Demonstranten protestieren vor dem Brandenburger Tor gegen den Krieg in der Ukraine.
Demonstranten protestieren vor dem Brandenburger Tor gegen den Krieg in der Ukraine. dpa/Kay Nietfeld

Das Leid der Kriegsopfer in der Ukraine und die Not der Flüchtlinge gehen den Menschen in Deutschland sehr nahe. Viele wollen helfen. Aber wie macht man das am besten? Tatsächlich ist nicht jeder Weg sinnvoll. Manche Idee schadet und kostet mehr, als sie hilft. Hier sechs Vorschläge, wie Sie die Ukraine und ihre Menschen am besten unterstützen können.

1. Spenden Sie dort, wo das Geld sinnvoll eingesetzt wird

Der schnellste und direkteste Weg der Hilfe ist das Spenden von Geld. Das ist tatsächlich immer ein guter Weg. Denn die Spende kann schnell und nach Bedarf eingesetzt werden. Es muss nicht erst geprüft, sortiert, beladen und transportiert werden. Und es unterstützt auch den Handel vor Ort.

Wichtig ist natürlich, an wen Sie spenden. Informieren Sie sich im Internet über die Organisation. Ein guter Beleg für einen seriösen Umgang mit den Spenden ist das DZI-Spendensiegel. Trägt die Organisation dieses Siegel, können sie schon mal sicherer sein, dass Ihr Geld auch bei den Opfern ankommt.

Unser Tipp: Zwei Bündnisse aus großen Hilfsorganisationen sind „Aktion Deutschland Hilft“ und „Bündnis Entwicklung Hilft“. Sie tragen natürlich alle das DZI-Spendensiegel – und haben gemeinsam dieses Spendenkonto eingerichtet:

Aktion Deutschland hilft und Bündnis Entwicklung hilft, Stichwort Nothilfe Ukraine, IBAN: DE53 200 400 600 200 400 600

Eine gute Idee kann es auch sein, eine kleine Hilfsorganisation aus Ihrer Region zu unterstützen. Nutzen Sie die Chance, sich direkt bei den Organisatoren zu informieren, wie das Geld eingesetzt wird.

Jeder kann Zeichen der Solidarität setzen.
Jeder kann Zeichen der Solidarität setzen. dpa/Christophe Gateau

2. Informiere Sie sich bei seriösen Quellen

Es klingt so banal, ist aber doch so wahr: Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst. Vor allem mit den sozialen Medien ist die Zahl der Falschmeldungen noch einmal sprunghaft gestiegen. Das macht Stimmung und kann auch Opfern massiv schaden.

Beteiligen Sie sich daran nicht. Gehen Sie verantwortungsvoll mit Informationen um, damit möglichst wenig Lügen verbreitet werden. Seriöse Medien erkennen Sie daran, dass immer eine Quelle genannt wird und darauf hingewiesen wird, wenn die Information nicht durch mehrere Quellen verifiziert werden konnte.

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Der Berliner KURIER arbeitet so. Das können wir Ihnen versprechen. Gleiches gilt für ARD und ZDF und viele etablierte Tageszeitungen.

Wenn Sie sich wissenschaftlich fundierte Informationen wünschen, empfehlen wir zum Beispiel den Thinktank Zentrum Liberale Moderne: Auf deren Seite Ukraine verstehen erklären Osteuropa-Expertinnen und -Experten die aktuelle Lage in der Ukraine.

Direkt aus dem Kriegsgeschehen berichtet zum Beispiel Kyiv Independent auch auf Englisch. In Russland wurden zuletzt auch die letzten unabhängig berichtenden Medien verboten und geschlossen. Hier kann man nur noch auf die wenigen verbliebenen Korrespondenten vertrauen.

Eine weinende Frau mit einem Kind im Arm am Grenzübergang im polnischen Medyka.
Eine weinende Frau mit einem Kind im Arm am Grenzübergang im polnischen Medyka. dpa/Visar Kryeziu

3. Geben Sie nur Sachspenden ab, die auch wirklich benötigt werden

Sagen wir es ehrlich: Sachspenden sind oft gut gemeint, machen aber leider sehr oft viel Arbeit und kosten so am Ende mehr als sie helfen. Für viele ist es trotzdem schwer nachvollziehbar, dass Schuhe, ein Regal oder gebrauchte T-Shirts vielleicht gerade überhaupt nicht gebraucht werden und dass deren Transport mehr Kosten als Nutzen verursacht.

„Das ist doch aber noch gut“, ist der Satz, den Helfer dann am häufigsten zu hören bekommen. Sagen wir es knallhart: Es geht darum, was die Menschen brauchen, nicht darum, was  Sie entbehren können (oder gar loswerden wollen).

