Blaues Wasser, grüne Hügel, Alpenpanorama – der Gardasee zieht jedes Jahr Millionen Urlauber an. Doch Anfang April 2026 passierte etwas in der Tiefe des größten Sees Italiens, das selbst Experten staunen ließ. Wie RAI Südtirol berichtet, hat sich der Gardasee zum ersten Mal seit 20 Jahren vollständig durchmischt – ein seltenes Naturereignis, das für das Ökosystem des Sees von enormer Bedeutung ist.
Warum dieses Ereignis für den See so wichtig ist
Der Gardasee hat sich vollständig durchmischt. Das klingt unspektakulär, ist für das Ökosystem des Sees aber ein bedeutendes Ereignis. Bei diesem seltenen natürlichen Prozess gelangt sauerstoffreiches Oberflächenwasser bis an den Grund des Sees, der an seiner tiefsten Stelle rund 270 Meter misst. Gleichzeitig steigt nährstoffreiches Tiefenwasser nach oben. Für Mikroorganismen und Fische in der Tiefe ist das lebenswichtig.
Möglich gemacht hat das Ereignis ein kräftiger Nordwind, der Anfang April über das Trentino zog. Wegen seiner großen Tiefe und der relativ schmalen Form kommt es im Gardasee nur selten zu einer vollständigen Durchmischung aller Wasserschichten. Normalerweise gelingt das nur teilweise, weil sich die verschiedenen Wasserschichten dafür in ihrer Temperatur angleichen müssen – ein Vorgang, der meist nur im Frühjahr und Herbst möglich ist.

Erschwerend kommt der Klimawandel hinzu. Steigende Temperaturen an der Wasseroberfläche verhindern zunehmend, dass sich die Schichten angleichen. Das gefährdet langfristig die Sauerstoffversorgung in der Tiefe. Dass es in diesem Frühjahr doch geklappt hat, ist deshalb ein kleines Wunder – und in Italien wird das entsprechend gefeiert.
Trockener März trübt die Freude
Die Freude über das Gardasee-Ereignis kommt dabei zu einem schwierigen Zeitpunkt. Nach einem ungewöhnlich trockenen März verschärft sich die Lage bei den Flüssen in Norditalien. Die Wasserführung der Etsch liegt rund 40 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt, auch der Sarca, der direkt in den Gardasee mündet, verzeichnet deutliche Defizite. Ob der See im weiteren Jahresverlauf zur Wasserregulierung herangezogen werden muss, hängt von den Niederschlägen in den kommenden Wochen ab.


