Hantavirus

Tödlicher Virus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: Das ist bekannt

Auf dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ starben drei Menschen, die Passagiere sitzen fest – und die Weltgesundheitsorganisation ermittelt auf Hochtouren.

Author - Tobias Esters
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Die "MV Hondius" vor der Küste von Kap Verde – an Bord kam es zu einem tödlichen Hantavirus-Ausbruch mit drei Toten.
Die "MV Hondius" vor der Küste von Kap Verde – an Bord kam es zu einem tödlichen Hantavirus-Ausbruch mit drei Toten.AFP

Es klingt wie der Anfang eines Thrillers: Ein Mann zeigt plötzlich Symptome an Bord eines Kreuzfahrtschiffs mitten im Atlantik. Kurz darauf stirbt er. Seine Frau erkrankt ebenfalls, wird ausgeflogen und stirbt in Johannesburg. Am Ende zählt die Weltgesundheitsorganisation drei Tote, einen Patienten auf der Intensivstation und sechs Infizierte insgesamt – ausgelöst durch das Hantavirus.

Drei Tote, zwei Besatzungsmitglieder krank

Unter den Todesopfern soll sich einem Medienbericht zufolge ein niederländisches Ehepaar befinden. Das dritte Todesopfer befindet sich noch an Bord des Schiffs.

Der Ausbruch ereignete sich an Bord der „MV Hondius“, die von Ushuaia in Argentinien in Richtung Kap Verde unterwegs war. Das Schiff hatte rund 150 Passagiere an Bord, dazu etwa 70 Besatzungsmitglieder. Zwei Besatzungsmitglieder benötigen ebenfalls dringend medizinische Versorgung, teilte der Betreiber Oceanwide Expeditions mit.

Hantaviren kommen weltweit vor und werden über Nagetiere wie Mäuse und Ratten auf den Menschen übertragen. Die Viren werden mit dem Speichel, Kot oder Urin der Tiere ausgeschieden und können auch in getrocknetem Zustand noch mehrere Wochen ansteckend sein. Das Tückische: Für eine Ansteckung reicht es, infektiösen Staub einzuatmen. Ein direkter Kontakt mit Nagern ist nicht nötig.

So sieht das Hantavirus unter dem Elektronenmikroskop aus – die Viren haben einen Durchmesser von etwa 80 bis 200 Nanometern.
So sieht das Hantavirus unter dem Elektronenmikroskop aus – die Viren haben einen Durchmesser von etwa 80 bis 200 Nanometern.Hans R. Gelderblom/RKI/dpa

Typische Symptome sind Fieber über drei bis vier Tage mit Rücken-, Kopf- und Gliederschmerzen, die in der Regel zwei bis vier Wochen nach der Ansteckung auftreten. Je nach Virustyp kann die Erkrankung schwerer verlaufen und dann besonders die Nieren oder die Lunge schädigen. In Nord- und Südamerika lösen Hantaviren das sogenannte pulmonale Syndrom aus, das schwerwiegende Atemnot und eine hohe Sterblichkeit mit sich bringt.

Wie gefährlich ist das Virus für andere Passagiere?

Die entscheidende Frage lautet: Kann man sich von Mensch zu Mensch anstecken? Die WHO warnte, dass eine solche Übertragung zwar selten, aber möglich sei. Bei den in Europa und Asien verbreiteten Virustypen findet sie normalerweise nicht statt. Nur beim hochvirulenten Andes-Virus aus Südamerika gibt es Hinweise darauf. Da die „MV Hondius“ zuletzt in Argentinien und der Antarktis unterwegs war, laufen die Untersuchungen auf Hochtouren.

Luftaufnahme der "MV Hondius" vor Kap Verde – das Schiff durfte den Hafen zunächst nicht anlaufen.
Luftaufnahme der "MV Hondius" vor Kap Verde – das Schiff durfte den Hafen zunächst nicht anlaufen.AFP

Derweil stecken die Passagiere an Bord fest. Die Behörden auf Kap Verde hatten zunächst die Ausschiffung nicht genehmigt. Es werde beraten, ob zwei weitere kranke Passagiere in Kap Verde isoliert werden sollten, bevor das Schiff seine Fahrt zu den Kanarischen Inseln fortsetzt.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus meldete sich persönlich zu Wort: Die WHO erleichtere die medizinische Evakuierung von zwei symptomatischen Passagieren und führe eine umfassende Risikobewertung durch. „Schnelles, koordiniertes Handeln ist entscheidend, um Risiken einzudämmen und die öffentliche Gesundheit zu schützen“, erklärte er.

Heilbar ist das Virus bislang nicht. Wirksame Medikamente gegen Hantaviren gibt es nicht, die Therapie bleibt auf die Linderung der Symptome beschränkt. Auch eine Impfung steht nicht zur Verfügung. Frühzeitige medizinische Behandlung kann die Überlebenschancen jedoch deutlich erhöhen.

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