Wir alle kennen die Inflation. Alles wird immer teuer, wir bekommen immer weniger für unser Geld. Nicht fair, aber zumindest klar für jeden erkennbar. Anders sieht das mit der sogenannten Skimpflation aus. Hier wird die Teuerung für den Verbraucher versteckt. Wir kaufen Produkte, die wie immer aussehen, aber die Qualität der Zutaten abgesenkt wurde – zahlen aber den gleichen Preis. Vor solchen Produkten warnt jetzt die Verbraucherzentrale Hamburg. Dort findet man eine Liste mit ganz aktuellen Produkten, die die Verbraucher hinters Licht führen. Wir stellen einige der Produkte vor.
Erstmal zur Erklärung: Skimpflation ist ein Kofferwort aus „knausern“ oder „einsparen“ (englisch to skimp) und dem Wort Inflation. „Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen scheinbar das gleiche Produkt, erhalten aber weniger Qualität fürs Geld“, sagt Armin Valet, Lebensmittel-Experte der Verbraucherzentrale. Die Praxis sei legal, solange die geänderte Zusammensetzung korrekt auf der Verpackung steht. „Für Hersteller ist dies interessant, wenn Rohstoffe teurer werden.“ So ließen sich Produktionskosten sparen.
Verbraucherzentrale: Tricks, um die Kunden zu täuschen
Im Supermarkt ist es kaum zu erkennen, wenn sich die Zusammensetzung des Lieblingsmüslis plötzlich ändert. Die Verbraucherzentrale Hamburg sieht darin einen Trick, um Kunden zu täuschen. Einige Hersteller ersetzten teure Zutaten wie Fleisch, Butter oder Haselnüsse durch günstigere wie Wasser oder Aromen, kritisiert der Verband.
Die Verbraucherzentrale hat eine neue Liste mit rund 40 Produkten veröffentlicht. Laut Valet dürfte die tatsächliche Zahl deutlich höher sein. Er ruft Kunden auf, betroffene Produkte zu melden. Hinweise wie „Neue Rezeptur“ oder „Verbesserte Rezeptur“ seien irreführend und Grund genug, skeptisch zu werden. Das Problem: Nur wer die alte und neue Zutatenliste vergleicht, bemerkt Unterschiede. „Aber kein Mensch hebt alte Produkte auf oder kennt deren Rezepturen“, so Valet.
Skimpflation: Bei diesen Produkten wird getrickst
Lieblings Nuss-Nougat Creme von Netto: Der Haselnussanteil ist drastisch von 20 auf 13 Prozent geschrumpft. Die Aufmachung der Verpackung ist quasi identisch. Nur ein kleiner Hinweis in der Ecke zeigt die verringerte Prozentzahl der Haselnüsse. Netto hat auf Anfrage der Verbraucherzentrale nicht reagiert.

Ketchup der Kaufland-Eigenmarke K Classic: Hier wird statt ehemals 73 Prozent doppelt konzentriertem Tomatenmark nun 72 Prozent einfach konzentriertes verwendet. Rezepturen würden regelmäßig angepasst, zu Jahresbeginn habe der Lieferant gewechselt, erklärt die Handelskette. Sensorische Tests hätten bestätigt, dass das Produkt den Erwartungen der Kunden entspreche.

Getränke-Sirup von Penny und Rewe (ja!): Der Fruchtgehalt ist von 60 auf 28 Prozent gesunken. Statt Frucht gibt es mehr Wasser in der Sirup-Flasche, die bloß noch fünf Liter Orangengetränk liefert (zuvor waren es zwölf Liter). Trotz Senkung des Verkaufspreises ist das fertige Erfrischungsgetränk dadurch um 28 Prozent teurer. Grund laut Hersteller: Lieferantenwechsel.

Feinschmecker Zitronen Butter Sauce von Knorr: Darin wurde der Butter-Anteil von 25 auf 10 Prozent reduziert. Verbraucher sollen nun selbst fünf Gramm Butter hinzufügen. Grund laut Hersteller: Rezepturanpassung. Der Lebensmittelkonzern Unilever reagierte nicht auf eine Anfrage der dpa.

Gut & Günstig Sahne-Geschnetzeltes von Edeka: Der Anteil an Schweinegeschnetzeltem wurde reduziert – von 32 auf 24 Prozent. Dafür gibt es laut Verbraucherzentrale einen geringfügig höheren Anteil an Pilzen und Sahne. Grund laut Hersteller: Rezepturanpassung.

Schmelzkäse Milkana cremig leicht: Hier sank der Käse-Anteil von 65 auf 42 Prozent. Nach Angaben des Herstellers Savencia soll die Änderung die Qualität verbessert haben. Zwar sei weniger Käse enthalten, dafür nun aber auch Butter. Der Fettanteil sei höher als vorher. Auf der Verpackung steht laut einer Sprecherin „Jetzt noch leckerer“.

ja! Bolognese mit Hackfleisch von Rewe: Es sind nur noch 16 statt bisher 20,7 Prozent Rindfleisch enthalten. Die Rezeptur hat sich darüber hinaus deutlich verändert. An erster Stelle in der Zutatenliste steht nun Wasser. Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers wurde reduziert – jetzt kostet die Sauce 1,45 statt zuvor 1,59 Euro. Als Grund für die Rezepturänderung gibt der Hersteller eine Verbesserung der Sensorik an.

Der Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbandes Deutschland, Christoph Minhoff, weist die Vorwürfe der Verbraucherzentrale zurück. Was als Skimpflation anprangert werde, sei „eine notwendige Reaktion“ – etwa auf stark gestiegene Rohstoffpreise, gestörte Lieferketten, neue gesetzliche Vorgaben oder auch freiwillige Selbstverpflichtungen wie die Reduzierung von Zucker, Fett und Salz.



