Als Suppe oder mit Zucker

Tausende Maikäfer fliegen aus! Früher waren sie eine Delikatesse

Maikäfer sind regional wieder massenhaft unterwegs. Kaum zu glauben: Früher galten sie als Delikatesse und wurden sogar kandiert verkauft.

Author - Florian Thalmann
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Viele freuen sich, wenn sie einen der putzigen Maikäfer sehen. Doch früher wurden die Tierchen nicht nur beobachtet, sondern auch zu Suppe verarbeitet oder kandiert vernascht.
Viele freuen sich, wenn sie einen der putzigen Maikäfer sehen. Doch früher wurden die Tierchen nicht nur beobachtet, sondern auch zu Suppe verarbeitet oder kandiert vernascht.imageBROKER/imago

Maikäfer sind in den vergangenen Jahrzehnten immer seltener geworden – während sie früher im Wonnemonat überall beobachtet wurden, sah man sie über Jahre nur recht selten. Doch regional sind die Käfer jetzt wieder auf dem Vormarsch. Aktuell wird etwa aus Niedersachsen berichtet, dass die Käfer hier zu Tausenden unterwegs sind und vor allem aktiv werden, wenn die Dunkelheit einbricht. Was viele nicht wissen: Früher waren die dicken Brummer eine echte Delikatesse und wurden zu Suppe verarbeitet, gebraten oder sogar mit Zucker kandiert in Bäckereien verkauft.

Maikäfer kommen alle paar Jahre verstärkt vor

Maikäfer sind beliebt – die dicken Brummer lassen sich gut beobachten und sehen einfach niedlich aus, wenn sie auf dem Rücken liegend mit den Beinen strampeln und schwerfällig versuchen, sich wieder umzudrehen. Allerdings können die Brummer auch eine echte Plage werden: In den 50er- und 60er-Jahren ging man mit dem Insektizid Dichlordiphenyltrichlorethan gegen die Käfer vor, weil man Angst vor Schäden in der Landwirtschaft hatte. Die Käfer wurden für einen gewissen Zeitraum weniger. Doch vernichten konnte man sie nicht.

Wie gut das Maikäferjahr wird, ist regional unterschiedlich. Der Grund: Bei Maikäfern unterscheidet man zwischen zwei Arten, den Feldmaikäfern und den Waldmaikäfern. Bei beiden Arten vergeben zwischen der Eiablage und dem Schlüpfen der neuen Käfer-Generation zwischen drei und fünf Jahren. Die Käfer legen ihre Eier im Boden ab, daraus entwickeln sich dann Larven, die auch als „Engerlinge“ bezeichnet werden. Vier Jahre entwickeln sich diese, dann verwandeln sie sich in Jungkäfer. Im April schlüpfen sie dann – nach etwa sechs Wochen ist die Hochphase wieder beendet.

Alle paar Jahre kommt es regional zum Verstärkten Auftreten von Maikäfern. Denn von der Eiablage bis zum fertigen Käfer dauert es etwa drei bis fünf Jahre.
Alle paar Jahre kommt es regional zum Verstärkten Auftreten von Maikäfern. Denn von der Eiablage bis zum fertigen Käfer dauert es etwa drei bis fünf Jahre.imageBROKER/imago

Die Taktung ist aber überregional nicht überall gleich, weil die unterschiedlichen Maikäferstämme in verschiedenen Regionen jeweils nach einem eigenen Zeitmuster leben. Das bedeutet also: Nur weil es in einem Bundesland viele Maikäfer gibt, muss das auch nicht anderswo so sein – gibt es gerade viele in Niedersachsen, kann der Höhepunkt des aktuellen Maikäferlebens in Brandenburg erst in den kommenden Jahren erreicht werden. In Niedersachsen waren die Käfer in diesem Jahr sogar besonders früh dran, wurden bereits im April gesichtet.

