Sie kommen in riesigen Herden, fressen Felder kahl und bringen Landwirte zur Verzweiflung! In Ostthüringen breitet sich das Muffelwild immer weiter aus. Besonders im Saale-Orla-Kreis ziehen mittlerweile Rudel mit bis zu 400 Tieren über Äcker und Wiesen. Für viele Bauern ist das längst kein Naturidyll mehr, sondern ein handfestes Existenzproblem.
200 Mufflons fressen Felder kahl
„Bei uns stehen teilweise jeden Tag rund 200 Tiere auf den Rapsflächen“, sagt Ronny Braunschweig, Vorstand der Agrargenossenschaft Hochland eG aus Remptendorf gegenüber agrarheute.com. Die Folgen sind dramatisch. Neun Hektar Mais wurden im vergangenen Jahr komplett zerstört, der Schaden belief sich auf rund 20.000 Euro.
Das Problem betrifft längst nicht nur einzelne Höfe. Zwischen Lausnitz und Friedebach sowie zwischen Leutenberg und Gahma haben sich die Mufflons stark vermehrt. Laut Ludwig Gunstheimer, Präsident des Thüringer Landesjagdverband, ist die Zahl der Reviere mit Muffelwild von früher 18 auf heute rund 60 gestiegen. „Die Tiere breiten sich rasant aus“, warnt er in dem Bericht.

Die Jagdbehörden reagierten bereits. Im November wurde die Schonzeit aufgehoben, auch Nachtjagd und technische Hilfsmittel wie Wärmebild- und Infrarotgeräte wurden erlaubt.
Jagdprobleme und Angst vor Wolf und Luchs
Warum das Problem überhaupt so groß werden konnte, darüber gehen die Meinungen auseinander. Laut Gunstheimer gab es in der Vergangenheit zu wenig abgestimmte Jagden. Zudem hätten manche Jäger eher auf begehrte Trophäen geschielt, statt auf stabile Bestände zu achten. Auch die Behörden hätten Abschusspläne nicht konsequent genug kontrolliert.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Wolf und Luchs. Die Rückkehr der Raubtiere verändert das Verhalten der Mufflons massiv. Statt in kleinen Gruppen im Wald zu leben, schließen sie sich zu großen „Angstrudeln“ im offenen Gelände zusammen. Das macht sie zwar sicherer vor Fressfeinden – aber auch schwerer zu bejagen.
Rätsel um die tatsächlichen Bestände
Niemand weiß genau, wie viele Mufflons überhaupt in der Region leben. Es gibt bislang kein systematisches Monitoring. Der Jagdverband fordert deshalb, künftige Großjagden auch zum Zählen der Tiere zu nutzen.


