TikTok und Co. machen es vor

Man(n) bricht sich die Knochen: Der „Looksmaxxing“-Trend ist unglaublich gefährlich

Looksmaxxing verbreitet sich rasant auf TikTok und Co. Experten warnen: Der Trend setzt junge Männer massiv unter Druck und kann schwere Folgen haben.

Author - Mariella Mandurino
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Beim Looksmaxxing brechen sich manche Menschen die Gesichtsknochen, um noch perfekter zu sein.
Beim Looksmaxxing brechen sich manche Menschen die Gesichtsknochen, um noch perfekter zu sein.Foto mit KI generiert

Es ist ein wahnsinnig gefährlicher Social-Media-Trend und immer mehr junge Männer machen ihn nach. Looksmaxxing ist auf Plattformen wie TikTok und Co. gerade in aller Munde. Man(n) soll sein Aussehen dabei maximieren, also das Beste aus sich rausholen. Doch der Trend wird übertrieben, Männer brechen sich für das perfekte Aussehen ihre Gesichtsknochen.

Es gibt Softmaxxing und Hardmaxxing

Auf Social Media geht es zunehmend mehr um Selbstdarstellung und die perfekte Optik. Das lässt weder Frau noch Mann kalt. Stattdessen ruft es schwere Selbstzweifel hervor. Doch Looksmaxxing ist das neue Extrem. Um bei Frauen besser anzukommen, müssen Männer zu einem sogenannten Chad werden. Er ist quasi das Idealbild eines Mannes.

Ein Chad ist selbstbewusst, überdurchschnittlich attraktiv und kommt vor allem gut bei den Frauen an. „Normale“ Männer vergleichen sich also mit einem Chad, und wer nicht so aussieht, muss seinen Look optimieren, um zu einem „Alpha-Mann“ zu werden. Dabei wird in zwei Kategorien unterschieden: Softmaxxing und Hardmaxxing.

Während Softmaxxing noch recht gesund erscheint – es wird Sport getrieben, man ernährt sich gesund und betreibt Hautpflege –, ist das Hardmaxxing ein gefährlicher Prozess. Auf TikTok gibt es immer mehr Videos, in denen sich Männer filmen, wie sie zu einem Chad werden wollen.

Streamer bricht vor der Kamera zusammen

Dabei wird Bonesmashing betrieben. Mit einem Hammer werden die Gesichtsknochen gebrochen, damit die Knochen später kantiger zusammenwachsen. Das soll zu markanteren Augen- und Kieferpartien führen. Das Gefährliche daran: Die Knochenbrüche können zu Nervenschäden und erheblichen Schwellungen führen. Keiner, der das Hardmaxxing betreibt, weiß also, wie sein Gesicht danach aussehen wird und ob es Schäden davonträgt.

Der amerikanische Streamer Clavicular (20, bürgerlich Braden Eric Peters) nutzt diese Methode schon lange. Er zeigt auf Social Media immer wieder Vorher-nachher-Bilder. In einem Stream erzählt er, dass er zusätzlich harte Drogen wie Crystal Meth konsumiert, und verabreichte sich kürzlich selbst eine Überdosis. Der Grund für den Konsum: Er will seinen Körperfettanteil reduzieren, doch das ist nur ein Zeichen für massive körperliche Schäden.

Auf Social Media ist es mittlerweile eine Leichtigkeit,  in die Abgründe des Looksmaxxings einzutauchen. Das musste auch TV-Moderator Louis Klamroth (36) feststellen. Im MDR-Podcast „Kulturschock – Von Feuilleton bis For You Page“ erzählt er: „Ich habe irgendwelchen, ich glaube, Fitness-Content angeguckt. Irgendeine Übung, die ich zu Hause machen kann, für meinen Rücken, und war dann aber in zwei, drei Schritten bei Looksmaxxern. Das hat mich fasziniert, wie schnell ich zu Leuten kam, die sich mit einem Hammer den Kiefer zertrümmern.“

Jugendlichen fehlt eine andere Identifikationsfigur

Doch nicht jeder erkennt sofort, dass der Trend problematisch ist. Psychotherapeut Dirk Stemper sagt, dass Jugendlichen ein Narrativ fehlt, mit dem sie sich identifizieren können. Auf seiner Website schreibt er: „Diese Flucht in die Äußerlichkeit ist oft ein Abwehrmechanismus. Es ist einfacher, sich Sorgen um seinen Unterkiefer zu machen, als sich mit Einsamkeit, Versagensängsten oder dem Gefühl der Bedeutungslosigkeit auseinanderzusetzen.“

Weiter heißt es: „Wenn ein junger Mann glaubt, sein Unglück liege nur an seinem Kinn oder seinen Augen, dann gibt es eine scheinbare Lösung: Operationen oder Training. Die schmerzhafte Auseinandersetzung mit dem eigenen Charakter und der emotionalen Reife wird so vermieden.“ Sicher ist: Dieser Trend ist gefährlich und sollte nicht unterschätzt werden.

Haben Sie schon von Looksmaxxing gehört und kennen Sie jemanden in Ihrem Umfeld, der das bereits angewendet hat? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com