Die ersten Verhandlungstage im Prozess um den Mord an Fabian (8) aus Güstrow sind Geschichte. Doch während die einen auf die kommenden Prozesstage blicken, die am Landgericht Rostock geplant sind, haben die Angehörigen des getöteten Jungen noch damit zu tun, die ersten Eindrücke zu verarbeiten. Raffaela J., eine enge Freundin von Fabians Mutter Dorina, äußerte sich jetzt in einem neuen Video auf Youtube. Und beschreibt auf bedrückende Weise, wie sie den Prozess erlebte.
Am Dienstg wurde die Anklage im Fall Fabian verlesen
Am vergangenen Dienstag begann der Prozess im Mordfall Fabian vor dem Landgericht Rostock mit der Anklageverlesung, bei einem weiteren Termin sagten bereits Fabians Mutter Dorina L. und sein Vater Matthias R. aus. Mehr als 60 Zeugen sollen in dem Verfahren insgesamt vernommen werden, insgesamt wurden 17 Verhandlungstage angesetzt.
Wie erleben die Angehörigen den Prozess? Raffaela J., eine enge Freundin von Fabians Mutter, schildert das jetzt in einem Video.
Schon vor dem Prozess sei Dorina L. sehr aufgeregt gewesen. „Sie war supernervös in den letzten Tagen, hat auch viel geweint“, erklärt sie. „Sie hat auch sehr unruhig geschlafen, in der letzten Zeit immer wieder Alpträume gehabt.“ Auch am Tag vor dem Prozessauftakt habe Dorina L. schlecht geschlafen. „Wie wahrscheinlich wir alle.“
Am Morgen fuhren sie zum Gericht, gingen durch die Sicherheitskontrolle. Doch dort habe sie selbst plötzlich Probleme mit dem Kreislauf bekommen, sagt Raffaela J.

Im Gerichtssaal waren dann bereits viele Reihen besetzt – durch Pressevertreter und Zuschauer. Hier übt Raffaela J. Kritik: Es sollten Plätze für die Angehörigen von mutmaßlichen Tätern und Opfern freigehalten werden.
Dorina L. saß an der Nebenklagebank, sei sehr gefasst gewesen. Sie habe starr geradeaus geguckt, sei sehr gefasst gewesen. Um 9.29 Uhr sei dann Gina H., die Hauptverdächtige im Fall Fabian, in den Gerichtssaal geführt worden. Sie versteckte ihr Gesicht hinter einem roten Hefter, hatte Fußfesseln an den Füßen, die an ihrem Platz entfernt wurden.
Mordfall Fabian vor Gericht: „Der Saal war total still“
Sehr eindrücklich schildert Raffaela J., wie sich die Stimmung im Saal plötzlich veränderte. „So wie die hintere Tür aufgegangen ist und sie reinkam – der ganze Saal war total still. Es hat niemand mehr irgendwas gesagt, es war eine Totenstille da drin.“ Es sei krass gewesen: Vorher habe noch jeder getuschelt. „Dieser Moment, als sie reinkam – ich konnte meine Augen gar nicht von ihr lassen. Ich war so aufgeregt, ich war so nervös.“ Immer wieder habe sie zu Dorina L. geschaut – und die habe Gina H. nicht einmal aus den Augen gelassen.

Auch später habe Dorina L. nicht den Blick von der Verdächtigen genommen. „So, wie wir Dorina da erlebt haben: Das schafft sie. Sie wird die ganzen nächsten Verhandlungstage hinkriegen.“ Am Anfang habe sie Bedenken gehabt, ob Fabians Mama es schaffen wird.
„Wir sind so stolz auf sie. Wir sind richtig doll stolz, dass sie viel stärker ist, als sie es eigentlich gedacht hätte. Das hat mich am meisten überrascht, dass sie da so standhaft war.“ Gina H. habe die Blicke von Fabians Mutter allerdings nicht halten können, habe immer wieder nach unten oder zur Seite geschaut.
Fabians Mutter will für ihren Sohn stark sein
Das hatte auch Fabians Mutter in einem Interview mit RTL erklärt. „Sie hat gleich nach unten geschaut. Und sie hat einmal hoch geguckt, hat mich gesehen und hat gleich nach unten geschaut“, schildert Fabians Mutter die Begegnung vor Gericht. Sie habe zwischendurch auch gemerkt, wie Wut in ihr aufstieg, als sie die Tatverdächtige sah. „Ich wollte sie halt die ganze Zeit angucken. Sie konnte mir nicht mal ins Gesicht gucken.“ Der Prozess im Fall Fabian vor dem Landgericht Rostock wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. Weitere Termine sind dann für den 13. Mai, den 21. Mai und den 27. Mai geplant.


