Umfrage

Rauer Umgangston! Sind wir alle unhöflicher geworden?

Rüpeln, drängeln, meckern. Die Deutschen bemängeln den Verlust an Höflichkeit im Umgang miteinander. An die eigene Nase fasst sich dabei allerdings fast keiner

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Besonders im Straßenverkehr ist der Umgangston rauer geworden, wird in der Umfrage bemängelt.
Besonders im Straßenverkehr ist der Umgangston rauer geworden, wird in der Umfrage bemängelt.Depositphotos / Imago

Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland hat das Gefühl, dass der Umgangston im Alltag spürbar rauer geworden ist. Das zeigt eine aktuelle YouGov‑Umfrage im Auftrag der Sprachlernplattform Babbel. 59 Prozent der Befragten empfinden den Ton heute als unfreundlicher als noch vor fünf Jahren. Kurios: Gleichzeitig halten sich 85 Prozent selbst für höflich …

Vor allem Boomer kritisieren vermehrte Unhöflichkeit

Besonders groß sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen. 65 Prozent der Boomer‑Generation (die Jahrgänge 1955 bis 1969) berichten von einer Verschlechterung des Umgangstons. Bei den Jüngeren, der Gen Z,  sind es dagegen nur 39 Prozent. Offenbar sind die Erwartungen an den höflichen Umgang miteinander bei den Älteren höher.

In Hamburg ist man höflich, in Berlin eher weniger

Auch regional gibt es deutliche Abweichungen. Hamburg schneidet im Ländervergleich am besten ab: 61 Prozent der Befragten erleben dort ihren Alltag als höflich. Bremen bildet mit 36 Prozent das Schlusslicht. Berlin  mit der legendären Berliner Schnauze liegt im unteren Mittelfeld auf Platz 11.

Das Höflichkeits-Ranking der Bundesländer laut Umfrage
  • Hamburg (61 Prozent)
  • Niedersachsen (45 Prozent)
  • Bayern (44 Prozent)
  • Thüringen (44 Prozent)
  • Sachsen (43 Prozent)
  • Sachsen-Anhalt (43 Prozent)
  • Brandenburg (42 Prozent)
  • Nordrhein-Westfalen (42 Prozent)
  • Saarland (41 Prozent)
  • Schleswig-Holstein (40 Prozent)
  • Berlin (39 Prozent)
  • Mecklenburg-Vorpommern (38 Prozent)
  • Hessen (38 Prozent)
  • Baden-Württemberg (36 Prozent)
  • Rheinland-Pfalz (36 Prozent)
Jemandem den Mittelfinger zu zeigen, ist heute gängig. Die obszöne Geste gilt weltweit meist als grobe Unhöflichkeit.
Jemandem den Mittelfinger zu zeigen, ist heute gängig. Die obszöne Geste gilt weltweit meist als grobe Unhöflichkeit.Rajabkordi / YAY Imges / Imago

Straßenverkehr als Rüpel-Brennpunkt

Besonders konfliktgeladen ist laut Umfrage der Straßenverkehr. 61 Prozent der Befragten empfinden ihn als Ort ausgeprägter Unhöflichkeit – sei es durch Drängeln, Hupen oder gereizte Gesten. Am Arbeitsplatz hingegen sehen nur 15 Prozent ein Höflichkeitsproblem. Immerhin: Der Job ist für die meisten ein vergleichsweise respektvoller Raum.

Anhänger von AfD und BSW besonders genervt

Die politische Einstellung beeinflusst das Empfinden zwar, aber weniger stark als andere Faktoren. Nur 10 Prozent der Linken‑Anhänger stören sich am Umgangston, bei der SPD sind es 15 Prozent, bei CDU/CSU sind es 16 Prozent, Am kritischsten äußern sich Anhänger von AfD und BSW mit jeweils 19 Prozent.

Haben auch Sie den Eindruck, dass die Menschen ruppiger und unhöflicher miteinander umgehen? Sind Sie schon mal sehr unfreundlich angegangen worden,  vielleicht an der Supermarktkasse oder im Straßenverkehr? Bitte erzählen Sie uns Ihre Erfahrungen, per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com