Der Name ist immer noch gewöhnungsbedürftig. XPeng klingt wie Comic-Sprache. Du hast wohl den Knall nicht gehört, fragte mich ein Kumpel spöttisch, als ich mal über den XPeng G9 rede. Doch inzwischen nimmt die chinesische Autofirma auch bei uns Fahrt auf.
XPeng: Verkäufe haben sich versiebenfacht
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 2991 XPeng verkauft – siebenmal mehr als im Debütjahr 2024. Und im Januar wurden bereits 327 Fahrzeuge der Marke zugelassen. Das sind dreimal so viele wie im Vorjahresmonat. XPeng steht für Elektroautos. Die Zugpferde sind die SUV-Modelle G6 und G9. Wir sind den G9 AWD Performance gefahren.
Wie er aussieht: Der G9 Performance ist das Topmodell der Marke. Ein 4,89 Meter langer Elektro-SUV mit Allrad und 575 PS. Angesiedelt in der oberen Mittelklasse (Konkurrent BMW X5) wurde der G9 auf Luxus getrimmt. Glatte Flächen, kaum Kanten, viel Glas. Vorbei die Zeit der überdimensionierten Kühlergrills. Auch vorne hier fällt viel glattes, durchgehende Metall auf. Dazu kommt ein durchgehendes LED-Band – vorne wie hinten. Die Seiten: massiv, breit, selbstbewusst. Hinten: klare Linien, keine Spielereien.

Wie man drinsitzt: Tür auf, rein – und sofort fühlt man sich wie im Lounge-Sessel. Bequeme Sitze, breite Armlehnen, viel, viel Platz. Vorne wie hinten. Man sitzt hoch, hat Überblick. Elegantes Kunstleder sieht nach Premium aus. Mit dem Premium-Paket (Aufpreis: 3.960 Euro) sind Nappaledersitze mit 26 Millimetern Slow-Rebound-Schaumstoff an Bord. Alles wirkt hell, luftig, aufgeräumt.
Zwei 14,96 Zoll große Displays schweben nebeneinander wie Tablets im Cockpit. Keine Knöpfe, kaum Ablenkung. Kein Knöpfe heißt aber auch: Man muss sich reinfuchsen in die Bedienung. Oft nervt die Suche nach dem passenden Menü. Ein wichtiger Tipp: Man hat einen Schnellzugriff auf viele Funktionen (auch Ladeklappe und Spiegeleinstellung), wenn man mit dem Finger im Zentraldisplay von der oberen Kante nach unten wischt. Denn so öffnet sich ein Funktionsfenster für die wichtigsten Anwendungen.
Berliner Schlaglöcher werden weggebügelt
Wie er fährt: Kurz im Fahrmodus Sport das Pedal antippen – und der G9 schiebt los, als hätte er es sehr eilig. 575 PS, 4,2 Sekunden auf 100. 200 km/h Spitze sind eine Ansage. Tempo gibt es hier aber unaufgeregt, fast flüsterleise. Das Besondere: In den Reifen mindert eine dämmende Schaumstoffschicht Geräusche und störende Vibrationen.
Die Zweikammer-Luftfederung bügelt Berliner Schlaglöcher weg, als wären sie nur Pixel im Asphalt. In Kurven bleibt der XPeng erstaunlich stabil. Die Lenkung: leicht, aber präzise. Ein Allrad-Auto, das 2,4 Tonnen schwer ist, sich aber gar nicht so riesig anfühlt.

Wie er lädt: Sehr schnell. Der G9 AWD Performance beweist, dass auch die Langstrecke für Elektroautos kein Problem sein muss. In gut 20 Minuten knallt sich der der SUV Strom für 350 Kilometer rein. Vorausgesetzt, ein geeigneter Schnelllader ist in der Nähe.
Der Chinese setzt auf 800-Volt-Technik, bis zu 525 kW wären theoretisch sogar möglich. Aber Ladesäulen mit mit als 300 kW findet man in Deutschland bisher selten. Reichweite: bis zu 540 Kilometer.
Entspannung mit Zehn-Punkt-Shiatsu-Massagesitzen
Was er bietet: Riesige Displays mit klarer Grafik. Zehn-Punkt-Shiatsu-Massagesitze, die besser kneten als mancher Masseur. Ein Soundsystem, das Wohnzimmer-Atmosphäre schafft. 800-Volt-Ladetechnik für kurze Stopps. Und viel Sicherheit (vom Spurwechselassistenten bis zum Querverkehrswarner).
Ein Warnsignal beim Türöffnen verhindert sogenannte „Dooring“-Unfälle: Insassen werden vor dem Aussteigen auf Verkehrsteilnehmer hingewiesen, die sich von hinten nähern.



