Ärger vor der Bühne

„Wie ein Affe im Zoo“: Künstler und Fans wehren sich gegen Handys bei Konzerten

Filmen statt feiern? Immer mehr Konzertbesucher halten ganze Shows mit dem Smartphone fest. Künstler wie Maite Kelly oder Finch kritisieren den Trend scharf.

Author - Sebastian Karkos
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Viele Konzertbesucher konzentrieren sich mittlerweile nicht mehr auf das Konzert selbst, sondern nur noch aufs Smartphone.
Viele Konzertbesucher konzentrieren sich mittlerweile nicht mehr auf das Konzert selbst, sondern nur noch aufs Smartphone.Illustration: Berliner KURIER

Sommerzeit ist Open-Air-Zeit. Konzerte und Festivals locken unter freiem Himmel. Doch viele Besucher genießen die Musik der Künstler längst nicht mehr richtig, sondern filmen das Geschehen fast durchgehend mit ihrem Handy.

Maite Kelly klagt über aufdringlichen Besucher

Vor einer Woche platzte Maite Kelly deshalb der Kragen. Bei einem Konzert in Löbau (Sachsen) entdeckte die Sängerin einen Besucher mit großem Teleobjektiv. Das gefiel ihr gar nicht. Auf der Bühne beklagte sie sich: „Ich bin verschwitzt. Ich bin auch eine Frau. Ich bin keine eitle Frau, aber ich habe auch ein bisschen Würde und ein bisschen Stolz.“ Damit ist die Debatte um Handys bei Konzerten um eine weitere Episode reicher.

Auch Rapper Finch, der am Freitag und Sonnabend in der jeweils ausverkauften Alten Försterei auftrat, gilt als Smartphone-Gegner. Über Konzertaufnahmen sagte er einmal: „Ich bin kein Affe im Zoo.“ Vor den beiden Konzerten in Köpenick gab er bekannt, dass „sämtliche Aufnahmegeräte während des Auftritts verboten“ seien.

Smartphones versperren die Sicht auf die Bühne

Mittlerweile sind auch viele Konzertbesucher selbst vom Dauerfilmen ihrer Nebenleute genervt. Denn hochgehaltene Handys versperren nicht nur die Sicht, sondern beeinträchtigen auch das Live-Erlebnis. „Atmosphäre und Energie nimmt man viel intensiver wahr, wenn man nicht ständig auf sein Display schaut“, sagt etwa Konzertfotografin Megan Keijzer, die als Kundenverhalten-Expertin bei Kamera Express arbeitet.

Finch am Freitag im Stadion An der Alten Försterei. Die Fans feiern den Rapper – und das augenscheinlich ohne Handys.
Finch am Freitag im Stadion An der Alten Försterei. Die Fans feiern den Rapper – und das augenscheinlich ohne Handys.Matthias Koch/Imago

„Früher ging es um ein paar Fotos oder kurze Videos. Heute werden ganze Songs oder sogar komplette Sets aufgenommen. Viele Menschen verspüren den Drang, alles zu filmen, weil inzwischen scheinbar alles online geteilt werden muss“, so Keijzer. Darauf haben viele Besucher, aber auch zahlreiche Künstler keine Lust mehr. Hinzu kommt, dass die Qualität der Aufnahmen häufig alles andere als optimal ist.

Stars wie Bob Dylan, Madonna oder Alicia Keys haben Handyaufnahmen bei ihren Konzerten bereits untersagt. Wer sein Smartphone dennoch dabeihatte, musste es in einer speziellen Tasche verstauen, die während der Veranstaltung verschlossen blieb. Weil immer mehr Besucher zum Handy greifen, experimentieren Festivals inzwischen nicht nur mit verschließbaren Handyhüllen, sondern auch mit handyfreien Bereichen und abgeklebten Kameralinsen.

Menschen filmen bei Konzerten mit ihren Handys, um Erinnerungen festzuhalten, sie in sozialen Medien zu teilen und zu dokumentieren, dass sie live dabei waren.
Menschen filmen bei Konzerten mit ihren Handys, um Erinnerungen festzuhalten, sie in sozialen Medien zu teilen und zu dokumentieren, dass sie live dabei waren.Matthias Koch/Imago

Vielleicht wird das Handy bei Konzerten bald wieder das, was es ursprünglich einmal war: ein Begleiter. Und nicht der Hauptdarsteller der Show.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Sollte man Handys bei Konzerten verbieten? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com