Warmes Wetter lässt Maikäfer früher schlüpfen

Ein Experte des Naturschutzbund NABU erklärt das mit Witterungsbedingungen. „Wenn sie schon im April zahlreich unterwegs sind, liegt das meist an den Witterungsbedingungen, sprich an einem milden Winter. So kommt es zu geringeren Verlusten im Boden in der Larvenphase“, sagte Lamin Neffati vom NABU der „Kreiszeitung“. „Ein warmer Frühling sorgt für eine schnellere Entwicklung und ein früheres Schlüpfen. Zudem aktivieren warme Böden die Käfer früher.“

Dicker Brummer auf Tour: Vor allem in den Morgen- und Abendstunden fliegen die Maikäfer wie wild herum und lassen sich dann gut beobachten.
Dicker Brummer auf Tour: Vor allem in den Morgen- und Abendstunden fliegen die Maikäfer wie wild herum und lassen sich dann gut beobachten.imageBROKER/imago

Heute werden die Käfer nur noch beobachtet – und viele freuen sich darüber, einen Maikäfer zu sehen. Früher ging man mit den Tieren noch ganz anders um: Die Käfer galten mal als besonders nahrhafte Delikatesse, wurden zu verschiedenen Spezialitäten verarbeitet. Besonders berühmt ist etwa die Maikäfersuppe, für die sich noch heute zahlreiche Rezepte finden lassen.

Maikäfer, die Eichenlauf gefressen haben, sind bitter

Laut Überlieferung sollten die Maikäfer frisch von Bäumen „gepflückt“ werden, allerdings sollten keine verwendet werden, die Eichenlaub gefressen haben – sie könnten bitter schmecken, heißt es. Die Käfer werden dann gewaschen, von Flügeln und Beinen befreit und in einem Mörser etwas zerstoßen.

Für die Maikäfersuppe sollen die Käfer frisch vom Baum gepflückt werden.
Für die Maikäfersuppe sollen die Käfer frisch vom Baum gepflückt werden.Zoonar/imago

Maikäfersuppe kochen: So geht das alte Rezept

Dann werden sie in Butter angebraten, mit etwas Mehl geröstet und mit Brühe aufgegossen. Rund 20 Minuten muss die Maikäfersuppe köcheln, dann wird sie passiert und mit Gewürzen abgeschmeckt. Je nach Rezept wird auch Gemüse mitgekocht, Weißwein eingesetzt – oder es werden Käfer oder Engerlinge separat angebraten und als Einlage in die Suppe gegeben. Pro Person sind für die Zubereitung der Maikäfersuppe etwa 30 bis 40 Käfer nötig, heißt es in Kochbüchern. Laut Überlieferung soll der Geschmack übrigens einer Krebssuppe ähnlich sein.

Maikäfer wurden auch mit Zucker genascht

Die Suppe war nicht die einzige Art, wie Maikäfer verarbeitet wurden. Abgesehen davon, dass die dicken Brummer auch als Tierfutter eingesetzt wurden, wurden sogar rohe Maikäfer in Bäckereien kandiert als Süßigkeit verkauft. So schrieb der Arzt und Historiker Dr. Johann Joseph Schneider in einem Aufsatz von 1844: „In vielen Conditoreien sind sie überzuckert zu haben, und man ißt sie candiert als Tafeln zum Nachtische.“ Maikäfer waren also sogar mal eine leckere Süßigkeit, die ganz normal im Geschäft verkauft wurde.

Maiköfer in der Suppe? Davon hat nicht einmal die Künstliche Intelligenz eine klare Vorstellung. So stellt sich die KI das Gericht aus der Vergangenheit vor.
Maiköfer in der Suppe? Davon hat nicht einmal die Künstliche Intelligenz eine klare Vorstellung. So stellt sich die KI das Gericht aus der Vergangenheit vor.Ilustration: Berliner KURIER

Übrigens: Auch wenn sich die Begeisterung für Maikäfersuppe heute sicher in Grenzen hält – verboten ist die Zubereitung nicht. Denn die Käfer stehen nicht unter Naturschutz, dürfen deshalb theoretisch eingesammelt werden.

Haben Sie jemals Maikäfersuppe gegessen – und würden Sie das heute noch tun? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!