Was wünschen Sie sich, wenn Sie am Strand liegen? Sonne auf der Haut, salzige Luft, vielleicht ein Stück saftige Wassermelone? Ja, ja und ja – aber ganz bestimmt keine Begegnung mit einer Giftschlange. Vielen Urlaubern wird es allerdings in diesem Jahr nicht erspart bleiben, denn auf den beliebten Urlaubsinseln Mallorca und Ibiza breitet sich eine invasive Schlangenart immer weiter aus. Videos von den Badestränden zeigen die Tiere im Meer und am Strand. Und Badegäste, die um ihr Leben rennen!
Giftschlangen breiten sich auf Mallorca und Ibiza aus
Es ist der Alptraum vieler Urlauber: Plötzlich kommt eine große, gemusterte Schlange aus dem Wasser und schlängelt sich im Blitztempo über den Sandstrand, direkt auf das eigene Handtuch zu.
Klingt wie im Horrorfilm, wird auf Mallorca und Ibiza aber gerade Wirklichkeit. Videos vom Mallorca-Strand zeigen, wie sich Badegäste vor den Schlangen in Sicherheit bringen und versuchen, den Tieren auszuweichen, die aus dem Wasser kommen und besonders angriffslustig wirken.
Es handelt sich dabei um Hufeisennattern, eine Schlangenart, die auf den Inseln gerade auf dem Vormarsch ist. Sie ist auf den Inseln schon seit längerer Zeit heimisch, breitet sich aber aktuell immer weiter aus und wird damit auch zu einem immer größeren Problem. Denn: Die Schlangen haben es auf die Pityusen-Eidechsen abgesehen – und innerhalb kurzer Zeit einen großen Teil der Population der Reptilien auf den Inseln Ibiza und Formentera vernichtet! Das Problem: Die Eidechsenart kommt nur auf den beiden Inseln vor, durch die invasive Schlange gerät also eine ganze Art in Gefahr.

Forscher glauben laut einem Bericht der „Mallorca Zeitung“ inzwischen, dass die Schlangen die Entfernung zwischen Ibiza und Mallorca schwimmend zurückgelegt haben. Auf der Sonneninsel versucht man, die Tiere einzufangen, denn auch hier richten sie Schaden an der örtlichen Fauna an. Es sind allerdings so viele, dass man die Schlangen kaum beherrscht bekommt. Einziger Vorteil: Für den Menschen sind die Hufeisennattern laut Berichten ungefährlich.
Hufeisennattern beißen, wenn sie in Gefahr sind
Hufeisennattern können zwar zubeißen. Sie tun dies jedoch ausschließlich zur Verteidigung, wenn sie sich bedroht fühlen, in die Enge getrieben oder angefasst werden. Für den Menschen ist der Biss dieser Schlangenart nicht gefährlich oder lebensbedrohlich. Die Hufeisennatter hat nämlich keine echten Giftzähne. Zwar besitzen viele ungiftige Schlangen ein leichtes Sekret, um Beute zu lähmen, doch die Dosis ist für den Menschen völlig harmlos.

Für die Tierwelt ist die invasive Schlange aber ein ernsthaftes Problem. „Diese Echsen, die dort verschwinden, sind für zahlreiche andere Beutegreifer eine Nahrungsgrundlage, und das hat sich über Hunderttausende oder Millionen Jahre eingespielt“, sagt Alexander Haas, Professor für Herpetologie am Leibniz-Institut, dem SPIEGEL.
Schlangen lassen das natürliche Gleichgewicht kippen
Ein neuer Räuber wie die Schlange bringt das natürliche Gleichgewicht schnell zum Kippen. „Das führt dann womöglich dazu, dass eine Art schneller aufgefressen wird, als sie sich fortpflanzen kann.“ Dann fehlt anderen Tierarten die Nahrungsgrundlage.
Ihren Namen verdankt die Hufeisennatter übrigens dem charakteristischen, hufeisenförmigen Muster auf dem Kopf. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst vor allem den Mittelmeerraum, insbesondere die Iberische Halbinsel sowie Teile Nordafrikas. Die Tiere bevorzugen warme, trockene Lebensräume wie Felsen, Buschlandschaften und lichte Wälder.
Hufeisennattern können eine Länge von bis zu 150 Zentimetern erreichen und sind sehr flinke Jäger. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus kleinen Säugetieren, Vögeln und Echsen. Sie sind tagaktiv und nutzen ihre ausgezeichnete Sehfähigkeit, um Beute gezielt zu verfolgen. Bei Gefahr fliehen sie meist schnell, können sich aber auch verteidigen, indem sie zischen und ihren Körper aufrichten.


