Eine Flugreisende verlässt den Flughafen der portugiesischen Stadt Faro. Das Land gilt als Variantengebiet, aber nicht mehr lange. AP Photo/Ana Brigida

Es klingt wie ein Stück aus dem Tollhaus, aber tatsächlich ergibt es Sinn: Gerade noch sind Tausende Urlauber aus Portugal vorzeitig heimgekehrt, weil das Gebiet jetzt als Virusvariantengebiet zählt. Wer in Deutschland aus dem Portugal-Urlaub eintrifft, muss sich sofort in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Dasselbe gilt für Großbritannien und Russland. Doch bald soll es die Einstufung Virusvariantengebiet überhaupt nicht mehr geben. Denn auch in Deutschland breitet sich die Delta-Mutante des Coronavirus rasend schnell aus. Deshalb ergibt es keinen Sinn mehr, die Delta-Variante außen vor zu lassen, denn sie ist ja schon längst da.

Deshalb wird das Reisen zum Start der Urlaubssaison - auch wenn diese in Berlin und Brandenburg längst gestartet ist - trotz anhaltender Corona-Pandemie leichter: An den deutschen Außengrenzen wird es keine generellen Kontrollen geben, und selbst für Heimkehrer aus Portugal und Großbritannien könnte es demnächst ungeachtet der starken Ausbreitung der Delta-Variante wieder Erleichterungen geben, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag ankündigte.

Im Grenzgebiet Überprüfungen im Rahmen einer Schleierfahndung

Seehofer sagte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Spahn, es werde lediglich im Grenzgebiet Überprüfungen im Rahmen einer Schleierfahndung geben. Er verwies darauf, dass die unmittelbaren Nachbarländer Deutschlands keine Risikogebiete mehr seien – und somit auch keinerlei Auflagen für Reisende mehr gelten.

„Uns interessiert der Reiseverkehr aus der Türkei“, fügte der Bundesinnenminister hinzu. „Da sieht es anders aus.“ Die Türkei ist im Gegensatz zu den meisten EU-Länder als Corona-Risikogebiet eingestuft, weshalb für Einreisende aus diesem Land weiter eine Quarantänepflicht gilt.

Die geringe Zahl an Autoreisenden aus diesem Land rechtfertige aber keine stationären Kontrollen an der Grenze. „Ich möchte nicht, dass wir Rückstaus bis Wien haben, damit wir einen Fall aus der Türkei rausfischen.“ Nach Seehofers Worten wird es „Ausleitungen“ der Fahrzeuge auf grenznahe Parkplätzen geben, wo die Reisenden dann überprüft werden sollen.

Umfassende Kontrollen bei Einreise mit dem Flugzeug

Umfassende Kontrollen soll es laut Seehofer aber weiterhin bei der Einreise mit dem Flugzeug geben. Hier werde bei jedem Passagier die erforderliche Reiseanmeldung überprüft. Dabei müssen alle Reisenden entweder ein negatives Testergebnis oder einen Impf- beziehungsweise Genenesennachweis vorlegen.

Spahn sagte zu den Virusvariantengebieten, wenn die Delta-Variante in Deutschland vorherrschend werde und mit dem Wissen, dass die zweifache Impfung auch bei dieser Virusvariante schütze, „werden wir uns in den nächsten Tagen die Situation anschauen“. „Wenn sich das beides so bestätigt, wird man Portugal und das Vereinigte Königreich dann auch wie Hochinzidenzgebiete behandeln können.“

Portugal war kürzlich ebenso wie Russland und zuvor Großbritannien wegen der Ausbreitung der Delta-Variante als Virusvariantengebiet eingestuft worden. Damit gelten für Heimkehrer strenge Beschränkungen. Die Rückkehrer müssen auf jeden Fall für 14 Tage in Quarantäne, auch wenn sie geimpft oder genesen sind. Sie können sich auch nicht freitesten. Für Hochinzidenzgebiete gilt eine zehntägige Quarantäne, die nach fünf Tagen durch ein negatives Testergebnis beendet werden kann.

Delta-Variante in Deutschland auf dem Vormarsch

Die besonders ansteckende Delta-Variante ist auch in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Der Anteil der Ansteckungen mit der zuerst in Indien festgestellten Variante an allen Corona-Neuinfektionen verdoppelte sich laut Robert-Koch-Institut (RKI) in der dritten Juniwoche erneut auf nun 37 Prozent. Die Experten gehen davon aus, dass Delta spätestens in dieser Woche zum dominierenden Virusstamm in Deutschland wird.

"Delta wird auch bald in Deutschland die dominierende Variante sein", sagte auch Spahn. Er gehe davon aus, dass „wir noch im Juli sehen werden, dass Delta auch bei uns über 70, 80 Prozent der Infektionen ausmacht“.

Nach Spahns Angaben sind aber ohnehin nur wenige der in Deutschland festgestellten Infektionen auf eine Ansteckung im Ausland zurückzuführen. Ihr Anteil an allen registrierten Infektionen liege „Stand heute“ bei zwei Prozent, wie Spahn sagte. Diese niedrige Quote solle erhalten bleiben. Im vergangenen Jahr habe sie zeitweise bei fest 50 Prozent gelegen.