des größten „Nischel“ der DDR

Der Karl-Marx-Kopf in Chemnitz wird geöffnet. Experten wollen endlich klären, wie das DDR-Denkmal im Inneren aufgebaut ist.

Author - Florian Thalmann
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Der Kopf von Karl Marx in Chemnitz hat viele Geheimnisse. Unklar ist beispielsweise, wie es im Inneren aussieht. Das soll jetzt geklärt werden, damit der Nischel saniert werden kann.
Der Kopf von Karl Marx in Chemnitz hat viele Geheimnisse. Unklar ist beispielsweise, wie es im Inneren aussieht. Das soll jetzt geklärt werden, damit der Nischel saniert werden kann.Gueffroy/imago

Wer ist 40 Tonnen schwer und hat schon seit Jahrzehnten große Probleme, einen passenden Hut zu finden? Der gigantische Kopf von Karl Marx in Chemnitz! Das riesige Monument, das im Oktober 1971 feierlich enthüllt wurde, ist nicht nur ein Wahrzeichen der sächsischen Stadt und ein ewiger Touristenmagnet, sondern blickt auch auf eine sehr spannende Geschichte zurück. Der Kopf soll jetzt geöffnet werden, denn man will das größte Rätsel des „Nischel“ endlich lüften. Aber: Wie kam der riesige Kopf nach Chemnitz? Wo kommt er her? Und was macht ihn so besonders? Wir verraten die Geheimnisse des Monuments!

Kopf von Karl Marx in Chemnitz wird geöffnet

Schon vor Monaten berichtete der KURIER, dass es dem riesigen Kopf von Karl Marx jetzt an den Kragen gehen soll – beziehungsweise: An die Schädeldecke. Denn das riesige Monument wird geöffnet! Der Grund: Das Denkmal steht bereits seit mehr als 50 Jahren an Ort und Stelle, soll eine Frischekur verpasst bekommen. Dafür will man aber erst einmal herausfinden, wie es überhaupt im Inneren des „Nischel“ aussieht. Denn das weiß leider aktuell noch niemand!

„Obwohl Pläne vorliegen, kann nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden, ob ein Stahlgerüst die Konstruktion trägt oder allein eine Schraubenkonstruktion“, heißt es aus der Stadtverwaltung Chemnitz. So sei es unter anderem beim Denkmal „Revolutionäre Matrosen“ in Rostock. „Beide Denkmale stammen aus derselben Werkstatt in der damaligen Sowjetunion.“ Und auch etwas anderes ist nicht bekannt: In welchem Zustand ist das Innere vom Kopf von Karl Marx?

Bildhauer Lev Kerbel hat den Kopf von Karl Marx in Chemnitz geschaffen. Das Monument wurde aus Bronze gegossen und dann in Einzelteilen nach Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt) gebracht.
Bildhauer Lev Kerbel hat den Kopf von Karl Marx in Chemnitz geschaffen. Das Monument wurde aus Bronze gegossen und dann in Einzelteilen nach Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt) gebracht.Valentin Mastyukov/imago

Am Mittwoch sollte eine Materialprobe entnommen werden, um diese Frage zu klären. Der erste wichtige Schritt für die Sanierung des berühmten DDR-Monuments. So soll verhindert werden, dass der Kopf bei der geplanten Zerlegung Schaden nimmt. „Erst wenn die Materialzusammensetzung der Nähte und die Auswahl der geeigneten Schweißtechnik feststehen, kann eine Platte am Hinterkopf herausgelöst werden“, heißt es weiter. Doch nicht nur diese Dinge sind für viele ein Geheimnis.

Fünf spannende Fakten über den Nischel von Karl Marx

Wir haben fünf spannende Fakten über Deutschlands größten Kopf gesammelt. Wussten Sie schon …

… dass der Kopf die zweitgrößte Porträtbüste der Welt ist? Es gibt nur einen Kopf, der noch größer ist: Die Büste von Lenin in Ulan-Ude. Der Unterschied beträgt allerdings „nur“ 60 Zentimeter. Der Kopf von Karl Marx in Chemnitz ist 7,1 Meter hoch, mit Sockel sogar 13 Meter.

