Digitale Tickets

Zu spät geklickt, 100 Euro weg: Die Ticket-Falle im Nahverkehr

Fahrkarten für Bus und Bahn auf dem Handy werden erst nach einigen Sekunden gültig.

Author - Stefan Doerr
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Tickets für die Bahn sind nach dem Kauf noch kurz gesperrt.
Tickets für die Bahn sind nach dem Kauf noch kurz gesperrt.Rüdiger Wölk/Imago

Ein paar Sekunden können in Bus und Bahn teuer werden. Das mussten Fahrgäste in Finnland und der Schweiz schmerzhaft erfahren. In beiden Ländern hagelte es Bußgelder, weil digitale Tickets beim Einstieg noch nicht vollständig geladen waren. Die Fälle sorgen international für Kopfschütteln und werfen die Frage auf: Wie streng ist Deutschland bei digitalen Tickets?

Ticket war fünf Sekunden zu spät gültig

In Vantaa, einer Stadt nahe Helsinki, wartete der 16-jährige Kasperi im Winter auf seinen Bus. Kurz vor dem Einsteigen begann er, sein digitales Ticket zu laden. Doch Kälte und ein fast leerer Akku machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Das Ticket lud sehr langsam und erschien erst fünf bis sechs Sekunden nach dem Einstieg auf dem Display. Ein Kontrolleur zeigte keine Gnade und verdonnerte den Schüler zu 100 Euro Strafe.

Zugticket erst nach der Abfahrt gekauft: 220 Euro Strafe

„Das Ticket war fünf oder sechs Sekunden zu spät“, sagte Kasperi dem finnischen Sender Yle. Seine Mutter legte Einspruch ein mit Verweis auf die besonderen Umstände und das Alter von Kasperi. Doch ohne Erfolg! Die Verkehrsgesellschaft HSL blieb hart und verwies auf strengere Regeln für App-Tickets.

Auch Marco Wyss und seine Freundin erwischte es kalt. Die beiden sprangen in Solothurn in letzter Sekunde in den Zug nach Bern und kauften ihr Ticket erst, als der Zug schon rollte. Genau 17 und 32 Sekunden nach Abfahrt. Die Kontrolle folgte prompt, die Strafe ebenso: 220 Euro zusammen. Eine Beschwerde? Zwecklos. In der Schweiz gilt: Tickets müssen vor Abfahrt gelöst sein, Punkt.

Besitzer von Deutschlandtickets müssen oft nicht so viel Strafe zahlen.
Besitzer von Deutschlandtickets müssen oft nicht so viel Strafe zahlen.Aviation-Stock/Imago

Und wie sieht es in Deutschland aus? Wer sein digitales Ticket nicht vorzeigen kann, zum Beispiel weil der Akku leer ist oder die App Probleme macht, gilt formal als Fahrgast ohne gültigen Fahrschein. Das bedeutet: erhöhtes Beförderungsentgelt, mindestens 60 Euro.

Allerdings zeigen viele Verkehrsunternehmen Kulanz, wenn das Ticket personalisiert ist, wie beim Deutschlandticket oder der Monatskarte. Wird das Ticket später nachgewiesen, reduzieren Betriebe die Strafe häufig auf eine Bearbeitungsgebühr von etwa 7 Euro.

Bei vielen Anbietern, wie beispielsweise bei der Deutschen Bahn oder den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), haben Sie die Möglichkeit, Einspruch einzulegen. Wenn Sie nachweisen können, dass Sie das Ticket vor Fahrtantritt gelöst haben, die App aber gestreikt hat oder der Kaufprozess durch das System verzögert wurde, zeigt sich der Kundenservice oft kulant. In Berlin gilt im VBB zum Beispiel eine 60-Sekunden-Sperre für gekaufte Tickets, damit Fahrgäste nicht erst eine Fahrkarte kaufen, wenn die Kontrolle schon läuft.

Im Fernverkehr kann ein Online-Ticket teilweise noch bis zu zehn Minuten nach Abfahrt gelöst werden, wenn die nächste Haltestelle noch mehr als zehn Minuten entfernt ist.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com