Schlafzimmer-Schock

Von den Kindern beim Sex erwischt – und nun?

Wenn das Kind ins Schlafzimmer platzt, herrscht bei Mama und Papa oft erstmal Panik. Eine Expertin verrät, wie Eltern richtig reagieren – ohne Scham oder Drama.

Author - Jana Hollstein
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Ist mein Kind nun traumatisiert, weil es uns beim Sex gesehen hat? Eine Expertin kann Eltern beruhigen.
Ist mein Kind nun traumatisiert, weil es uns beim Sex gesehen hat? Eine Expertin kann Eltern beruhigen.Ole Spata/dpa/dpa-tmn

Leidenschaftliche Zweisamkeit, gedämpftes Licht – und dann das: Die Tür fliegt auf, im Rahmen steht ein kleiner Mensch im Schlafanzug. Große Augen, offener Mund, betretenes Schweigen. Und dann: „Mama? Papa? Was macht ihr da?“ Im Kopf der Eltern schrillen die Alarmglocken.

Ja, sagt Dana Mundt, Diplomsozialpädagogin bei der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke): jetzt sind Sie tatsächlich in der Bringschuld und müssen erklären. Sie rät, erstmal Ruhe zu bewahren und nicht in Scham zu verharren. „Fragen Sie sich: Was hat das Kind tatsächlich gesehen?“ Je nach Alter und Entwicklungsstand sind Kinder unterschiedlich in der Lage, das Geschehene zu deuten. „Kleinere Kinder interpretieren körperliche Nähe oft gar nicht als Sexualität, bei älteren entstehen häufig Fragen“, so Mundt.

Auf Fragen der Kinder eingehen, statt Aufklärung zu machen

Die eigene Reaktion, ob das Kichern, Schreien oder Erschrecken ist, kann aber auch erst recht Fragen und Unsicherheit beim Kind auslösen. Darauf sollte man dann auch eingehen. Denn Unsicherheit überträgt sich schneller, als man „Schlafenszeit!“ rufen kann.

Die Eltern in flagranti erwischt? Das ist für die Eltern oft unangenehmer als für das Kind.
Die Eltern in flagranti erwischt? Das ist für die Eltern oft unangenehmer als für das Kind.imagebroker/imago

Jetzt allerdings bitte keine spontane Biologie-Stunde! Stattdessen empfehlen Experten, sich an den Fragen des Kindes entlangzuhangeln. „Wenn Kinder Fragen stellen, ist das ein gutes Zeichen“, so Mundt. Antworten ja – aber bitte altersgerecht, ohne Details und ohne Überforderung. Das könnte etwa in diese Richtung gehen:

„Wir waren uns sehr nah, weil wir uns lieben.“

„Erwachsene zeigen sich manchmal so ihre Liebe.“

Wenn Kinder Eltern beim Sex erwischen, ist die Einstellung das Wichtigste

Wichtig ist dabei, ein Gefühl von Nähe und Sicherheit zu schaffen. Viele Eltern geraten schon beim Wort „Sex“ ins Schwitzen. Mundt rät dazu, ohnehin Ausschau nach kindgerechten Büchern über Körper, Gefühle und Sexualität zu halten. „Sie bieten einen leichteren Gesprächseinstieg, ohne dass Eltern alles in eigene Worte fassen müssen.“

Sexualität, Grenzen, Körper: Es gibt viele Bücher, die kindgerecht über diese Themen aufklären.
Sexualität, Grenzen, Körper: Es gibt viele Bücher, die kindgerecht über diese Themen aufklären.Jens Kalaene/dpa/dpa-tmn

Auch wenn Eltern oft denken, es sei doch noch viel zu früh, mit Kindern über Nähe, Liebe, Grenzen und Körper zu sprechen, gilt laut Mundt gerade die Regel: Es ist nie zu früh. „Natürlich immer mit verständlichen, dem Alter entsprechenden Worten und im Tempo des jeweiligen Kindes.“

Kinder werden in der Regel nicht dadurch traumatisiert

Und für alle, die jetzt panisch denken: Haben wir unser Kind traumatisiert?! – Entwarnung. Das sei in den meisten Fällen nicht so, beruhigt Mundt. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Wer nichts tabuisiert oder dramatisiert, sondern offen und zugewandt bleibt, hilft seinem Kind, die Szene einzuordnen.

Am Ende gibt es kein knallhartes „richtig“ oder „falsch“. Nur den passenden Umgang – und vielleicht künftig eine klare Regel: Vor dem Eintreten bitte anklopfen!

Was ist Ihre Meinung zu dem Thema? Haben Ihre Kinder Sie schon mal beim Sex erwischt? Schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com