Rundfunkbeitrag

Zahlen wir zu viele Rundfunkgebühren? Der große Ländervergleich zeigt’s!

18,36 Euro kosten uns die Öffentlich-Rechtlichen monatlich. Der Blick auf Europa zeigt: In vielen Ländern zahlen Bürger deutlich weniger – oder gar nichts.

Author - Jana Hollstein
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Nicht jeder, der heutzutage fernsieht, schaltet bei den Öffentlich-Rechtlichen ein.
Nicht jeder, der heutzutage fernsieht, schaltet bei den Öffentlich-Rechtlichen ein.HalfPoint Images/imago

Seit 2021 zahlen Deutsche in der Regel 18,36 Euro monatlich an den Staat, damit ARD, ZDF und Deutschlandradio weiter finanziert werden können. Das ist je nach Gehalt keine geringe Summe. Der Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeigt: Es gibt durchaus andere Möglichkeiten.

Rundfunkgebühr in Deutschland bei monatlich 18,36 Euro

Der Rundfunkbeitrag, oft noch GEZ genannt, kostet den deutschen Durchschnittsbürger aktuell 18,36 Euro im Monat. Einge­fordert wird das Geld im Normalfall alle drei Monate gebündelt. Ob man den öffentlich-rechtlichen Rundfunk tatsächlich nutzt, ist dabei egal.

Die Deutschen zahlen mit am meisten

Ausnahmen und Ermäßigungen gibt es aber. Empfänger bestimmter Sozialleistungen wie Grundsicherung oder Bürgergeld, Schüler, Studenten, Pflegebedürftige, Blinde und Menschen, die in einer stationären Einrichtung leben, können eine Befreiung einfordern. Menschen mit Behinderung, denen das Merkzeichen „RF“ zuerkannt wurde, können außerdem eine Ermäßigung beantragen. Außerdem gibt es diverse Sonderregelungen.

Im europäischen Vergleich gehört Deutschland damit zu den Ländern, die am meisten an Rundfunkgebühren verlangen. Nur Österreich und die Schweiz sind noch teurer. Österreicher zahlen pro Haushalt monatlich 15,30 Euro. Zusätzlich ist eine Bundeslandabgabe von 4,70 Euro fällig. Die Schweiz ist in Europa absoluter Spitzenreiter mit einer jährlichen Gebühr von 355 Franken (370 Euro) – das sind, auf die Monate runtergerechnet, 32,74 Euro. Eine Volksabstimmung, diesen Betrag auf deutsche Verhältnisse zu senken, ist vor Kurzem gescheitert.

Auch der RBB wird durch Rundfunkgebühren finanziert.
Auch der RBB wird durch Rundfunkgebühren finanziert.CHROMORANGE/imago

In vielen europäischen Ländern gibt es keine Gebühr

In manchen europäischen Ländern fällt die Rundfunkabgabe allerdings komplett weg. Andorra, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Frankreich, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Rumänien, Russland, die Slowakei, Spanien, die Ukraine, Ungarn und Zypern finanzieren ihre Rundfunkprogrammanbieter stattdessen über Steuern aus dem Staatshaushalt.

In anderen europäischen Ländern gibt es zwar die Rundfunkgebühr, aber sie ist vergleichsweise niedrig. Griechenland verlangt schmale 3 Euro im Monat, Portugal 3,02 Euro. In Polen zahlt man monatlich 6,31 Euro – besitzt man nur ein Radio, dann sogar nur 2,01 Euro. Im Mittelfeld befinden sich zum Beispiel Irland mit 160 Euro im Jahr (13,33 Euro monatlich, Rentner können sich befreien lassen) und Kroatien (10,62 Euro im Monat).

Große Unterschiede in Europa

Europäische Länder unterscheiden sich nicht nur bei der Höhe des Rundfunkbeitrags, sondern auch bei seiner Erhebung. In Deutschland erheben bekanntlich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die Gebühren selbst. Genauso ist es in Großbritannien (157,50 Pfund jährlich, was etwa 181,50 Euro entspricht, also 15,13 Euro monatlich). In Griechenland, Italien und der Türkei handelt es sich bei der Rundfunkgebühr dagegen um einen Aufschlag auf die Stromrechnung.

Im Europa-Vergleich zahlen Deutsche also besonders viel, was dazu führt, dass Diskussionen über voreingenommene Berichterstattung besonders hitzig geführt werden. Zuletzt kochten die Streitgespräche wegen einer kommenden leichten Erhöhung der Rundfunkgebühren wieder hoch – aber ein Blick auf unsere Nachbarländer zeigt, dass es auch anders geht.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com