Der Prozess im Fall Fabian aus Güstrow – in dieser Woche geht er in eine neue Runde. Ganz Deutschland schaut nach Rostock, wo sich am Landgericht Gina H. als Hauptverdächtige in dem Mordfall verantworten muss. Die Ex-Freundin von Fabians Vater Matthias R. soll den Jungen getötet haben, so die Staatsanwaltschaft. In dem Prozess kommen immer mehr furchtbare Details ans Licht. So sind die Ermittler inzwischen sicher: Eine Chat-Nachricht, die Fabians Vater an Gina H. sendete, könnte Fabians Todesurteil gewesen sein.
Fall Fabian: Gina H. wurde im November festgenommen
Der acht Jahre alte Fabian aus Güstrow verschwand am 10. Oktober 2025 aus dem Haus seiner Mutter Dorina L. in Güstrow. Es folgte eine Suchaktion, doch vier Tage später wurde seine Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl entdeckt. Sie war verbrannt worden – offenbar wollte der Täter oder die Täterin damit Spuren vernichten.
Erst tappten die Ermittler im Dunkeln, doch knapp einen Monat später wurde Gina H., die Ex-Freundin von Fabians Vater, festgenommen. Der Prozess soll nun klären, ob sie wirklich etwas mit dem Mord an Fabian zu tun hat. Bis zu einer Verurteilung gilt für die 30-Jährige allerdings die Unschuldsvermutung.
Über ein mögliches Motiv war bisher nur spekuliert worden. Doch inzwischen sind die Ermittler sicher, was Gina H. zu der Tat getrieben haben könnte: Sie sehen das Motiv in der Trennung von Fabians Vater. Laut Anklage dauerte die Beziehung von Matthias R. und Gina H. vier Jahre an.
Doch weil Fabian eine Auseinandersetzung der beiden miterleben musste, brach der Kontakt zwischen ihm und seinem Vater laut Erkenntnissen der Ermittler ab. Doch nach der Trennung kamen Vater und Sohn wieder miteinander in Verbindung. „Erst mit der nunmehr erfolgten Trennung kam es dazu, dass Fabian L. wieder vermehrt seinen Vater besuchen wollte und sich regelmäßig von Freitag bis Sonntag bei ihm aufhielt“, so die Behörden.

Im Hintergrund habe, so die Ermittler, Gina H. die Beziehung wieder aufleben lassen wollen. Doch Matthias R. habe das abgelehnt. Es führte zu der scheinbar verhängnisvollen Chat-Nachricht: Am 9. Oktober 2025, also einen Tag vor Fabians Verschwinden, soll Matthias R. seiner Ex-Freundin mitgeteilt haben, dass er die Beziehung nicht fortsetzen möchte, weil er nicht wieder den Kontakt zu seinem Sohn Fabian verlieren wollte. In der Theorie der Ermittler soll Gina H. nach dieser Nachricht „erbost“ gewesen sein – so steht es in der Anklage.
Mord an Fabian: So sehen es die Ermittler
Wollte sie die Beziehung durch den Mord an Fabian retten – und kann das wirklich das Motiv für die furchtbare Tat sein? Das vermuten die Ermittler. Am 10. Oktober soll sie sich auf den Weg zu Fabians Zuhause gemacht haben. Sie holte den Jungen laut Staatsanwaltschaft ab und fuhr mit ihm zu einem Waldstück und später zu dem Tümpel in der Nähe von Klein Upahl, der auch zum Tatort wurde. Hier soll sie Fabian mit mindestens sechs Messerstichen getötet und die Leiche im Anschluss mit Brandbeschleuniger angezündet haben.

Toter Fabian: Für Gina H. gilt die Unschuldsvermutung
Löste Fabians Vater mit den Nachrichten, die er an Gina H. schickte, also die furchtbare Tat aus? Das soll nun vor Gericht geklärt werden. Auch Textnachrichten und Chatprotokolle werden während der Verhandlung verlesen und angehört. Im Detail soll über die Nachrichten allerdings nicht berichtet werden.
Der Grund: Im Laufe der Verhandlung sollen mehr als 60 Zeugen Aussagen. Für das Urteil müssen sämtliche Zeugenaussagen gewertet werden. Doch das Bild könnte verzerrt werden, wenn wichtige Zeugen vor ihren Vernehmungen vor Gericht schon zu viele Details aus besagten Nachrichten oder Aussagen anderer Zeugen erfahren.