Deshalb die große Bitte: Erkunden Sie sich bitte vor einer Sachspende, was wirklich gebraucht wird. Das gilt für große Hilfsorganisationen genauso wie für die Sammelstellen in Ihrer Nähe. Und bitte nicht böse sein, wenn die Helfer auch mal Nein sagen.

Als Anhaltspunkt (aber auch nicht mehr) eine kurze Liste, was häufig benötigt wird:

Warme Baby- und Kinderkleidung, Decken und Schlafsäcke, Powerbanks, Campingkocher, Lebensmittelkonserven, Handlampen, Erste-Hilfe-Kästen, Medikamente, Hygieneartikel, Handys

Aber noch mal: Unbedingt kurz vor Abgabe informieren. Sonst fahren Sie vielleicht umsonst.

Und bitte bringen Sie die Sachen nicht selbst an die Grenze. Zuletzt hatten diverse Transporte vor Ort für Chaos gesorgt und Waren dabei, die niemand brauchte. So wird den Flüchtlingen nicht geholfen, sondern nur geschadet.

4. Stelle eine Unterkunft für Flüchtlinge zur Verfügung

Es sind schon mehrere Zehntausend Flüchtlinge aus der Ukraine nach Deutschland gekommen. Oft haben die Menschen kaum etwas dabei und brauchen vor allem eine Unterkunft. Wenn Sie einen oder mehrere Schlafplätze frei haben, können Sie das natürlich anbieten. Dafür müssen Sie sich nicht mit einem Schild an den Bahnhof stellen.

Es gibt bereits mehrere Portale im Internet. Ein Beispiel ist host4ukraine. Andere Plattformen finden Sie über eine Google-Suche oder Social Media. Gerne helfen auch die örtlichen Sozialbehörden oder lokale Hilfsorganisationen weiter.

Auf der Flucht sind vor allem Frauen und Kinder. Nachvollziehbar ist, dass sie sich wohler fühlen, wenn sie Unterkunft bei anderen  Frauen finden. Anbieten können Sie genau das in der Facebook-Gruppe „Host A Sister“.

Flüchtlinge im polnisch-ukrainischen Grenzgebiet.
Flüchtlinge im polnisch-ukrainischen Grenzgebiet. epd/Frank Schultze

5. Biete deine besonderen Fähigkeiten aktiv an

Einige spezielle Kenntnisse sind in der Flüchtlingshilfe gerade extrem gefragt.

So können sich qualifizierte Medizinerinnen und Mediziner beim DRK auch für Einsätze in Polen und der Ukraine melden. Die Organisation bietet dafür ein spezielles Training an. Mehr Infos dazu gibt es auf Seite des DRK.

Sie sprechen Russisch oder Ukrainisch? Dann können Sie sich Übersetzer melden.Wenden Sie sich am besten an lokale Hilfsorganisationen.

Regionale Hilfseinrichtungen sind zum Teil sehr dankbar, wenn Sie sich melden, weil Sie ein sehr großes Fahrzeug besitzen, das für Transporte von Waren oder Menschen genutzt werden kann. Noch mal: Aber fahren Sie bitte nicht nicht selbstständig an die Grenze!

Auch wenn Sie (als Jurist) qualifiziert sind, Rechtsberatung zu leisten, ist Ihre Unterstützung sicher sehr gefragt.

Für diese und andere Hilfsangebote können sich Freiwillige hier registrieren. Die Plattform #LeaveNoOneBehind steht dafür, in Krisen niemanden zurückzulassen.

Auf Instagram bietet der Kanal @standwithukraineeastgermany allen Menschen aus Ostdeutschland die Möglichkeit, sich zu vernetzen. Der Kanal wurde privat gegründet, um Hilfsangebote im Osten Deutschlands für die Ukraine besser zu organisieren.

6. Erheben Sie Ihre Stimme – es hören mehr als Sie vielleicht glauben

„Das bringt doch eh nichts?“ Falsch.

Zuletzt gab es Demonstrationen für den Frieden und gegen Putins Krieg in ganz Europa und den USA. Von unserer Korrespondenten wissen wir, dass die Botschaft in der Ukraine und vor allem auch in Russland bei den Menschen angekommen ist.

Die Kraft des Wortes wirkt. Erheben Sie Ihre Stimme. Auf Demos, im Internet, in den Sozialen Medien. Setzen Sie Zeichen der Solidarität. Die Summe aus vielen kleinen Aktionen gibt ein gewaltiges Ganzes.

Lassen Sie die Opfer des Krieges wissen, dass sie nicht allein sind.