Sylt will kurz vor dem 100. Geburtstag seines berühmten Bahndamms sprachlich einen Schnitt setzen: Zum Jubiläumsjahr 2027 soll auf der Insel nur noch vom „Syltdamm“ die Rede sein. Darauf haben sich die Gemeinde Sylt, die Deutsche Bahn und zahlreiche weitere Partner zum Auftakt des Jubiläumsjahres verständigt.
Festwochenende für Mai 2027 geplant
Die offizielle Jubiläumsseite läuft bereits unter „100 Jahre Syltdamm“, das große Festwochenende ist für den 29. und 30. Mai 2027 geplant. Nach Angaben der Gemeinde Sylt und der Jubiläumsseite soll der Damm dabei nicht nur als Verkehrsader, sondern auch als Stück Regionalgeschichte neu erzählt werden.
Paul von Hindenburg verhilft Adolf Hitler zur Macht
Der Grund für den neuen Sprachgebrauch ist politisch und historisch brisant: Paul von Hindenburg, nach dem der Damm im Volksmund jahrzehntelang benannt wurde, ist bis heute eine umstrittene Figur. Historisch gesichert ist, dass Hindenburg Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannte – eine Entscheidung, die die Bundeszentrale für politische Bildung als folgenschwer mit „weitreichenden Folgen“ beschreibt und das Deutsche Historische Museum als dramatische politische Wendemarke einordnet.

Genau deshalb gilt er vielen heute vor allem als „Steigbügelhalter Hitlers“. Brisant ist auch: Offiziell ist der Bahndamm nie auf den Namen Hindenburg getauft worden. Dass sich die Bezeichnung „Hindenburgdamm“ trotzdem eingebürgert hat, hängt wohl vor allem damit zusammen, dass Hindenburg bei der Eröffnung am 1. Juni 1927 persönlich anwesend war. Reichsbahn-Chef Julius Dorpmüller fragte damals in seiner Rede: Auf wessen Namen „wollen wir“ den neuen Damm taufen? „Er heiße Hindenburgdamm.“
Namen soll politisch weniger belastet sein
Dass die Debatte jetzt so viel Wucht bekommt, hat auch mit dem Jubiläum selbst zu tun. Denn auf Sylt wird der Damm längst nicht nur als Schienenverbindung gesehen, sondern als Lebensader der Insel. Die Gemeinde Sylt und der DB Sylt Shuttle betonen zum Start ins Festjahr ausdrücklich die Bedeutung des Bauwerks für Menschen, Wirtschaft und Region.
Und genau deshalb soll das Jubiläum nicht mehr unter einem historisch belasteten Namen gefeiert werden, sondern unter einem, der geografisch und politisch weniger Ballast trägt: „Syltdamm“.
Bahndamm wird am 1. Juni 1927 eröffnet
Hinter dem Bahndamm steckt eine Geschichte, die weit über die Namensfrage hinausgeht. Dass die feste Verbindung nach Sylt überhaupt gebaut wurde, hatte auch mit der Grenzverschiebung nach dem Ersten Weltkrieg zu tun. Nach der Volksabstimmung von 1920 blieb Sylt bei Deutschland, der bis dahin wichtige Fährweg führte aber über Hoyer, das nun zu Dänemark gehörte.
Damit wurde eine direkte deutsche Verbindung zur Insel plötzlich zur politischen, wirtschaftlichen und touristischen Notwendigkeit. Die Planungen liefen schon vor dem Krieg. Richtig Fahrt nahm das Projekt aber erst ab 1923 auf. Laut der offiziellen Jubiläumsdarstellung zerstörte bereits im August 1923 eine schwere Sturmflut große Teile der Baustelle. Etwa 250.000 Kubikmeter Boden wurden fortgespült, zeitweise arbeiteten bis zu 1.500 Menschen Tag und Nacht am Damm. Für das 11,2 Kilometer lange Bauwerk wurden nach Angaben der Jubiläumsseite rund 2,7 Millionen Kubikmeter Sandboden und 120.000 Tonnen Granit verbaut. Eröffnet wurde die Verbindung schließlich am 1. Juni 1927.
Bauwerk hat offiziell gar keinen Namen
Offiziell umbenennen lässt sich das Bauwerk heute trotzdem nicht. Denn nach Angaben der Deutschen Bahn tragen nur Tunnel offizielle Taufnamen. Der Bahndamm zwischen Festland und Insel hat kein Namensschild an der Strecke und wird intern schlicht als Teil der Strecke Elmshorn – Westerland geführt, mit der Streckennummer 1210.




