Eben noch hat man sich über Adventszeit mit Schokolade vollgestopft und an Silvester weit über den Durst getrunken, da kommt auch schon der 1. Januar: Der Tag, an dem wir endlich von jetzt auf gleich alle unsere Probleme lösen, endlich fit werden, nie wieder Alkohol trinken – oder? Länger als von dem guten Gefühl der guten Vorsätze verfolgt uns häufig das schlechte Gewissen, dass man sie nicht umgesetzt hat. Damit genau das im Jahr 2026 nicht schon wieder passiert (wirklich ganz bestimmt!), hat der KURIER sich professionelle Hilfe herbeigezogen.
Der Psychologe und Psychotherapeut Jörg Berger aus Heidelberg weiß ganz genau, warum Studien zufolge 80 (!) Prozent der Neujahrsvorsätze im Sand verlaufen: „Wenn der Vorsatz nur aus Vernunft kommt, geht uns schnell die Motivation aus. Am schwierigsten sind Vorsätze der Wiedergutmachung – also nach dem Motto:‚ Ich habe das im letzten Jahr schleifen lassen, jetzt will ich umso mehr.‘ Fast ebenso problematisch sind Ziele, die auf reine Selbstdisziplin setzen“.
Psychologe: Neujahrsvorsätze müssen Spaß machen
Doch das heißt nicht, dass Neujahrsvorsätze gleich von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind. Für erfolgsversprechend hält Jörg Berger Vorsätze, die aus echter Motivation entstehen – und dieser Vorsatz muss schon bei der Umsetzung Spaß machen, nicht erst am Ziel. „Nur wenige Menschen halten dauerhaft etwas Lästiges durch. Sport sollte also so gestaltet sein, dass er nach etwas Überwindung Spaß macht. Dabei sind kleine Tricks erlaubt: Viele Läufer etwa teilen ihre Strecke über das Smartphone mit anderen – das steigert die Motivation,“ verrät Berger.

Apropos Motivation: Viele Menschen teilen ihre Neujahrsvorsätze mit Freunden und/oder auf Social Media, um sich zur Verantwortung zu ziehen. Das sei nicht grundsätzlich schlecht, so Berger, aber „scheitert man sichtbar, ist das entmutigend – und untergräbt künftig das eigene Vertrauen in sich selbst.“
SMARTe Methode für Neujahrsvorsätze
Der Berliner Bewerbungs- und Karrierecoach Jürgen Hesse hat für die Strategen unter uns eine Methode, mit der man sich realistische Ziele setzen kann und auch gleichzeitig dafür sorgt, dass man sie besser erreicht. Die sogenannte SMART-Methode ist ein Masterplan, aber kleinteilig. Ein Ziel gilt als „SMART“, wenn es spezifisch (eindeutig), messbar (überprüfbar), attraktiv (motivierend), realistisch (machbar) und terminiert (zeitlich festgelegt) ist. Schreiben Sie sich ganz genau auf, wie Ihre Neujahrsvorsatz nach diesen Bedingungen funktioniert.

Und wenn man doch mal einen Ausrutscher erlebt? Dazu sagt Jörg Berger: „Jeder gute Vorsatz stößt auf Hindernisse. Wenn wir den Rückschlag einplanen, verlieren wir weniger leicht den Mut. Wichtig ist, daraus zu lernen: Wie kann ich einem Hindernis begegnen, damit es mich nicht wieder stoppt? So bleibt man flexibel – und findet zurück auf den eigenen Weg.“
Wenn bei den Neujahrsvorsätzen doch mal etwas schief läuft
Manchmal liegt das Problem allerdings tiefer. Innere Blockaden wie Perfektionismus können einem den Weg zum Ziel versperren. „Selbstreflexion hilft dann dabei, auszuloten, ob die selbst gesteckten Ziele noch zu den eigenen Werten, Stärken oder Rahmenbedingungen passen“, sagt Ute Gietzen-Wieland, Business- und Mentalcoach in Bielefeld. Erfolgskontrollen in Form von Checks einmal die Woche sorgen dafür, dass man schnell Fortschritte beim Erreichen der selbst gesteckten Ziele wahrnimmt oder auch Hemmnisse realisiert.