… dass der ganze Karl Marx mit dieser Kopfgröße über 55 Meter hoch wäre? Beim Menschen geht man davon aus, dass der Kopf etwa ein Achtel der Höhe des Körpers einnimmt. Legt man das zugrunde, wäre ein vollständiger Karl Marx mit einem Kopf dieser Größe satte 56,8 Meter hoch. Das würde einem Hochhaus mit etwa 16 bis 18 Etagen entsprechen.

Zur Einweihung des berühmten Kopfes in Karl-Marx-Stadt kamen nicht nur 250.000 Besucher, sondern auch alles, was in der Politik der DDR Rang und Namen hatte.
Zur Einweihung des berühmten Kopfes in Karl-Marx-Stadt kamen nicht nur 250.000 Besucher, sondern auch alles, was in der Politik der DDR Rang und Namen hatte.Werner Schulze/imago

Nischel in Chemnitz: Karl Marx hätte Schuhgröße 1250

… dass der ganze Karl Marx Schuhgröße 1250 hätte? Man kann die Fußlänge anhand der Körpergröße grob abschätzen. Die Grundlage: Ein erwachsener Mensch hat typischerweise eine Fußlänge von etwa 15 Prozent der Körpergröße. Bei 56,8 Metern Körpergröße entspricht das einer Fußlänge von 8,5 Metern. Karl Marx hätte damit ungefähr EU-Schuhgröße 1200 bis 1280, also grob Schuhgröße 1250.

… dass der Kopf in Einzelteilen nach Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) gebracht werden musste? 40 Tonnen schwer. Er besteht aus Bronze. Hergestellt wurde er in der Kunstgießerei Monument Skulptura in Leningrad – und er musste für den Transport nach Karl-Marx-Stadt in 95 Einzelteile zerlegt werden.

… dass die Russen am Zusammenbau scheiterten? Die Teile sollten in Karl-Marx-Stadt wieder zusammengebaut werden, doch die sowjetische Technik war dafür ungeeignet. Deshalb wurde die Entscheidung getroffen, den Auftrag dem VEB Germania aus Karl-Marx-Stadt in der DDR zu erteilen. Man fürchtete, dass die zusammengeschweißten Teile sonst später wieder auseinanderreißen könnten. Der VEB produzierte übrigens vor allem Behälter für die chemische Industrie, Dampfkessel, Öfen für die Zementherstellung und Anlagen für die Margarineerzeugung.

Der Kopf von Karl Marx befindet sich im Stadtzentrum an der Brückenstraße nahe der Kreuzung zur Straße der Nationen.
Der Kopf von Karl Marx befindet sich im Stadtzentrum an der Brückenstraße nahe der Kreuzung zur Straße der Nationen.Bild13/imago

Karl-Marx-Kopf: Zur Einweihung kamen 250.000 Gäste

… dass zur Einweihung des Kopfes 250.000 Menschen kamen? Am 9. Oktober 1971 enthüllte Erich Honecker das Karl-Marx-Monument. Zu den mehr als 250.000 Menschen, die der Zeremonie beiwohnten, gehörten auch der sowjetische Künstler Lew Kerbel, der das Monument geschaffen hatte, und Robert-Jean Longuet, der Urenkel von Karl Marx.

… dass man den Ort auch als „Schädelstätte“ bezeichnet? Der Kopf von Karl Marx befindet sich im Stadtzentrum an der Brückenstraße nahe der Kreuzung zur Straße der Nationen. Im Sächsischen wird das Monument auch als „Nischel“ bezeichnet, weil das der sächsische Begriff für „Kopf“ ist. Im Volksmund nennt man das Areal, auf dem das Monument steht, auch „Schädelstätte“.

Haben Sie das Karl-Marx-Monument schon einmal besucht? Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!