Stars leben es vor

Trend „Non Bathing“: Weniger duschen für gesündere Haut und mehr Umweltschutz?

Hollywood-Stars leben den Trend „Non Bathing“ vor. Jetzt stellt sich die Frage: Ist tägliches Duschen wirklich notwendig? Experten erklären Sinn und Unsinn.

Author - Sebastian Krause
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Viele Menschen duschen täglich. Doch das kostet nicht nur unnötig viel Wasser, sondern schadet auch der Haut.
Viele Menschen duschen täglich. Doch das kostet nicht nur unnötig viel Wasser, sondern schadet auch der Haut.Aleksei Isachenko/imago

Jeden Tag duschen? Für viele Menschen ganz normal. Doch diese Routine steht nicht erst seit der Energiekrise auf dem Prüfstand. In den sozialen Medien trendet „Non Bathing“ – angeblich gut für die Gesundheit.

Weniger duschen spart Wasser und schützt die Haut

Die Idee dahinter: Wer seltener oder gar nicht mehr unter die Dusche steigt, schone die natürliche Schutzbarriere der Haut und spare massig Wasser. Stars aus den USA geben sich als Vorreiter.

Hollywood-Stars leben Trend „Non Bathing“ vor

Der Trend „Non Bathing“ (Nicht‑Baden) oder auch „Cleansing Reduction“ (Reinigungsreduktion) war 2021 in Hollywood eine Art Hype. Stars wie Kristen Bell, Brad Pitt und Jake Gyllenhaal haben sich schon dazu bekannt. Jennifer Aniston, Julia Roberts und Charlize Theron sagten in Interviews, sie duschten nur einmal die Woche, um Wasser zu sparen.

Mila Kunis sagte in einem Spotify‑Podcast sogar: „Ich wasche meinen Körper nicht jeden Tag.“ Sie reinigt nur ihre Achseln, Brüste, Füße und den Intimbereich. Duschen sei überbewertet. Ihr Partner Ashton Kutcher pflichtete ihr bei. Er nehme ein Stück Seife für Achseln und Schritt.

Experten sagen, dass man beim ständigen Duschen seinem Körper und seiner Haut viel zumutet.
Experten sagen, dass man beim ständigen Duschen seinem Körper und seiner Haut viel zumutet.Bihlmayerfotografie/imago

Industrie verdient Milliarden mit Pflegeprodukten

Natürlich sorgt der Beauty‑Trend für Diskussionen. Filmstar Dwayne „The Rock“ Johnson gab zu, gerne öfter am Tag zu duschen – morgens nach dem Aufstehen kalt, nach dem Sport warm. Sein Gesicht reinige er mit einem Peeling.

Gut 15 Milliarden Euro werden in Deutschland jedes Jahr für Körperpflegeprodukte ausgegeben, wie der Münchner Verlag Kunstmann schreibt, der den Bestseller „Clean: The New Science of Skin“ von James Hamblin übersetzen ließ und in Deutschland herausgebracht hat.

Man verbringt dann mehr Zeit als nötig unter der Dusche, verbraucht mehr Wasser als nötig, kauft Produkte, deren Inhaltsstoffe mehrmals um die halbe Welt transportiert und dann in Plastikflaschen abgefüllt wurden.

James Hamblin, ehemaliger Arzt

Forschung zur Körperpflege ist selten unabhängig

Es herrsche kaum Einigkeit darüber, was unsere Haut wirklich pflege und nähre – und was ihr schade. „Die Forschung auf diesem Gebiet ist nur selten unabhängig von den Großkonzernen der Kosmetikindustrie.“

Hamblin, ein ehemaliger Arzt, sagte dem „Süddeutsche Zeitung Magazin“, die Seifenindustrie habe die öffentliche Gesundheit stark verbessert. „Es lief nur irgendwann aus dem Ruder.“ Es sei wichtig, die Hände gut zu waschen, mit denen man sich oft an die Nase fasse oder die Augen reibe, „und zwar auch dann, wenn nicht gerade Pandemie ist“. Seife sei jedoch nur an wenigen Stellen wie Füßen und Achselhöhlen nötig.

Kreislauf muss man durchbrechen

„Dennoch sehen wir in der Werbung und in Filmen so häufig Menschen, die sich am ganzen Körper einseifen, als wären sie ein Auto in der Waschanlage“, führte Hamblin aus. „Man verbringt dann mehr Zeit als nötig unter der Dusche, verbraucht mehr Wasser als nötig, kauft Produkte, deren Inhaltsstoffe mehrmals um die halbe Welt transportiert und dann in Plastikflaschen abgefüllt wurden.“

Wer das tägliche Duschen aufgebe, rieche erst mal stärker und denke dann oft, noch mehr waschen sei die Lösung, sagte Hamblin. Diesen Kreislauf könne man durchbrechen. „Nach einer Weile ohne Eingriffe entsteht ein neues Gleichgewicht auf der Haut und in den Haaren.“

Die Entwicklung von Pflegeprodukten erfolgt „selten unabhängig von den Großkonzernen der Kosmetikindustrie“, heißt es von Experten.
Die Entwicklung von Pflegeprodukten erfolgt „selten unabhängig von den Großkonzernen der Kosmetikindustrie“, heißt es von Experten.Dzmitri Mikhaltsow/imago

Ständiges Duschen schadet der Haut

Die Hautärztin Marion Moers‑Carpi aus München unterstützt die Aussagen: „Wir muten unseren Körpern sehr viel zu. Viele waschen sich zu viel, zu heiß und zu lang.“ Zwanzig Minuten jeden Tag unter der warmen Dusche seien unnötig und überhaupt nicht gut. Menschen, die schon Hautprobleme wie zum Beispiel Neurodermitis haben, sollten auf jeden Fall vorsichtiger sein, betont sie.

Moers‑Carpi sagt wie Hamblin, mit täglichem Schrubben entferne man jene Öle von der Haut, die die Drüsen produzieren, um die Haut zu schützen. Dadurch werde die Haut trockener, und man nehme womöglich Feuchtigkeitscremes, um eine künstliche Version der Fette zu schaffen. Den Zwischenschritt könne man sich eigentlich sparen.

Dermatologin nutzt Kernseife

Sie selber dusche etwa zweimal die Woche und benutze wenig Seife, sagt die Dermatologin Moers‑Carpi. Das lange Zeit verkündete Konzept des Säureschutzmantels sei bei Hautärzten inzwischen umstritten. Sie persönlich empfehle durchaus Kernseife, die eine Zeit lang verpönt gewesen sei.

Zum Schluss ihr Blick zurück: „Fragen Sie mal Ihre Großeltern, wie oft die sich gewaschen haben. Früher war meistens nur einmal Baden in der Woche angesagt. Und das waren auch nicht alles Stinkemenschen.“

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com