Amtsinhaber Macron (r.) und Herausforderin Le Pen müssen sich einer Stichwahl stellen. AFP/Saget/Feferberg

Amtsinhaber Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen ziehen bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich nach den ersten Hochrechnungen in die zweite Runde ein. Macron kommt nach ersten Angaben der Wahlforschungsinstitute vom Sonntagabend auf 27 bis 29,7 Prozent der Stimmen. Damit liegt er in der ersten Runde vor der Rechtspopulistin Marine Le Pen, die demnach auf 23,5 bis 24,7 kommt.

Emmanuel Macron profitiert von der Schwäche anderer Kandidaten

Auch wenn viele Franzosen unzufrieden mit Macrons erster Amtszeit waren und er im Wahlkampf nicht begeisterte, profitierte der 44-Jährige von der Schwäche anderer Kandidaten und Wünschen nach Stabilität angesichts des Ukraine-Krieges.

Die rechte Populistin Le Pen versuchte dagegen, mit gemäßigteren Tönen als früher zu punkten und inszenierte sich zugleich als Anwältin derjenigen, die unter der Inflation und steigenden Preisen für Strom, Sprit und Lebensmittel leiden. Die anderen Kandidaten spielten im Wahlkampf eine deutlich geringere Rolle.

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Macron und Le Pen treten nun am 24. April gegeneinander an – eine Wiederauflage der Stichwahl von 2017, in der Macron seine Konkurrentin letztlich klar schlug. Umfragen sagten für dieses Mal aber einen deutlich knapperen Ausgang vorher. Es ist in Frankreich durchaus nicht ungewöhnlich, dass der Kandidat, der in der ersten Runde auf Platz zwei gelandet war, die Stichwahl gewann.

Macrons Sieg in der Stichwahl ist keineswegs sicher

Der Linke Jean-Luc Mélenchon, der mit gut 20 Prozent als Drittplatzierter nicht in die Stichwahl kam, hat sich jedoch gegen die Wahl Marine Le Pens in der Stichwahl ausgesprochen. „Ihr solltet keine einzige Stimme Madame Le Pen geben“, rief er am Sonntagabend seinen Anhängerinnen und Anhängern zu.

Sowohl die mit rund fünf Prozent krachend gescheiterte konservative Kandidatin Valérie Pécresse als auch der Grüne Yannick Jado, die Sozialistin Anne Hidalgo und der Kommunist Fabien Roussel haben unmittelbar nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen ebenfalls dazu aufgerufen, in der Stichwahl für Präsident Macron zu stimmen

Der rechtsextreme Publizist Éric Zemmour hingegen rief seiner Unterstützerin Marion Maréchal zufolge zur Wahl von Marine Le Pen auf. Maréchal, eine Nichte Le Pens, sagte im französischen Fernsehen: „Emmanuel Macron ist der Hauptgegner. Er ist der Präsident der massiven Einwanderung, der Präsident der Unsicherheit, der Präsident der Deindustrialisierung.“

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Le Pen gilt als „Putin-Versteherin“

Ein Sieg der 53-jährigen Le Pen wäre für Deutschland und Europa ein Schock mit bedeutungsschweren Folgen. Le Pen stellt die seit Jahrzehnten enge Zusammenarbeit mit Berlin infrage und strebt eher nach Kooperation mit Euroskeptikern. In der Europäischen Union könnte Frankreich unter ihr vom Treiber zum Bremser werden, ganz anders als unter dem pro-europäisch engagierten Macron. In der eskalierenden Krise zwischen dem Westen und Russland befürchten Europa und die USA mit ihr ein Bröckeln der festen Pro-Ukraine-Front.

Le Pens Wahlkämpfe wurden mitunter auch schon durch Millionenkredite russischer Banken finanziert. Sie beteuert zwar ihre Ablehnung des russischen Überfalls der Ukraine, lehnt die Wirtschaftssanktionen gegen den Aggressor aber ab. Die Wiener Zeitung bezeichnete sie unlängst sogar als „Putin-Versteherin“.

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