Überirdisch

Weltraum-Liebe: Ist die schwerelose Lust im All möglich?

Lust ganz ohne Schwerkraft hat so ihre Tücken. Ein Astronaut erklärt, wie es trotzdem gehen könnte – und ob es schon mal jemand versucht hat.

Author - Jana Hollstein
Teilen
Die Erde liegt weiter hinter ihnen und die Schwerkraft auch. Mit dem Sex ist es jetzt etwas schwer.
Die Erde liegt weiter hinter ihnen und die Schwerkraft auch. Mit dem Sex ist es jetzt etwas schwer.Dreamstime/imago

Die Artemis II ist gerade auf dem Weg zum Mond mit einer gemischten Astronautencrew. Da fragt sich schon mal der eine oder andere: Tun sie’s – oder tun sie’s nicht? Und selbst wenn nicht: Ist das überhaupt möglich, Sex im Weltall zu haben?

Noch hatte kein Erdenbewohner auf einem fremden Planeten Sex. Doch jetzt, wo kommerzielle Reisen ins All immer näher rücken, scheint auch das immer wahrscheinlicher zu werden. Wenn man den Aspekt der Fortpflanzung mal beiseitelässt, ist es ja durchaus technisch möglich, einen überirdischen Orgasmus zu bekommen.

Bei der Nasa gab es noch keinen Sex im Weltall

Bis jetzt gibt es dafür allerdings noch keinen bestätigten Fall. Zwar schickte die Nasa 1992 das Ehepaar Mark Lee und Jan Davis zusammen an Bord der Shuttle-Mission STS-47 ins All, für Sex gab es dabei aber wohl keine Möglichkeit: Die Nasa achtete darauf, beide in sich nicht überschneidende Schichten einzuteilen, sodass der eine dann schlief, wenn der andere wach war, und umgekehrt. Mit der ständigen Überwachung auf einem Raumschiff kann wohl auch von Privatsphäre keine Rede sein.

Ulrich Walter ist ehemaliger Astronaut und Professor für Raumfahrttechnik im Ruhestand an der Technischen Universität München.
Ulrich Walter ist ehemaliger Astronaut und Professor für Raumfahrttechnik im Ruhestand an der Technischen Universität München.Matthias Balk/dpa

Wie der Astronaut Ulrich Walter dem Focus erklärte, seien die Amerikaner da sowieso etwas prüde. „Die Nasa wird von öffentlichen Geldern finanziert“, erklärt Walter. Sie müsse daher Wert darauf legen, dass nichts dergleichen passiert.

Ohne Schwerkraft fällt der Sex im All schwer

Dann gibt es auch noch logistische Probleme. Ohne Schwerkraft ist es schwer, auf dem Boden zu bleiben. Jede Bewegung lässt einen treiben, was die Koordination schwierig macht. So wird Intimität mehr zur Physik-Aufgabe.

Auch der Körper macht es einem nicht einfach. Im Weltraum verändert sich die Durchblutung, Hormone schwanken und die Libido kann in den Keller sinken. Man ist auf Überleben ausgerichtet, nicht auf Verführung.

Wie die Delfine: Astronaut erklärt, wie Sex im All funktioniert

Ulrich Walter meint, es gebe zwei Möglichkeiten, wie Sex im Weltall trotzdem funktionieren könnte. Entweder könnte man sich an einer Stange festhalten, oder es wie die Delfine machen: Die sind beim Sex oft zu dritt, wobei der dritte die beiden anderen zusammenhält, dass sie nicht auseinanderdriften.

Die Artemis-II-Besatzung (v.l.n.r.): Jeremy Hansen, Commander Reid Wiseman, Christina Koch und Victor Glover sind gerade im Weltall.
Die Artemis-II-Besatzung (v.l.n.r.): Jeremy Hansen, Commander Reid Wiseman, Christina Koch und Victor Glover sind gerade im Weltall.NASA/dpa

Weil sich beides nicht so optimal anhört, gibt es zum Glück jetzt schon Lösungsvorschläge. In den frühen 2000ern hat der Erfinder Vanna Bonta zum Beispiel einen „2suit“ vorgeschlagen. Das wären zwei Astronautenanzüge, die so designt sind, dass sie zwei Körper in einem schwerelosen Raum zusammenzippen können. Noch hat Bonta dafür keine Abnehmer gefunden, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Nur die Russen sollen Sex im All gehabt haben

Vielleicht hat er bei den Russen damit mehr Erfolg. Die sollen den Sex im All laut Ulrich Walter tatsächlich getestet haben. In seinem Buch „Höllenritt durch Raum und Zeit“ schreibt er, dass die damals 34-jährige Swetlana Sawizkaja im Jahr 1982 für acht Tage auf die Orbitalstation Saljut 7 reiste. Dort warteten bereits zwei Astronauten der Langzeitbesatzung. Der damalige russische Teamarzt habe wiederholt bestätigt, dass es sich dabei um den ersten Zeugungsversuch im All handelte – allerdings erfolglos.

Was ist Ihre Meinung zu dem Thema? Schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com