Noch nie wurde so offen über Sex gesprochen. Pornografie und Sextipps gab es früher hinter verschlossenen Türen, heute sind sie im Internet leicht zu finden. Das Ergebnis? Offenheit, aber auch Druck und neue Unsicherheiten. Im Gespräch mit Erotik.com erklärt die Psychologin Borbála Rozsnyik, was sich dadurch gerade verändert und was das für junge Menschen und auch andere aktive Internetnutzer bedeutet.
Social Media sorgt für Vergleichsdruck
Eine gute Sache sieht Borbála Rozsnyik auf jeden Fall: Für junge Menschen ist sexuelle Gesundheit immer mehr Teil des allgemeinen Wohlbefindens, weil sie damit aufgewachsen sind. Das Internet ist ein großer Teil davon.
„Das Internet hat Informationen und offene Diskussionen zugänglicher gemacht als je zuvor, das ist ein riesiger Gewinn“, sagt die Expertin, „aber es erzeugt auch unrealistische Erwartungen und einen ständigen Vergleichsdruck. Viele junge Menschen fühlen sich verpflichtet, dem zu entsprechen, was sie online sehen“. Dadurch fühlen sie sich unsicher.
In gewisser Weise stehe die Generation Z (die ungefähr zwischen 1995 und 2012 geboren wurden) dadurch mehr unter Druck als frühere Generationen. Denn mit Offenheit kommen auch Erwartungen: „Wer das Gefühl hat, dem nicht gerecht zu werden, gerät schnell unter Druck.“ Wichtig sei daher für alle, die durch das Internet geprägt sind, Selbstakzeptanz und Kommunikation zu lernen – und Inhalte kritisch einordnen zu können.

Wie kann man also heutzutage eine gesunde Sexualität leben? Rozsnyik: „Gesunde Sexualität hat nichts mit Leistung oder Häufigkeit zu tun. Es geht darum, sich wohl, respektiert und im Einklang mit den eigenen Bedürfnissen und Werten zu fühlen. Dazu gehören Kommunikation, Einvernehmen und emotionales Bewusstsein.“
Schönheitsstandards aus dem Internet kommen mit ins Bett
Dabei gebe es auch keinen einheitlichen Standard. Je mehr man im Internet über Sex und Sexualität mitbekommt, desto mehr vergleicht man sich mit dem, was man sieht, als Standard. Idealisierte und unerreichbare Körper und Leistungen zeigen sich tagtäglich jedem Internetnutzer. Und das greife das sexuelle Wohlbefinden und das Selbstbewusstsein an. „Sexualität ist oft das erste, was leidet, wenn die mentale Gesundheit ins Wanken gerät“, sagt Borbála Rozsnyik.


