Vor drei Jahren schrieb die Belletristik-Autorin R.S. Benedict einen Essay, der nicht nur den Nerv der Zeit treffen, sondern dadurch auch zum geflügelten Wort im Internet werden sollte: „Everyone Is Beautiful and No One Is Horny“ (auf Deutsch etwa: „Jeder ist schön und niemand ist geil“). Möglichst kurz zusammengefasst: Es geht darum, dass Schauspieler in Filmen früher zwar schön, aber realistisch aussahen, und sie heutzutage unrealistisch schön sind, aber keinen Sex-Appeal mehr haben.
Etwas weiter ausgeführt: Die zunehmende Militarisierung der US-amerikanischen Gesellschaft macht, wie Benedict meint, auch vor der Darstellung unserer Körper in Filmen keinen Halt. Männer sind inzwischen muskelbepackt bis zum Geht-nicht-mehr; nicht nur Margot Robbie sieht wie eine makellose Barbie-Puppe aus; und durch Schönheits-OPs und fast übernatürliche Trainings- und Diätpläne sehen Menschen auf der Leinwand fast nicht mehr wie Menschen aus, sondern wie optimierte Maschinen. Und trotzdem: Es gibt immer weniger Sex, kaum jemand hat mehr Lust aufeinander oder auch nur Sex-Appeal. Hollywood-Filme (und allen voran Superhelden-Filme) sind schön, aber steril geworden.
Schönheits-Wahn total bei Generation Z
Benedicts Essay fühlt sich auch drei Jahre später noch vor dem Hintergrund von Social Media aktueller denn je an – und nicht nur für Filme. Auch im echten Leben sind Essstörungen verbreitet wie nie. Algorithmen in den sozialen Medien sorgen dafür, dass Posts, die gestörtes Essverhalten bewerben, bei gefährdeten Nutzern landen. Zwölfjährige tauschen sich über die besten Anti-Aging-Cremes aus, Schönheits-OPs werden auch für „normale“ Menschen Alltag, genauso wie „Abnehmspritzen“ wie Ozempic für Nichtdiabetiker. Gleichzeitig erfinden Nutzer auf Social Media gefühlt jede Woche einen körperlichen Mangel, wegen dem sich Teenager schlecht fühlen sollen.
You guys are disgusting and weird for defending a literal weirdo. Im 17 and AFRAID of Sabrina Carpenter when she's performing. You guys need help
— Pop★| Fan account (@Popmvsics) October 13, 2024
Ganz schön prüde, Generation Z!
Und auf der anderen Seite: Menschen, und vor allem junge Menschen, sind so prüde wie nie. Man denke zum Beispiel an Sabrina Carpenter (25). Die war als Kind Star in einer Disney-Serie, ist inzwischen aber natürlich erwachsen. Sie kleidet sich häufiger mal in aufreizender Lingerie, singt viel über Sex, und macht in Interviews und auf Social Media gerne sexuelle Anspielungen.
Trotz all dem war ein Fan schockiert, als sie ein Sabrina-Carpenter-Konzert besuchte, und Carpenter dort (Überraschung!) knapp bekleidet war und aufreizend tanzte. „Im 17 and AFRAID of Sabrina Carpenter when she's performing“ (deutsch: „Ich bin 17 Jahre alt und habe ANGST vor Sabrina Carpenter wenn sie performt“) proklamierte sie auf Twitter.
Als ich selbst 17 war, wäre ich wahrscheinlich lieber gestorben als so eine prüde Aussage von mir zu geben. Für Millenials wie mich ist es immer ein riesiger Kulturschock, im Internet und von jungen Menschen spießigere Meinungen zu lesen als selbst teilweise von unseren Eltern und Großeltern.
