Prozess gegen Fahrer beginnt

Vier Tote bei Flixbus-Unfall: Dieser Moment entschied über Leben und Tod

Vor zwei Jahren verunglückte ein Flixbus auf der Autobahn A9 bei Leipzig. 46 Menschen wurden verletzt, vier starben. Heute beginnt der Prozess.

Author - Florian Thalmann
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Vor zwei Jahren kam es auf der Autobahn A9 bei Leipzig zu dem folgenschweren Unglück mit einem Flixbus. Vier Menschen starben-
Vor zwei Jahren kam es auf der Autobahn A9 bei Leipzig zu dem folgenschweren Unglück mit einem Flixbus. Vier Menschen starben-Jan Woitas/dpa

Zwei Jahre ist es her, dass auf der Autobahn A9 bei Leipzig ein Bus des Fernbus-Anbieters Flixbus verunglückte – die Unfall-Bilanz machte den Crash zu einem der schlimmsten Busunglücke der vergangenen Jahre. Vier Menschen kamen ums Leben, 46 Fahrgäste wurden verletzt. In Leipzig beginnt nun der Prozess gegen den Busfahrer. Erstmals wurde nun öffentlich, welche Kleinigkeit zu dem schrecklichen Unfall geführt haben soll.

Unfall mit Flixbus ereignete sich auf der A9 bei Leipzig

Der furchtbare Unfall ereignete sich am 27. März 2024 auf der Autobahn A9 bei Leipzig. An Bord waren 54 Menschen. Während der Fahrt verlor der Fahrer plötzlich die Kontrolle über den Bus. Das Fahrzeug rauschte über einen Grünstreifen, durch mehrere Büsche, kippte um und landete auf der Seite. Der Bus soll mit fast 100 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen sein.

Augenzeugen berichteten schon kurz nach dem Unfall, wie sie das Unglück erlebten. Etwa eine Mutter, die mit ihren beiden Söhnen (4 und 6 Jahre) und ihrer Tochter (9) in dem Bus unterwegs war, von Berlin in die Schweiz wollte.

„Plötzlich wurden wir hin- und hergeschleudert, dann wurde mir schwarz vor Augen“, sagt sie der „Leipziger Volkszeitung“. Sie habe auf der linken Seite des Busses gesessen, neben sich ihr kleinster Sohn. Die beiden größeren Kinder saßen auf der rechten Seite. „Wir waren alle angeschnallt, vielleicht war das unser Glück.“

In dem Bus saßen mehr als 50 Passagiere. 46 zogen sich bei dem Unfall auf der A9 bei Leipzig Verletzungen zu.
In dem Bus saßen mehr als 50 Passagiere. 46 zogen sich bei dem Unfall auf der A9 bei Leipzig Verletzungen zu.Jan Woitas/dpa

Es kam nach dem Crash zum Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr, sogar Hubschrauber landeten auf der Autobahn. Doch bis der Bus aufgerichtet werden konnte, vergingen drei Stunden. Für vier der Fahrgäste kam jede Hilfe zu spät, sie starben an ihren Verletzungen. 46 Fahrgäste zogen sich Verletzungen zu.

Der Busfahrer steht nun vor Gericht: Heute beginnt der Prozess gegen den damals 62 Jahre alten Vlastimil S. aus Tschechien in Eilenburg vor Gericht. Der Vorwurf lautet auf fahrlässige Tötung in vier Fällen und Körperverletzung in 46 Fällen.

Löste eine Schirmmütze den Unfall mit vier Toten aus?

Für die Staatsanwaltschaft ist klar: Der Fahrer soll die „im Verkehr erforderliche Sorgfalt“ nicht an den Tag gelegt haben. Aber: Was bedeutet das? Laut einem Bericht von BILD soll der Busfahrer zu Protokoll gegeben haben, was dazu führte, dass er die Kontrolle über den Bus verlor.

Das Blatt will aus Polizeikreisen erfahren haben, dass Vlastimil S. von der Sonne geblendet wurde. Er habe deshalb nach unten gegriffen, wo eine Schirmmütze lag, die er sich aufsetzen wollte. Dabei habe er womöglich das Lenkrad verrissen. Ein winziger Augenblick, der vielleicht eine Tragödie mit vier Toten auslöste.

Nach dem Unfall mit einem Flixbus auf der A9 bei Leipzig kam es zu einem Großeinsatz der Rettungskräfte.
Nach dem Unfall mit einem Flixbus auf der A9 bei Leipzig kam es zu einem Großeinsatz der Rettungskräfte.Jan Woitas/dpa

Flixbus-Crash: Fällt das Urteil noch am Freitag?

Vlastimil S. habe allerdings, so die Ermittler, nicht unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen gestanden. Auch Medikamente habe er nicht genommen. Außerdem wurden am Bus keinerlei technische Mängel gefunden. Zudem hatten die Fahrer – es befand sich laut Berichten noch ein zweiter Busfahrer an Bord – alle Lenk- und Ruhezeiten eingehalten. Das Urteil in dem Prozess wird noch am Freitag erwartet, denn es ist für die Verhandlung nur ein Tag angesetzt.

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