Der Generalbundesanwalt ließ den hochrangigen Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes, Carsten L., wegen des Verdachts auf Landesverrat festnehmen.
Der Generalbundesanwalt ließ den hochrangigen Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes, Carsten L., wegen des Verdachts auf Landesverrat festnehmen. dpa/Kay Nietfeld

Am Mittwoch wurde ein Mitarbeiter des deutschen Auslandgeheimdienstes wegen Spionage für Russland verhaftet. Der Vorwurf auf Carsten L. lastet schwer: Landesverrat. Als hochrangiger Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes soll er Moskau sensible Informationen zugespielt haben. Und nicht nur das – denn offenbar hatte Carsten L. auch Zugriff auf die Berichte ausländischer Geheimdienste.

Wie Focus Online berichtet, saß Carsten L. als leitender Mitarbeiter bei der streng geheimen technischen Auslandsaufklärung des deutschen Auslandsgeheimdienstes. In dieser Funktion habe er auch Zugang zu Informationen westlicher Partnerdienste gehabt, berichtet das Magazin unter Berufung auf Informationen aus Berliner Sicherheitskreisen. Als Spezialist für Auswertung sei L. für die Analyse sämtlicher Vorgänge und Informationen zuständig gewesen, die der BND durch weltweite Abhöraktionen gewonnen hat.

Gab der Spion auch Daten des US-Auslandsgeheimdiensts NSA an Moskau weiter?

Zu dem Material, das L. zur Auswertung und dann zur Information der Bundesregierung zur Verfügung stand, gehörten angeblich auch die bei Lauschoperationen beschafften Erkenntnisse befreundeter Partnerdienste, so Focus Online weiter. Zu ihnen zählen unter anderem die leistungsstarke amerikanische National Security Agency (NSA) und der britische Abhördienst Government Communications Headquarters (GCHQ). Im BND bestehe deshalb große Sorge, dass Carsten L. auch Material befreundeter Geheimdienste an Russland weitergegeben haben könnte.

Carsten L. war offensichtlich im BND selbst enttarnt und dann auf Anweisung der Bundesanwaltschaft festgenommen worden. Ihm wird Landesverrat vorgeworfen. Zu Einzelheiten äußerten sich die Behörden bislang aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.

Doppelagent droht lebenslange Haft

Landesverrat kann in besonders schweren Fällen wie diesem mit einer Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren oder auch einer lebenslangen Freiheitsstrafe geahndet werden. Ein solcher Fall liegt etwa dann vor, wenn der Täter eine verantwortliche Stellung missbraucht hat, die ihn zur Wahrung von Staatsgeheimnissen besonders verpflichtet.

Bundesjustizminister Marco Buschmann äußerte sich bereits am Donnerstagabend zum Fall. „Wenn sich der Verdacht bestätigt, ist hier ein wichtiger Schlag gegen russische Spionage gelungen“, schrieb der FDP-Politiker auf Twitter. „Das zeigt, wie wachsam wir sein müssen.“