Vor Gericht

Dreister Diebstahl: Ikea-Kassiererin ließ jahrelang Familie gratis einkaufen

Systematisch schleuste die Kassiererin ihre Familie und Freunde durch die Kasse bei Ikea. Möbel und andere Waren für 130.000 Euro wurden so geklaut. Teils gab es Wunschlisten per WhatsApp.

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Einpacken ohne zu bezahlen – eine Kassiererin machte das bei Ikea für ihre Familie und Bekannte möglich.
Einpacken ohne zu bezahlen – eine Kassiererin machte das bei Ikea für ihre Familie und Bekannte möglich.photo2000/Imago

Familie, Freunde und Bekannte einer 50-jährigen Kassiererin bei Ikea bekamen jahrelang gewünschte Waren des Möbelhauses zum Nulltarif. Mit einem ausgeklügelten System hat die Frau den Betrug in einer Ikea-Filiale in Freiburg betrieben. Jetzt wurden Beteiligte des Betrugs zu Bewährungsstrafen verurteilt. Die 50-jährige Hauptangeklagte allerdings erschien nicht vor Gericht.

Ikea-Mitarbeiterin ließ nicht nur gratis einkaufen

Die 50-Jährige nutzte ihre Position in dem Ikea-Möbelhaus in Freiburg (Baden-Württemberg), um Freunde, Bekannte und Familienmitglieder durch ihre Kasse zu lassen, ohne deren Waren zu scannen oder zu kassieren. Auch der Ehemann und die Tochter der Kassiererin profitierten von der dreisten Masche. In 218 dokumentierten Fällen sollen so Möbel, Lampen und Haushaltsartikel verschwunden sein – im Wert von 130.000 Euro.

In einigen Fällen soll die Frau zudem Kassenbons regulär zahlender Kunden einbehalten haben. Ihre Komplizen suchten anschließend gezielt die entsprechenden Artikel in dem Ikea-Möbelhaus zusammen und gaben sie mit den Originalbelegen zurück. Der angeblich bezahlte Kaufpreis wurde erstattet.

Die fünf Angeklagten im Ikea-Fall und ihre vier Verteidiger sitzen im Amtsgericht Freiburg. Die Hauptangeklagte fehlte.
Die fünf Angeklagten im Ikea-Fall und ihre vier Verteidiger sitzen im Amtsgericht Freiburg. Die Hauptangeklagte fehlte.Philipp von Ditfurth/dpa

Möbel-Klau-LIste per WhatsApp

Ein Mitangeklagter schilderte vor Gericht, dass das Passieren der Kasse ohne Bezahlung „zur Routine“ geworden sei. Teilweise seien regelrechte Wunschlisten per WhatsApp verschickt worden. Über den Messenger-Dienst wurde beschrieben– oftmals mit einem Foto der Produkte –  welche Möbel, Lampen oder andere Artikel  organisiert werden sollten. Ein Teil der Beute wurde privat genutzt, ein anderer Teil über Ebay verkauft. In Chats bezeichnete sich die Bande laut Anklage selbst als „Ikea-Kartell“.

Bewährungsstrafen für das selbsternannte „Ikea-Kartell“

Am Montag standen fünf geständige Angeklagte im Alter von 26 bis 46 Jahren vor dem Amtsgericht Freiburg. Sie wurden zu Bewährungsstrafen zwischen einem Jahr und vier Monaten sowie zwei Jahren verurteilt. Das Urteil gegen sie ist noch nicht rechtskräftig.

Wann die Kassiererin selbst verurteilt werden könnte, ist noch unklar. Sie ist nach Auskunft ihres Anwalts mehrere Wochen krankgeschrieben. Das Verfahren gegen sie soll weitergehen, wenn es ihr Gesundheitszustand zulässt.  Für die 50-Jährige, die seit 2018 bei Ikea gearbeitet hat,  wird die Strafe wohl deutlich höher ausfallen. Mehrere Jahre Haft gelten als wahrscheinlich.

Ikea äußerte sich offiziell nicht zu dem Fall. Bekannt wurde beim Prozess, dass bei Inventuren immer wieder Differenzen festgestellt worden waren, im Jahr 2022 sogar der höchste Fehlwert deutschlandweit. Das Einrichtungshaus hatte schon früher Verdacht geschöpft und 2021 gab es einen Hinweis auf die Kassiererin. Zwischenzeitlich setzte Ikea Privatdetektive auf die Frau an.

Dass die Behörden schließlich ermittelten, lag am Ende wohl auch an den Beobachtungen eines Nachbarn der Tochter der Kassierin. Der  hatte offenbar Verdacht geschöpft, weil immer wieder originalverpackte Produkte im Keller verschwunden seien - und später dort wieder herausgeholt worden seien.